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14.11.2012

18:26 Uhr

Was vom Tage bleibt

Was tun gegen die Immobilienblase?

VonOliver Stock

Die Bundesbank glaubt, dass ein überhitzter deutscher Immobilienmarkt die Stabilität gefährdet. Gazprom findet in Deutschland Gas. Japan hat keine Wahl. Die Kommentare zum Tag.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Denkschwäche wegen Blasenschwäche

Wer zuviel Wein trinkt wird betrunken, wer zuviel Geld druckt, macht das Geld wertlos und wo wertloses Geld im Umlauf ist, sehnen sich die Menschen nach Dingen, die ihren Wert nicht verlieren - wie zum Beispiel ein Dach über dem Kopf. Das ist alles sehr logisch. Und bis auf die Sache mit dem Wein hat das heute die Bundesbank genauso aufgeschrieben. Der teils kräftige Anstieg der Immobilienpreise in deutschen Großstädte berge Gefahren, stellt sie in ihrem Monatsbericht fest. Sollte es zu Preisblasen kommen, könne dies die Finanzstabilität erheblich gefährden. Das war heute Vormittag. Seither streiten sich alle, ob es stimmt, was die Bundesbank da schreibt. Natürlich stimmt es. Dass gestritten wird, ist nur ein Ersatz fürs Nachdenken, was gegen die Symptome der Blase wirklich helfen könnte. Zinsen rauf? Mehr bauen? Strengere Kreditvergabe?

Russischer Segen

Gazprom tauscht Anteile am eigenen Unternehmen mit denen von BASF. Das führt dazu, dass zum Beispiel der Kasseler Betreiber Wingas bald komplett den Russen gehört. Mit der Pipeline Nord Stream durch die Ostsee pumpt Gazprom bereits durch zwei Leitungen „blaues Gold“ nach Deutschland. Und am 7. Dezember beginnt das Unternehmen mit dem milliardenschweren Bau der Röhre South Stream durch das Schwarze Meer und bekommt dann leichteren Zugang zum südeuropäischen Markt. Wen das mit Sorge erfüllt, der wende sich doch bitte an den FC Schalke 04. Die Mannen sind die Nummer zwei in der Bundesliga und stehen vor dem internationalen Durchbruch. Ihr Hauptsponsor? Gazprom. Russland kann auch segensreich wirken.

Nichts neues aus Japan

Neuwahlen tragen das Wörtchen "neu" in sich. Japan plant nun solche noch in diesem Jahr. Als Sieger könnten die Liberaldemokraten aus diesen Wahlen hervorgehen. Sie stecken derzeit in der Opposition. Ihr Rezept gegen die Rezession lautet: lockere Geldpolitik. Der Yen gab deswegen heute gegenüber dem Euro schon kräftig nach. Schade an sich, dass Neuwahlen immer wieder mit alten Rezepten gewonnen werden.

Treue Facebook-Fans

"Die Idee, dass eine frisch an den Markt gebrachte Firma unter tausenden und abertausenden Firmen weltweit die günstigste Gelegenheit ist, ist einfach dümmlich", sprach Warren Buffett und wurde beim Facebook-Börsengang vor einem halben Jahr damit ausgiebig zitiert. Und tatsächlich: Seitdem ging es mit dem Kurs vor allem bergab. Bis heute. Heute endete die Haltefrist für mehr als 800 Millionen Mitarbeiteraktien. Die Mitarbeiter aber haben gar nicht verkauft. Sie glauben offenbar an ihr Unternehmen, was der Aktie einen Schub nach oben einbrachte. Wenn der Glaube Berge versetzt, dann könnte auch Buffett demnächst zugreifen.

Der Chef hat immer recht

Eine Kollegin vom Westdeutschen Rundfunk hatte für den 30. November 2010 eine Dienstreise beantragt. Ihr Chef aber sagte "Nein" dazu. Die Kollegin meldete sich am 30. November krank und erschien am Folgetag wieder im Studio. Ihr Chef verlangte einen Krankenschein, sie sagte, den gebe es erst nach drei Tagen Abwesenheit. Beide haben sich bis vors höchste Gericht gezankt. Das hat heute klargestellt: Der Chef hat recht. Er darf bereits am ersten Tag ein Attest verlangen. Danke, liebe Kollegin, für diese Klarstellung.

Bleiben Sie gesund!

Oliver Stock

Ihr

Oliver Stock

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

14.11.2012, 18:36 Uhr

Was tun gegen die Immobilienblase? Da das Handelsblatt eine Antwort auf die selbst gestellte Frage schuldig bleibt, hier eine von Leserseite: Wiedereinführung einer nationalen Währung. Die soll dann ja angeblich stark aufwerten und damit wären sowohl Mittelzuflüsse aus dem Ausland als auch Spekulationen im Inland hinfällig.

Vicario

14.11.2012, 18:49 Uhr

Zitat : Der Chef hat immer recht

Der Chef hat ab heute recht mit dem Attest durch den dubiosen Spruch des Gerichtes. Bis heute hatte die Mitarbeiterin recht.
Was hat der Chef erreicht : er kann die Mitarbeiterin nicht belangen, hat die Handhabung mit dem Attest aber sehr eingeschränkt ( wie es allgemein bekannt sein dürfte, ist es eine große Kunst, innerhalb eines Tages sofort zu einem Arzt vorzudringen ).

Danke, Chef !!!! Danke, Gericht !!!! Ihr tut alles für die Motivation der Mitarbeiter, a la Agenda 2010 !!!

Bubble

14.11.2012, 19:10 Uhr

Wo genau entwickelt sich die Immo-Blase? Gut möglich, dass der teils exorbitante Preisanstieg in manchen Vierteln deutscher Großstädte Gefahren birgt. Ebenfalls gut möglich, dass diese Gefahren gar nicht die vorgenannten Viertel betreffen. Deutlich problematischer ist vielleicht der Glaube an eine ausgleichende Gerechtigkeit: Geht (ein Wortbeispiel nur) Kampen so richtig nach oben, müssen ja auch Kerpen und Kempten nachziehen. Je nun, vielleicht eben nicht. Vielleicht sind gerade diese mittleren Steigerungen absolute Fiktion. Sie könnten zur Bruchstelle werden in einem Szenario der fortschreitenden Auffächerung der Preisentwicklung. Am einen Ende geht es weiterhin recht deutlich rauf, weil die Schlange der potenziellen Nacherwerber lang ist, am anderen Ende, das schon heute an Wert-Schwindsucht leidet, muss sich die Regierung vielleicht schon bald stärkere Verlustschutz-Stützrädchen als nur die Beibehaltung der Pendlerpauschale einfallen lassen. Den Schwarzen Peter bekommen eventuell die rationalen Investoren in mittleren Lagen zugespielt. Klar, das ist nicht gerecht. Könnte aber passieren in einem recht wahrscheinlichen Szenario einer extrem stark fortschreitenden Auffächerung der Wertentwicklung.

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