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09.12.2014

19:14 Uhr

Was vom Tage bleibt

Wechselfieber

VonStefan Menzel

Stühlerücken bei BMW und VW, dem britischen Handelsriesen Tesco ergeht es noch schlechter. Angela Merkel bleibt in der CDU Spitze, der Abercrombie-Chef muss gehen und der US-Senat kritisiert die CIA. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Modellwechsel

Erst leitet VW-Chef Martin Winterkorn seinen langsamen Rückzug ein, dann verkündet BMW den Wechsel an der Vorstandsspitze – Chef Norbert Reithofer geht. Deutschlands führende Autokonzerne stehen vor einem Generationenwandel. Trotzdem gibt es in der Branche sehr unterschiedliche Herangehensweisen beim Chefwechsel. Bei BMW geht das ziemlich einfach: Wer, wie Reithofer, an die Altersgrenze von 60 Jahren heranrückt, der zieht sich zurück und macht den Weg für einen Jüngeren frei. Volkswagen tut sich mit dem Chefwechsel schwerer. Martin Winterkorn ist schon 67 Jahre alt, sein Vertrag läuft noch bis Ende 2016. Immerhin kündigt er jetzt an, dass er einen Teil seiner Macht im Herbst nächsten Jahres abgeben will. Aktionäre und Anleger lieben Klarheit. Was das Spitzenpersonal betrifft, folgt BMW unzweifelhaft diesem Prinzip. VW sollte öfter nach München schauen. Dort lässt sich lernen, wie Chefwechsel unkompliziert und transparent über die Bühne gehen.

Angst vor den Deutschen

Tesco ist ein durch und durch britischer Handelskonzern und hierzulande ziemlich unbekannt. Doch Aldi und Lidl sind dabei, das mit ihrer eigenen Erfolgsgeschichte zu ändern. Die beiden deutschen Discounterriesen setzen etablierten britischen Einzelhändlern wie Tesco auf der Insel derart zu, dass es bei den einheimischen Unternehmen inzwischen ans Eingemachte geht. Tesco musste am Dienstag binnen weniger Monate seine vierte Gewinnwarnung veröffentlichen. Das Unternehmen hat in diesem Jahr schon einen Konzernchef und einen Finanzvorstand verschlissen. Die Wette gilt, dass der Aderlass in der Tesco-Führung in den kommenden Monaten noch größer wird.

Alles Angela

Der CDU-Parteitag in Köln ist fast schon langweilig. Angela Merkel wird dort mit 96 Prozent der Delegiertenstimmen wiedergewählt – ein Traumergebnis, das niemanden so richtig überrascht. Die Kanzlerin steht unangefochten an der Spitze ihrer Partei und damit ist sie auch als Bundeskanzlerin die ungefährdete Nummer eins in der Regierung. Schon kursieren Gerüchte, Angela Merkel werde doch noch einmal im Jahr 2017 bei der nächsten Bundestagswahl als CDU-Spitzenkandidatin antreten. Helmut Kohl hat den Fehler gemacht, dass er zu lange an seinen Ämtern festhielt und am Ende sogar von der eigenen Partei fortgejagt wurde. Frau Merkel sollte sich die persönliche Geschichte von Helmut Kohl noch einmal sehr genau ansehen.

Mode zum Vergessen

Die Branche hat es eigentlich schon erwartet: Mike Jeffries, Chef der schon lange nicht mehr glänzenden Modemarke Abercrombie & Fitch, verlässt das Unternehmen wegen einer nicht mehr enden wollenden Kette von Misserfolgen. Besonders in den USA ist der Stern von A&F schon kräftig gesunken, in Europa dürfte es ebenfalls bald bergab gehen. Mode-Labels unterscheiden sich kaum noch von Schlager- und Pop-Stars, sie kommen und gehen in kurzer Zeit. Namen und Marken muss sich kaum noch jemand merken, sie kommen und gehen. Hinter der nächsten Ecke wartet schon das nächste Unternehmen. Was war noch gleich Abercrombie & Fitch?

Undemokratisch

Der US-Senat fällt ein ziemlich drastisches Urteil über die eigenen Geheimdienste. Die CIA habe mit ihren brutalen, bis an die Folter gehenden Verhörmethoden die „Werte der USA beschmutzt“. Und in den Ohren der Geheimdienstler mag das vielleicht sogar noch schlimmer klingen: Sie hätten damit auch nichts erreicht. Brutale Verhörmethoden passen in der Tat überhaupt nicht zum Anspruch der USA, der oberste Hüter der Demokratie und wichtigster Verteidiger der Freiheit zu sein. Ob sich die CIA jetzt auf zulässige Verhörmethoden beschränkt? Zweifel dürften berechtigt sein.

Einen schönen und erholsamen Adventsabend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

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