Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.03.2013

18:29 Uhr

Was vom Tage bleibt

Wenn bei der Gehaltsdiskussion der Bock zum Gärtner wird

VonFlorian Kolf

Die lobenswerte Schweizer Initiative wird von Populisten in Berlin und Brüssel missbraucht, Milliardäre werden immer reicher und intelligentes Teilen schafft lauter Gewinner. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Staatliche Keule

Die Schweizer haben den Anfang gemacht und nun überschlagen sie sich in den europäischen Nachbarländern mit Vorschlägen, wie die zum Teil abgehoben hohen Gehälter der Top-Manager wieder mehr Bodenhaftung bekommen. Doch während die Schweizer den demokratisch marktwirtschaftlichen Weg gewählt haben und die Aktionäre, also die Eigentümer, entscheiden lassen wollen, wird in Brüssel und Berlin gleich mit der Keule der staatlichen Deckelung der Gehälter gedroht. Ausgerechnet Politiker, die sich jahrelang in Eigenregie nach Belieben die Diäten erhöht haben, wollen da Obergrenzen festlegen? Da macht man doch den Bock zum Gärtner

Erfolgreiche Unternehmer

Die richtig hohen Vermögen scheffelt man ohnehin nicht als Angestellter sondern als Unternehmer. Das zeigt die aktuelle Forbes-Rangliste der Milliardäre. Das Gesamtvermögen aller Superreichen ist im vergangenen Jahr von 4,6 Billionen auf 5,4 Billionen Dollar gestiegen. Auf den Spitzenplätzen liegen dabei Gründer wie Bill Gates und Larry Ellison oder Unternehmerfamilien wie die Bettencourts oder die Arnaults. Die haben unter hohem Risiko etwas aufgebaut und für tausende Menschen Arbeitsplätze geschaffen. Wer denen ihr Geld nicht gönnt, der sollte erst mal selbst versuchen, solche Konzerne aus dem Nichts aufzubauen.

Konkurrenz belebt

Es ist wie aus dem Lehrbuch. Jahrzehntelang schützte ein staatliches Monopol die Deutsche Bahn vor Konkurrenz durch Fernbusse. Anfang des Jahres wurde dieses völlig unsinnige Gesetz aufgehoben - und schon gibt es eine neue Verbindung nach der anderen. Nicht nur Newcomer starten preiswerte Konkurrenzangebote, auch die Post will ihre Tradition der Postbusse in moderner Form wieder aufleben lassen. Und nun baut auch die Deutsche Bahn ihre Fernbusstrecken aus - und die Kunden wundern sich, warum das alles nicht schon früher möglich war. Wahrscheinlich lag es daran, dass die Bundestagsabgeordneten umsonst mit der Bahn fahren durften und von den Wünschen ihrer Wähler mal wieder keine Ahnung hatten.

Geteilte Freude

"Shareconomy" ist das Schlagwort, das die Innovationsmesse Cebit beherrscht. Statt alles selber zu besitzen, teilen immer mehr Menschen ihre Güter mit anderen. Über das Internet machen junge Unternehmen aus diesem Trend wiederum ein gutes Geschäft, vermitteln Mitfahrgelegenheiten oder Wohnungstausch. Jetzt hat auch ein einstmals schwerfälliger Konzerne wie die Telekom den Charme des Teilens entdeckt. Sie kooperiert mit einem Start-Up, das private WLAN-Hotspots für andere öffnet - mit entsprechender Sicherheit. Gewinner sind die Kunden und die Telekom. Denn geteilter Anschluss ist doppelter Anschluss. Und die Handynetze werden von den enormen Datenströmen werden entlastet.

Was fehlt? In Tschechien hat eine Handy-App einen Entwicklerpreis bekommen, mit der sich Schwarzfahrer gegenseitig vor Kontrolleuren warnen. Das inspiriert doch für wunderbare weitere preiswürdige Apps. Da könnten doch beispielsweise Schwarzgeldbesitzer die besten Tricks im Kampf gegen die Steuerfahnder austauschen. Oder haben Sie noch gute Ideen? Schreiben Sie mir an kolf@handelsblatt.com, ich werde die besten in der Kolumne aufgreifen.

Ich wünsche Ihnen einen inspirierenden Feierabend.

Florian Kolf

Diskutieren Sie mit dem Autor auf Facebook

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Charly

04.03.2013, 19:28 Uhr

"Die richtig hohen Vermögen scheffelt man ohnehin nicht als Angestellter sondern als Unternehmer."

Bei der Abzockerei geht es gar nicht um Unternehmer, sondern um Manager die sich in einem Selbstbedienungsladen gegenseitig selbst die Bezahlung genehmigen.

Im Sinne der Aktionäre hätte diese Praxis längst gesetzlich beseitigt werden müssen. Die Manager stehlen durch diese Praxis den Eigentümern, den Aktionären den Ertrag. Solche Abzocker sind also Diebe lieber Herr Kolf !!!

Account gelöscht!

04.03.2013, 19:48 Uhr

"Die richtig hohen Vermögen scheffelt man ohnehin nicht als Angestellter sondern als Unternehmer"

Logisch, das wissen auch Aktionäre und "kleine Leute". Allerdings werden solche Unternehmen auch nicht von einem Mann/Frau gebaut, dazu gehört schon einiges mehr. Die Tellerwäschermär ist nur möglich mit mehr als 7 Zwergen.

Charly schrieb:
" Die Manager stehlen durch diese Praxis den Eigentümern, den Aktionären den Ertrag"
Genauso siehts aus, und darum ging es in der Schweiz, das nun Politiker hier eine Deckeldebatte zum Wahlzwecke anzetteln können, ist auch nur möglich weil Journalisten nicht wirklich im entsprechenden Kontext berichten.
So macht sich die Journaille selbst zum Bock.

beat126

04.03.2013, 20:56 Uhr

@Florian Kolf
Sie schreiben, Konkurrenz belebt den Markt.
Warum wird dies in Deutschland nicht mit der Politik gemacht? In der Schweiz ist genau dieses Prinzip umgesetzt.
Das Referendumsrecht gibt dem Volk das Veto-Recht, so dass sich die Parlamentarier eine bessere Lösung ausarbeiten müssen, wenn es dem Volk nicht gefällt.
Und die Volksinitiative gibt dem Volk das Recht, einen Verfassungstext selbst vorzulegen, wenn sich die Parlamentarier zu einem Thema einfach nicht bewegen wollen.

Dies ist nicht nur Kontrolle der Regierung, sondern Belebung des Marktes.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×