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03.12.2013

18:54 Uhr

Was vom Tage bleibt

Wenn der Fahnder bei der Staatsbank klingelt

VonOliver Stock

Die Commerzbank ist Zeuge beim neuesten Verdacht auf Steuerhinterziehung im großen Stil. Die FDP steht vor einer Zerreißprobe. 14-Jährige entscheiden über den Koalitionsvertrag. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Steuerfahnder bei der Commerzbank

270 Beamte der Bochumer und Düsseldorfer Steuerfahndung haben heute 40 Standorte der Commerzbank durchsucht. Die Ermittler fahnden nach Beweisen für Steuerhinterziehung in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro. Es soll um Betrug mit Lebensversicherungen aus dem Haus des italienischen Versicherungskonzerns Generali gehen, die von der Commerzbank vertrieben wurden. Die Bank ist Zeuge, nicht Verdächtiger, betonen alle Seiten. Es wäre ja auch nicht auszudenken, wenn das anders wäre. Was für eine Schlagzeile das wäre: Eine Beinahe-Staatsbank hilft den Staat zu hintergehen...

Das wahre Pisa-Desaster

Zum Pisa-Report gehören Katastrophenmeldungen so zuverlässig wie Lichter am Weihnachtsbaum. Die eigene Leistung gilt nichts, die der anderen alles – Finnland und jetzt auch die Schweiz sind sowieso gelobte Länder in Sachen Bildung. Diese Schwarz-Weiß-Malerei, dieses Vergleichen von Unvergleichlichem – darin liegen die wahren Schwächen des Pisa-Tests. Die Weltgesundheitsorganisation hat jüngst 34 Industrienationen unter die Lupe genommen und Schüler dort befragt, ob sie sich wohl in der Schule fühlen. Finnlands Schüler landeten auf Platz 34. Bildungspolitiker, die auf Grundlage des Pisa-Tests über Schulstrukturen und Lehrpläne befinden, wären also gut beraten, sich über die Grenzen des Tests zu informieren. Sie sind eng gezogen, was schon allein an der Tatsache liegt, dass mit einem internationalen Test der Erfolg von Lehrplänen abgefragt wird, die national erstellt werden. All das spricht nicht gegen Pisa. Aber es spricht dagegen, die Ergebnisse der Pisa-Untersuchung zum Maßstab der Ausbildung unserer Kinder zu machen. Wer schlaue Köpfe will, aber Streber erzieht, raubt unserem Land den wichtigsten Rohstoff: die Fähigkeit zu lernen.

Die FDP sucht nach Bedeutung

Die FDP hat am Wochenende einen harten Parteitag vor sich. Keiner nimmt sie mehr sonderlich ernst und deswegen kämpft sie darum, markante Positionen zu besetzen. Parteirebell Frank Schäffler beispielsweise will eine härtere Gangart gegenüber Euro-Schuldenländern durchsetzen. Schäffler selbst strebt ins Parteipräsidium, um dann wirkungsvoller für diese Position kämpfen zu können. Der designierte Bundesvorsitzende Christian Lindner will ihn nicht im Präsidium haben. Je regierungsferner Parteien sind, desto markiger werden sie. Insofern befindet sich Schäffler auf einem ausgetretenen Pfad, mit dem kein Staat zu machen ist. Und genau deswegen bremst Lindner ihn aus.

Die Weisheit der Minderjährigen

Ganz Deutschland wartet auf die SPD. Darauf, dass 474.820 Bürger mit SPD-Parteibuch über den schwarz-roten Koalitionsvertrag abstimmen und damit den Daumen über die von den Vorsitzenden der CDU, CSU und SPD angestrebte Große Koalition heben oder senken. Es geht um „Deutschlands Zukunft“, wie es auf dem Vertragswerk steht. Schmettern die Genossen die schwarz-roten Vereinbarungen ab, dann steht die größte Volkswirtschaft in Europa weiter ohne echte Regierung da. Unter den SPD-Mitgliedern entscheiden nun auch welche, die bei der Bundestagswahl gar nicht zum Zuge kamen, etwa weil sie keinen deutschen Pass haben oder noch nicht 18 Jahre alt sind. Es sind nur wenige tausend, wir trauen ihnen einfach mal Weisheit zu.

Erfolgreiches Gebrüll

Ein Extra-Paar Stimmlippen ermöglicht männlichen Koala-Bären tieftönendes Brunftgebrüll. Experten hatten sich lange gewundert, wie ein nur acht Kilogramm schweres Tier so tiefe Töne produzieren kann, das es klingt, als stünde ein Elefant neben einem. Das Rätsel ist nun gelöst: Normalerweise werden Laute im Kehlkopf mit Hilfe der dort befindlichen Stimmlippen erzeugt. Bei den Koalas fanden die Wissenschaftler im Rachen ein zweites Organ zur Lautbildung, genau dort, wo Mund- und Nasenhöhle aufeinandertreffen. Da wir uns vieles aus der Tierwelt abschauen, wird auch diese Erfindung der Natur sicher bald ein durchschlagender kommerzieller Erfolg: Ein Bärchen, das nach einem Elefanten klingt – welcher Politiker zum Beispiel würde diese Stimmenmutation nicht manchmal gerne einsetzen?

Einen stillen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

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