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20.06.2014

18:51 Uhr

Was vom Tage bleibt

Wenn der Kunde zum Feindbild wird

VonOliver Stock

In einem sind sich Versicherer einig: Der Kunde darf nicht alles wissen. Die EU gibt der Demokratie einen Tritt. Frankreich entscheidet sich für GE. Und Oliver Samwer hält Golfer für zu langsam. Was heute alles geschah.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Feindbild Kunde

Normalerweise sind sich die Verbände von Unternehmen, Vertriebsmitarbeiter und Gewerkschaften nicht immer grün. Zum Beispiel in der Versicherungsbranche: Wenn es um sinkende Vergütungen für den Außendienst geht, schimpfen die Vertreter. Geht es um Jobs, sind die Gewerkschaften schnell mal dabei. Was für eine Überraschung, dass heute nun gleich neun Interessenvertretungen aus allen Lagern eine gemeinsame Stellungnahme abgegeben haben. „Einvernehmlich warnen wir vor der jetzt geplanten Offenlegungspflicht für Abschlussprovisionen“, schreiben die Verbandspräsidenten und machen damit deutlich, dass ein gemeinsamer Feind die tiefsten Gräben kittet: In ihrem Fall ist das der Kunde.

Zerren um Alstom

Die Geschichte vom Kind, um das sich zwei Mütter balgen, geht bekanntlich so: Ein Richter entschied, dass beide Mütter an dem Kind ziehen sollten. Als die eine es auf ihre Seite zerrte, sprach er es der anderen zu, weil sie als wahre Mutter dem Kind nicht wehtun wollte und nachgegeben hatte. Siemens und GE balgen sich um Alstom. GE zieht etwas stärker. Präsident Francois Hollande schaut dem Treiben zu. Wenn er sich ein Beispiel an dem Richter nähme, bekäme Siemens den Laden. So weise war Hollande aber nicht: Denn Zuschlag bekam heute Abend der US-Rivale.


Demokratie – kennt das jemand?

Unglaublich, aber wahr: SPD-Chef Sigmar Gabriel hat den Anspruch auf einen Posten in der EU-Kommission für seinen Parteifreund Martin Schulz aufgegeben. „Die SPD wird einen Kommissar der Union akzeptieren, sofern Martin Schulz zum Präsidenten des Europaparlaments gewählt wird“, sagt Gabriel. Das Unglaubliche daran: Erst haben wir Wähler erlebt, dass uns zwei Kandidaten als Kommissionspräsidenten präsentiert wurden, die dann gar nicht unbedingt für den Job zur Verfügung standen. Und nun erleben wir, dass der Vizekanzler eines EU-Mitgliedslandes den Parlamentariern aller EU-Staaten schon mal erklärt, wen sie zu ihrem Parlamentspräsidenten wählen werden. Europa leidet nicht an einem Demokratiedefizit, sondern erlebt die völlige Abwesenheit von Demokratie.

Google baut Umsatzbremse ein

Seit Apple im Herbst vergangenen Jahres den Diebstahlschutz für seine Smartphones eingeführt hat, sind die Dinger nicht mehr Räubers Liebling. Jetzt ziehen Google und Microsoft nach und wollen einen generellen Diebstahlschutz in ihre Software integrieren. Warum sich alle soviel Zeit gelassen haben? Nun: Jedes geklaute Gerät zieht ein neu gekauftes nach sich. Intern wird der Diebstahlschutz deswegen Umsatzbremse genannt.

Samwer und die Formel 1

Oliver Samwer haut gern auf die Sahne. Der Mann, der sein Unternehmen Rocket Internet an die Börse bringen will, ließ sich gestern bei einem Einzelhandel-Branchentreff in Paris so zitieren: „Geschäfte sind Mittelalter. Sie wurden nur gebaut, weil es kein Internet gab.“ Rocket Internet hat auch Zalando hervor gebracht, weswegen Samwer behaupten kann, er sei vom Fach. „Sie glauben, der Wandel zum Internet kommt in der Geschwindigkeit, in der Sie über den Golf-Platz gehen. Ich glaube, es ist ein Formel-1-Rennen“, fügte er hinzu. Ich glaube: Wir brauchen gute Rennfahrer und gute Golfer. Die einen sind die Ersten, die anderen treffen dafür genauer.

Einen treffsicheren Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

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