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15.06.2012

17:53 Uhr

Was vom Tage bleibt

Wenn sich der Pulverdampf lichtet

VonOliver Stock

Griechenland wählt, der Euro hält. Italien geht mit den Deutschen ins Gericht. Und das Parlament in Berlin liefert sich Schaukämpfe abseits der Hauptbühne. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Liebe Leserinnen und Leser,

Der Anfang vom Ende?

Dies wird kein entspannendes sondern ein spannendes Wochenende. Und zwar nicht nur für die, die mit unseren Fußballern fiebern. Griechenland steht vor einer Wahl, die das Zeug dazu hat, in Geschichtsbücher als die Wahl einzugehen, die den Anfang vom Ende der europäischen Währung besiegelt hat. Klar ist: Am Sonntag wird viel Pulverdampf die Konturen der Währungsunion vernebeln. Aber es wird nicht reichen, um das Projekt sturmreif zu schießen.

Der Glaube ans Geld

Glauben Sie an die Zukunft des Euro? Sie wissen es nicht. Bereiten Sie sich aktiv auf den Zusammenbruch der Währungsunion vor? Nein. Solange das so ist, wird der Euro halten. Denn Geld ist Glaubenssache. Solange eine Mehrheit an das Geld glaubt, solange funktioniert es auch.

Perspektivenwechsel

Italiens Wirtschaft hat eine Anzeige im Handelsblatt geschaltet und die Deutschen dazu aufgefordert, nicht nur Rigorosität, sondern auch Solidarität zu zeigen. Hätte die deutsche Wirtschaft eine Anzeige in einer italienischen Gazetta geschaltet, hätte sie dazu aufgefordert, sich nicht nur auf die Solidarität der Deutschen zu verlassen, sondern vor allem bei der Rigorosität der Reformen nicht nachzulassen. Wir beiden werden uns einigen müssen.

Der Außerirdische

Norbert Lammert ist ein Mann, der Worte stets genau abwägt. Das ist im Amt des Bundestagspräsidenten auch gut so. Er hat Ferdinand Piëch einen „Außerirdischen“ genannt. Warum, ist gar nicht so wichtig. Interessant ist nur, dass sich VW umgehend schwer empörte. Offenbar verbinden die VW-ler das Begriffspaar Piëch/Außeridischer mit jemandem, der sich nicht an Regeln hält. Lammert wäre aber nicht Lammert, wenn er in dem Wort nicht auch das Lob versteckt hätte an jemanden, der mehr schafft als die Irdischen. Komisch, das daran bei VW niemand gedacht hat.

Unechte Spiele

Das Betreuungsgeld ist eine direkte Subvention. Jede direkte Subvention ist schlecht, weil sie versucht Menschen mit Geld in eine Richtung zu verführen, die sie sonst nicht eingeschlagen hätten. Aber darum ging es der Opposition heute nicht, als sie die Beschlussunfähigkeit des Parlaments herbeiführte und damit das Gesetz zum Betreuungsgeld bis in den Herbst verzögert hat. Ob sie weiß, dass solche Finten Politik manchmal so abstoßend machen? Wenn die Partei der Piraten für etwas gut ist, dann dazu, die Egomanen der Politik zu entlarven, in dem sie sich an solchen Spielen nicht beteiligen.

Echte Spiele

Es gibt eine Alternative am Sonntag. Für alle die, die das Thema Griechenland nicht mehr hören können. Zeitgleich mit den Abstimmungsergebnissen aus Griechenland wird die Torbilanz der Deutschen Elf in der der Vorrunde der EM feststehen. Die Überschrift könnte bei beiden Themen fast die gleiche werden: Deutschland dominiert den/die Euro.

Immerhin einen entspannten Samstag wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

15.06.2012, 18:08 Uhr

Also wenn ich mir den Euro Kurs ansehe, den Kurs manch fragwuerdige Bankaktien und vielleicht auch noch Siemens, dann wuerde es mich sehr wundern, wenn am Montag das Chaos herrschen wuerde. Ich sehe eher Insider, die jetzt schon wissen was beschlossen wurde.

Pressehasser

15.06.2012, 21:05 Uhr

„Aber es wird nicht reichen, um das Projekt sturmreif zu schießen.“
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Lieber Oliver Stock,
welches Projekt?
Das einer diktatorisch organisierten Transfer- und Inflationsunion mit einem Schwachwährungs-Euro?
Ich wünsche euch Journalisten/innen, daß ihr für eure einseitige Pro-Euroberichterstattung der letzten Jahre mit zur Hölle fahrt, wenn die Eurozone durch den Euro implodiert.
Das Europrojekt ist schon lange tot, nicht weil das die Hochfinanz so will, sondern weil der Druck der Straße auf Dauer zu groß sein wird.
Wir alle wollten ein freies Europa, indem die kulturell völlig unterschiedlichen Nationen, friedlich zusammenleben und wirtschaften können.
Heute haben wir ein neoliebrales Europaprojekt, welches die komplette Südschiene durch „REFORMEN“ prekarisiert, wenn diese Völker diese Anektierung durch Brüssel zulassen. Ihr vollversorgten hochentlohnten Schreiberlinge seit von der Realität der Normal-Menschen genausoweit entfernt, wie der abgehobene Berliner Lobbyistenverein. Aber es war ja schon immer so.
Bankster, Politiker, Kirche und Journalie, alles eine Sippschaft.




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