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13.04.2012

19:20 Uhr

Was vom Tage bleibt

Wer hat Lust aufs Risiko?

VonOliver Stock

Spanien geht es schlecht, den Banken in der Regel wieder gut. Am besten aber geht es den Ölbossen. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend Ihnen allen,


Deutsche Bank rückt weiter Stühle

In der Führungsetage der Deutschen Bank spielen sie Stühlerücken. Das gilt seit Josef Ackermanns Ankündigung seines Abgangs und Anshu Jains Ankündigung, das Ruder zu übernehmen. Seit heute spielt Chefvolkswirt Thomas Mayer mit. Oder genauer: Er spielt nicht mehr mit. Mayer tritt Ende Mai von seinem Posten zurück. Dank zahlreicher Fernsehauftritte ist der nachdenkliche Ökonom eines der prominentesten Gesichter der Bank. David Folkerts-Landau, bisher Leiter der Marktanalyse, wird Mayer als Chefvolkswirt beerben. Folkerts-Landau wird auch den gesamten Research-Bereich übernehmen. Damit wird der eigentlich mit einiger Unabhängigkeit versehene Think-Tank der Bank in den Gesamtkonzern integriert. Ob Mayer das gut gefunden hätte? Er war erst seit zwei Jahren auf seinem Posten als alleiniger Chefökonom und bleibt der Bank als Berater erhalten, wie es jetzt im schönsten Personalerdeutsch heißt - eine Redewendung, die wir auch schon öfter gehört und nicht verstanden haben.

Die Wall Street verdient prächtig

Die US-Großbanken sind stark ins neue Jahr gestartet. Sowohl der amerikanische Branchenprimus JPMorgan Chase als auch der bei Privatkunden starke Rivale Wells Fargo konnten im ersten Quartal Milliardengewinne einfahren. Die Schuldenkrise in Europa und die wirtschaftlichen Sorgen in den Vereinigten Staaten rückten in den Hintergrund. Das gebeutelte Investmentbanking erlebte eine Renaissance. JPMorgan-Chef Jamie Dimon, einer der einflussreichsten Banker des Landes, sprach heute in New York von einer „soliden Leistung“ seines Hauses und das bedeutet großes Lob, weil sich Banker ansonsten ja nur im privaten Kreis überschwänglich geben. Wells Fargo verdiente vor allem mit neuen Hypotheken mehr Geld, während gleichzeitig die Kreditausfälle zurückgingen. JPMorgan gilt in vielen Bereichen als Vorbild für die Deutsche Bank. Die Amerikaner besitzen sowohl ein starkes Investmentbanking als auch ein bedeutendes Privatkundengeschäft. Die Wall-Street-Bank musste im übrigen 2,5 Milliarden Dollar für Rechtsstreitigkeiten zurücklegen. Sieht fast so aus, als hätten Dimon und Jain mal ein gemeinsames Strategieseminar besucht.

Problemchen mit dem VW-Motor

Nächste Woche feiert Ferdinand Piëch seinen 75. Geburtstag. Das gibt ein Fest. VW wird sich das nicht vermiesen lassen. Deswegen atmete der Autohersteller heute auf, als sich ein Problemchen wirklich nur als ProblemCHEN entpuppte: Der beliebte TSI-Motor ärgert seine Fahrer manchmal damit, dass die Steuerkette abspringt und - rums - der Motor einen Schaden hat, der ein großes Loch in den Geldbeutel reißt. Der Rums ist auf einen Produktionsfehler bei einem Zulieferer zurückzuführen. Der Lieferant habe die Stanzwerkzeuge, mit dem die Löcher in den einzelnen Kettengliedern ausgestanzt werden, über die Verschleißgrenze hinaus verwendet. Daher wären bei den betroffenen Bauteilen die Löcher nicht präzise genug ausgestanzt - die überstehenden Grate würden dann in der Folge zu einem „abrasiven Verschleißeintrag“ führen, erklärt VW und will sich gegenüber den betroffenen Fahrern, die sich zahlenmäßig in Grenzen halten sollen, kulant zeigen. Wir wissen jetzt nicht, was abrasiver Verschleißeintrag bedeutet, wir hoffen aber, das Herr Piëch niemals davon betroffen sein wird und sagen schon mal: Herzlichen Glückwunsch.

Spanische Grippe

Die Zweifel von Investoren an der Finanzkraft Spaniens haben sich auch zum Wochenausklang in den Renditen spanischer Staatsanleihen gespiegelt: knapp unter sechs Prozent gibt es für zehn Jahre laufende Papiere. Diese Marke ist für die Emission neuer Papiere zu teuer. Zu Monatsbeginn lag die Rendite noch um 5,3 Prozent. Die Kosten für fünfjährige Ausfallversicherungen (CDS) für Kredite des südeuropäischen Landes stiegen auf ein Rekordhoch von 492 Basispunkten. Das bedeutet, dass ein Investor 492.000 Euro zahlen muss, um Schulden in Höhe von zehn Millionen Euro abzusichern. Damit ist das Misstrauen der Investoren noch höher als Mitte November, als die Angst vor einer Ausweitung der griechischen Probleme auf andere Schuldnerländer auf dem Höhepunkt war. Anleger wissen, was sie davon zu halten haben. Sie schickten den Dax unter die Marke von 6600 Punkten. Kein schönes Wochen-Ende.

Tillerson tankt sich reich

Kennen Sie Rex Tillerson? Der Mann hat ein schönes Wochenende. Als Chef von ExxonMobil und damit zum Beispiel auch von Esso verdiente er im vergangenen Jahr 34,9 Millionen Dollar. Sein Kollege John Watson von Chevron erhält 24,7 Millionen Dollar und damit 52 Prozent mehr als 2010. Die Gehaltssprünge verwundern nicht, haben die Ölkonzerne dank der hohen Preise doch im vergangenen Jahr gigantische Gewinne eingefahren. So scheffelte ExxonMobil 41,1 Milliarden Dollar, Chevron kam auf 26,9 Milliarden. Für Chevron war das neuer Rekord - womit der Konzern in der Einladung zur Hauptversammlung auch den riesigen Satz beim Gehalt begründete. Mit ihren Gehältern liegen die Ölmanager sogar noch vor den Bankern. Und während sich die Banker mit immer mehr lästigen Regeln herumschlagen müssen, die am Ende vielleicht sogar auf den Bonus drücken, sieht es bei den Ölmultis nicht danach aus, als ob sich etwas zum Schlechten wendet. An den Osterfeiertagen lagen die Benzinpreise in Deutschland wieder auf Rekordniveau. Beim Tanken zwischen all der Eiersucherei haben wir also dafür gesorgt, dass Tillerson und Co. noch viele unbeschwerte Wochenenden verbringen können.

Bleiben auch Sie unbeschwert am Wochenende

Ihr


Oliver Stock

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

14.04.2012, 09:30 Uhr

Das Problem ist das entkoppelte deutsche Volk.

Will sagen,

- die Medien widerspiegeln ein öffentliches Bild über die Deutschen, das unwirklich ist
- die Abgeordneten als Ersatzstimme der Deutschen werden dirigiert von den Parteien als Repräsentanten, die aber den Willen garnicht aufnehmen oder weitergeben
- jeder Weltkonflikt wird den Deutschen übergestülpt aus erzieherischen Gründen, niemeand verteidigt die Inmteressen der Deutschen
- die Regierung nimmt keinen Kontakt zur Bevölkerung auf - das abstrakte Orchester aus Medien, Abgeordneten, inszinierter Öffentlichkeit hat sich selbst verselbständig. Und das erzeugt Depression, Resignation und Frust bei den Deutschen.

Und dann reden die Medien den Deutschen noch ein, sie sind so verzagt, ängstlich. Das ist Psychoterror und Ignoranz was hier in Deutschland vonstatten geht.

Das bin ich dem Handelsblatt sehr dankbar, hier mal ein Sprachrohr der wirklichen Meinung der Bürger zu sein, so impulsiv und verquer sie auch manchmal sein mag. Endlich mal Ehrlichkeit und Direktheit in der Meinungsäusserung und Wahrnehmung.

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