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22.04.2014

18:52 Uhr

Was vom Tage bleibt

Wer zahlt für Schlaglöcher?

VonStefan Menzel

Die Autofahrer-Lobby wehrt sich gegen neue Gebühren, Daimler spendet für Parteien. McDonald's leidet, mit dem Bier geht es doch nicht zu Ende und in der Pharmabranche beginnt das große Rennen. Der Tag im Rückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

DüsseldorfGuten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Beschützte Autofahrer

Wer in Deutschland mit neuen Abgaben für Autofahrer daherkommt, darf sich des geballten Volkszorns sichern sein. Der Kieler Ministerpräsident Torsten Albig hat sich also sofort die verbalen Prügel abgeholt, als er eine neue Gebühr zur Straßensanierung vorschlug. Weniger Emotion und mehr Rationalismus täten der Diskussion um Autos und Straßen gut. Denn natürlich sind die Autos für die Löcher in den Straßen verantwortlich. Deshalb ist es nur konsequent, die Autofahrer für die Sanierung zur Kasse zu bitten. Sollen etwa Fußgänger und Reiter dafür aufkommen?

Ein Konzern wählt

Der Daimler-Konzern gibt sich gegenüber den politischen Parteien großzügig und öffnet das Spenden-Portemonnaie. Union und SPD, die beiden Großen, dürfen mit einem sechsstelligen Betrag rechnen. Die Links-Partei geht leer aus, Daimler fühlt sich von den SED-Nachfolgern nicht so recht vertreten. Solch eine Entscheidung geht völlig in Ordnung. Auch ein Großkonzern darf sich politisch äußern – und entsprechend seiner Präferenzen Geld verteilen. Einzige Bedingung: Spenden müssen transparent sein. Damit nachvollziehbar bleibt, ob durch Spenden vielleicht doch auf politische Entscheidungen Einfluss genommen worden ist.

Der gute Geschmack

Hat es so etwas überhaupt schon einmal gegeben? Der amerikanische Hamburger-Riese McDonald’s klagt über Kundenschwund. An der Konjunktur kann es nicht liegen, denn gerade auf dem amerikanischen Heimatmarkt geht es mit der Konjunktur langsam wieder aufwärts. Es ist also ziemlich offensichtlich, dass dem gewöhnlichen Kunden der Hamburger nicht mehr so recht schmeckt. Vielleicht hat sich die Idee der im Schnellverfahren zubereiteten Bouletten also doch ein wenig überlebt. Ein Sieg für den guten Geschmack? Sind wir doch einmal optimistisch und hoffen es einfach.

Prosit?

Das Jammern der deutschen Brauwirtschaft sind wir schon gewohnt. Beinahe Jahr für Jahr geht der Bierabsatz in Deutschland zurück, die werte Kundschaft wechselt immer öfter zu Wein und anderen Getränken. Findige Brauer haben hingegen entdeckt, dass das Ende des Bieres keineswegs eingeläutet werden muss. Es gibt sie doch noch, die kleinen Nischen der Bierbranche, mit denen sich recht ordentlich Geld verdienen lässt. Was soll also das Wehklagen? Gutes Bier wird hierzulande immer noch gern getrunken.

Wetten auf Pharma

Es sind schwindelerregende Beträge für eine vermeintliche blasse Branche geworden. Pfizer will angeblich 100 Milliarden für den britisch-schwedischen Pharma-Konkurrenten Astra-Zeneca auf den Tisch legen, der Botox-Hersteller Allergan ist für 45 Milliarden zu haben. Die Pharma-Branche macht gewaltige Umbrüche durch. Der Konzentrationsprozess, den etwa die Autoindustrie schon zu großen Teilen hinter sich gebracht hat, ist bei Pharma noch lange nicht zu Ende. Einher geht der Prozess der Spezialisierung: Die meisten Unternehmen wollen weniger Pillensorten produzieren, dann aber gleich in gewaltigen Stückzahlen. Anleger, hört die Signale! In der Pharmabranche tun sich wunderbare Ertragschancen auf.

Einen ebenso wunderschönen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

22.04.2014, 19:03 Uhr

Wer für Schlaglöcher zahlen wird?
Natürlich alle, und zwar umstandslos, ob sie nun Autofahrer sind oder nicht.
Interessant dabei ist nicht dass, sondern wie Albig sich um politisches Profil zu bekümmern scheint und man weiß noch nicht, ob Albig damit seinen heruntergewirtschafteten Haushalt zu sanieren gedenkt oder das Straßenwesen.

Unglaublich bleibt nicht nur dieser Vorgang in Zeiten von Public Private Partnership allemal.

Die LandesRegierungen scheinen auch das Straßenwesen geringstbietend vertickt zu haben.

Account gelöscht!

22.04.2014, 19:25 Uhr

Wer zahlt fuer Schlagloecher?
Wenn es nach mir ginge - moeglichst die anderen!!!

Account gelöscht!

22.04.2014, 21:06 Uhr

Wer soll für die Schlaglöcher zahlen?
Natürlich der Staat! Die Kfz - Steuer wurde einmal für die Straßenerhaltung und den weiteren Ausbau der Straßen eingeführt. das haben unsere raffgierigen Politiker aber schon wieder vergessen. Die Radieschenpartei hat immer nur Ansprüche auf Erhöhung der Steuern, wie der "tolle" Herr Albig hier bekannt gab. Aber in SH geht dies ja auch, dort gibt es genügend Ökos, die für ihren Berufsabschluss bisher nichts getan haben und dann ohne nachdenken solche Sprüche hinnehmen.
Einmal muss endlich Schluss sein mit der Steuerverschwendungspolitik in Deutschland. Wie lange lassen sich dies die mündigen (oder vielleicht doch unmündigen) Bürger noch gefallen?
Das Demokratieverständnis in Deutschland muss wohl einmal auf den Prüfstand gestellt werden!
Es kann nicht sein, dass die Autofahrer, die dieses benutzen um ihren Lebensunterhalt verdienen zu können, die Melkkühe für alles sind, was die Politik versaut hat.
ich kann die Menschen verstehen, die von dieser Politik nichts mehr halten und deshalb nicht mehr zur Wahl gehen. Leider haben unsere Politiker dies aber bisher nicht verstanden bzw. wollen es so nicht sehen.

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