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03.08.2012

18:13 Uhr

Was vom Tage bleibt

Wie Deutschland Spanien versenkt

VonOliver Stock

Bundesbankpräsident Jens Weidmann muss mit Kritik aus Madrid leben. Zuckerbergs Magie ist verflogen. Und die Allianz ist die bessere Bank. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die Feuerwehr kommt noch nicht

Alles ist eine Frage der Perspektive. Die spanische sieht so aus, wie es etwa die Zeitung „El mundo“ formuliert: „Draghi gibt Deutschland nach und versenkt Spanien“. Die deutsche sieht umgekehrt aus: Bundesbankpräsident Jens Weidmann wurde von Draghi und seinen Gefolgsleuten überstimmt. Der Deutsche brandmarkt die Anleihekäufe der EZB als Rechtsbruch. „Ich kann nicht erkennen, wie das Vertrauen in ein System zurückkehren soll, das seine Gesetze bricht“, gab Weidmann jüngst zu Protokoll. Tatsache ist, dass Weidmann durch sein Beharren den Spaniern immerhin die Hoffnung genommen hat, dass die EZB in der Finanzkrise als Feuerwehr für das Land einfach so einspringen wird. Es kann deswegen gut sein, dass das Land, das bisher nur Hilfe für seine Banken braucht, auch selbst unter den EU-Rettungsschirm schlüpft. Seit heute schließt das die Madrider Regierung auch nicht mehr offiziell aus. Wie soll es dann weitergehen, Herr Weidmann?

Geschäftsmodell adé


Haben soziale Netzwerke ein Geschäftsmodell? Im Fall Facebook sagt die Börse: nein. Die im Mai erstmals ausgegebene 38 Dollar teure Facebook-Aktie ist inzwischen wenig mehr als die Hälfte wert. Gründer Mark Zuckerberg, dieser Guru in seinen Adiletten, weigert sich sogar, einen Ausblick zu geben. Zu unsicher erscheint ihm das Geschäftsmodell der eigenen Firma, das aus Einnahmen durch Werbeanzeigen und Onlinespielen besteht. Das viermal kleinere Online-Netzwerk LinkedIn hat dagegen im zweiten Quartal seinen Umsatz nahezu verdoppelt. Die Investoren jubeln es hoch und erinnern sich daran, dass LinkedIn immerhin auch noch mit Stellenanzeigen, Premiummitgliedschaften und Diensten für Personalabteilungen Geld verdient. Was die Börsianer übersehen: Der Gewinn ist auch bei LinkedIn um 38 Prozent gesunken. Richtig zukunftsfest sieht das nicht aus.

Die bessere Bank

Die Allianz ist die bessere Bank. Während Deutschlands Banken unter Schuldenkrise, Regulierung und selbstgemachten Skandalen leiden, erhöht Deutschlands größter Finanzkonzern seinen Gewinn. Der kommt allerdings immer weniger aus dem Kerngeschäft mit den Versicherungen, sondern er stammt aus der Geldanlage. Der Versicherungskonzern hat sich zu einem der größten Vermögensverwalter der Welt entwickelt. Und er betreibt dieses Geschäft erfolgreicher als manche Bank. Wenn Versicherer aber mehr und mehr zur Bank werden, dann gibt es auch keine Ausreden bei der Regulierung. Die Banken ringen hart darum, wer, wann, wieviel Eigenkapital zurücklegen muss. Im Vergleich dazu sind die Diskussionen, die die Versicherer führen, harmlos. Das Ergebnis der Allianz zeigt jedoch, dass die Unterscheidung zwischen einer Bank und einem Versicherer aus Denkmustern von gestern stammt.

Volle Breitseite

Der neue Eröffnungstermin des Großflughafens Berlin-Brandenburg könnte doch nicht der 17. März 2013 werden, sagt der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck. Wieso nicht? Wir wissen es nicht. Vielleicht ist die Landebahn nicht fertig. Das müsste aber kein Hinderungsgrund sein, wie dieses (fiktive) Gespräch aus einem British Airways Cockpit zeigt. Pilot: „Haben Sie jemals eine so kurze Start-und Landebahn gesehen?“ - Copilot: „Nein. Besser wir verwenden volle Klappen.“ Weiter unten. Pilot: „Haben Sie jemals eine so kurze Start-und Landebahn gesehen?“ - Copilot: „Nein. Besser wir verwenden vollen Umkehrschub.“ Das Flugzeug setzt auf. Pilot: „Haben Sie jemals eine so kurze Start-und Landebahn gesehen?“ - Copilot: „Nein. Besser wir verwenden alle Bremsen die wir haben.“ Das Flugzeug steht. Pilot: „Haben Sie jemals eine so kurze Start-und Landebahn gesehen?“ - Copilot: „No, Sir. Aber haben Sie jemals eine gesehen, die so breit ist?“

Ein fröhliches Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (6)

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ProD

03.08.2012, 20:35 Uhr

Stimmt, verehrter Herr Sobottka,

Bisher hätte Frankreich noch eine Chance gehabt, aber nun wird es absaufen, wie alle anderen Schmarotzer-Staaten auch. In dem berebwo ich arbeite, kam gerade die indirekte Anweisung heraus, bei Aufträgen an französische Firmen "sehr sorgfalltig" vorzugehen, wegen dem neuen Isolvenzrecht von Frankreich. Mit anderen Worten, wir werden uns von Frankreich zurück ziehen.

Wie krank muss man eigentlich sein, wenn man es als ..kaputtsparen.. Bezeichnet, wenn man nur das ausgibt, was man einnimmt. Nur immer Schuldigen zu machen, m sich von den j....... Bankstern vollkommen erpressbar zu machen, das ist doch krank und Ramord an der Zukunft unseres Volkes.

emilioemilio

03.08.2012, 20:59 Uhr

Gerade heute sieht sich Spanien genötigt beim Sparen noch eins draufzusatteln! Also geht doch!
Nicht jammern, sondernhandeln und die selbst eingebrockte Suppe löffeln! Gillt für den gesamten Clubmed auch Paris!!

Danke Jens Weidmann!

manni

03.08.2012, 21:04 Uhr

Sehr geehrter Herr Stock,

Ihre Frage "Wie soll es dann weitergehen, Herr Weidmann?" ist an den Falschen gerichtet.

Schon klar... ich verstehe Sie. In einer Zeit, in der Vertrags- und Rechtsbruch zur Tagesordnung gehört, stören störrische Prinzipienreiter nur.

Maastricht? Wen interessiert dieser Schnee von gestern?

Und Pressefreiheit? Was ist das denn? Da sollte man in dieser Notlage keinesfalls zögern auch diesen Dinosaurier endlich mal einzuschläfern. Es dient ja einer guten Sache und die nötige Flexibilität bringt die Politik zweifellos mit.

Auch von mir ein schönes Wochenende

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