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15.10.2012

18:45 Uhr

Was vom Tage bleibt

Wie lange noch, Frau Doktor?

VonOliver Stock

Annette Schavan hat lange zu Plagiatsvorwürfen geschwiegen, jetzt kommt sie damit nicht mehr durch. Der Wirtschaftsnobelpreis trifft die richtigen. Und Red Bull verleiht Flügel. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Ach, Frau Doktor

Lesen Sie folgenden Satz einfach mal so – ohne auf den Inhalt zu achten, der ist eh zu kompliziert: „Durch die Gründung und Erhaltung von politischen Gemeinwesen schließlich schafft menschliches Handeln die Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen und damit für Geschichte.“ Und jetzt lesen Sie bitte diesen Satz: „[...] das Handeln schließlich, soweit es der Gründung und Erhaltung politischer Gemeinwesen dient, schafft die Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen, für Erinnerung und damit für Geschichte.“ Der erste Satz stammt aus der Doktorarbeit von Bildungsministern Annette Schavan. Der zweite aus dem von Hannah Arendt einige Jahre vorher verfassten Werk: „Vita activa oder Vom tätigen Leben.“ Deutschland oberste Bildungspolitikerin hat ihn also zitiert. Weil sie ihn aber nicht als Zitat auszeichnete, hat sie wohl abgeschrieben. Das ist blöd.

Erste Adresse

Hätte Schweden bei der Vergabe der Nobelpreise so weiter gemacht wie vergangenen Freitag, hätte jetzt eine Theorie den Wirtschaftsnobelpreis bekommen. Doch die Akademie war diesmal anders drauf und hat zwei echte Menschen ausgezeichnet. Es sind, so sagt die Jury, Wissenschaftler, die sehr praktische Dinge erforscht haben. Zum Beispiel, wie sich Praktikanten am besten auf Krankenhäuser verteilen lassen. Oder wie die Organspende am erfolgversprechendsten funktioniert. Mir gefiel heute am besten, dass einer unserer Gesprächspartner einem der Preisträger per Mail gratulierte und in Nullkomanichts eine Antwort erhielt. Als wir der EU am Freitag gratulieren wollten, wusste in unserer Redaktion niemand, wohin er die Mail senden sollte.

Nettigkeiten vom Hochzeitspaar

Der US-Finanzinvestor Advent schnappt sich den deutschen Handelskonzern Douglas. Und er klingt, als habe er Kreide gefressen: Gemeinsam mit der Gründerfamilie Kreke sollen Wachstumschancen genutzt werden, lässt er mitteilen. Douglas-Chef Henning Kreke gibt sich ebenfalls euphorisch: Mit Advent habe Douglas nun „den idealen Partner“ gefunden. Wer ein idealer Partner ist, erkennen Eheleute durchschnittlich nach sieben Jahren. Vielleicht geht es bei Advent und Kreke schneller. Wir fragen im nächsten Jahr mal nach. Versprochen.

Mal wieder Flügel gewachsen

Red Bull ist diese Brause, von der die einen sagen sie schmeckt wie Rasierwasser, und die anderen wollen nicht damit kleckern, weil die Flecken nie wieder rausgehen. Aber das ist völlig nebensächlich. Red Bull ist nämlich die Firma, die Menschen aus dem All springen lässt, Formel-1-Siege einfährt und deren Chef nur dann auftaucht, wenn er mal Lust hat. Interviews gibt er bevorzugt in Schülerzeitungen. Auf gut deutsch: Red Bull ist kein Produkt, sondern eine Marke. Und deswegen ist das Rasierwasser, das angeblich Flecken macht, teurer als jede andere Brause. Noch Fragen? Dann wenden Sie sich an George Clooney von Nespresso. Der weiß auch, wie Marken gemacht werden.

Einen beflügelten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

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