Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.08.2012

18:11 Uhr

Was vom Tage bleibt

Wir können nur Silber - und das ist auch gut so

VonFlorian Kolf

Warum das Ehegattensplitting abgeschafft gehört, Eon-Kunden sich über den Gewinn ärgern und Deutsche plötzlich wieder Lust auf Aktien haben. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Anachronistische Subvention

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Abgeordnete der CDU wollen das Ehegattensplitting im Einkommensteuerrecht auch auf homosexuelle Partnerschaften ausweiten. Doch was so schön modern klingt, ist anachronistischer Unsinn. Das Splitting fördert, dass Ehefrauen nicht arbeiten, und hat sich damit in Zeiten des Fachkräftemangels überlebt. Diese Subvention gehört nicht ausgeweitet, sondern abgeschafft.

Wütende Kunden

Bei vielen Kunden kommt Wut auf wenn sie hören, dass Eon überraschend einen Milliardengewinn verbucht hat, gleichzeitig die Energiepreise aber immer weiter steigen. Das große Gejammer der Konzerne nach dem Atomausstieg war wohl nur Theaterdonner, die Zusatzkosten waren schnell verdaut. Die gute Entwicklung hat Eon aber hauptsächlich verbesserten Gaslieferverträgen mit Gazprom zu verdanken. Wenn sie diese günstigen Preise jetzt nicht an die Kunden weiterreichen, dann sollten diese ganz schnell die Vorteile der Marktwirtschaft nutzen und zur Konkurrenz wechseln.

Esprit lernt vom Gegner

Wenn der Gegner zu stark ist, dann schlage ihn mit seinen eigenen Waffen. Der ins Trudeln geratene Modekonzern hat sich jetzt einen neuen Chef geholt - und zwar von dem Konkurrenten Inditex, der mit seiner erfolgreichen Kette Zara die ganze Branche in Angst und Schrecken versetzt hat. Doch ein Selbstläufer ist die Sanierung von Esprit damit noch lange nicht. Die Konkurrenten H&M und Zara haben mit dem schnellen Wechsel von attraktiven und preiswerten Kollektionen die jungen Kunden zu sich gezogen. Die zurückzuholen, wird für den neuen Esprit-Chef harte Arbeit.

Die neue Lust auf Aktien

Wie passt das zusammen? Die Euro-Krise versetzt die Börsen in unkalkulierbare Achterbahnfahrten und gleichzeitig steigt nach langen Jahren des Rückgang die Zahl der Kleinaktionäre in Deutschland wieder drastisch an. Die Aktionärsquote stieg im ersten Halbjahr auf 15,7 Prozent und erreichte damit fast wieder das Niveau von 2007. Nachdem die vermeintliche Sicherheit von Staatsanleihen entzaubert wurde, wird offenbar immer mehr Anlegern klar, dass Aktien die wirklichen Sachwerte sind. Und zwar nicht die spekulativen Fantasiewerte wie Facebook, sondern solide Konzerne, die neben dem Kursgewinn auch noch sichere Dividende bringen.

Was fehlt? Deutschland kann bei Olympia offenbar nur Silber gewinnen, heute gleich vier mal. Aber das ist auch gut so. Sport ist eine schöne Nebensache, aber mehr auch nicht. Wenn ich sehe, mit welchem staatlich gesteuerten Aufwand China das Projekt Olympia-Gold betreibt, wird mir übel. Da lob ich mir den deutschen Breitensport und gehe jetzt eine Runde laufen.

Ich wünsche Ihnen einen sportlichen Feierabend,

Florian Kolf

Diskutieren Sie mit dem Autor auf Facebook

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

07.08.2012, 18:51 Uhr

Das Ehegattensplitting ist beizubehalten, zumindest für die Generation, die Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut und gleichzeitig - neben all diesen Härten und Mühen - auch noch nennenswerte Zahlen von Kindern in die Welt gesetzt hat. Die damaligen Kinderzahlen von 3 und mehr pro Ehepaar verlangten die "Mutter zuhause", denn Horts u. ä. gab's damals nicht. Es wäre die größte Ungerechtigkeit, diese - heute alten - Mütter (also Omas und Uromas) jetzt durch Abschaffung des Ehegattensplittings zu bestrafen. Also, werter Herr: Erst mal zu Ende denken!

manni

07.08.2012, 19:50 Uhr

Nach der Abschaffung des Splitting steht dem Arbeitsmarkt ein Heer gut ausgebildeter Hausfrauen samt deren Kinder zur Verfügung.

Für den Endsieg in der Eurokrise muß alles an die Front, was noch den einen oder anderen Cent an Steuern für die Umverteilung einbringen könnte.

Account gelöscht!

07.08.2012, 21:35 Uhr

Sollte das Ehegattensplitting abgeschafft werden, bedarf es keiner Ehe mehr. Welcher Ex ist dann noch gewillt, Unterhalt zu zahlen? Alle Ehefrauen sollten sofort Arbeitslosengeld oder Hartz IV beantragen, um der Gerechtigkeit und der Gleichheit gerecht zu werden.
Der deutsche Sozialstaat ist dermaßen zusätzlich mit fremden Leistungen aufgebläht, da müssen wir selbstverständlich das Ehegattensplitting abschaffen. Alles Geld für Fremdleistungen. Alle Sozialsysteme bis zur Rentenkasse sollten nur noch den Fremdleistungen dienen. Der Michel ist so verblendend und glaubt wirklich, dass es dann zweckmäßiger eingesetzt wird. Klar, für die Schuldenunion und für noch mehr Einwanderung in die Sozialsysteme.
Alles abschaffen, damit die Verrohung immer näher kommt. Wofür brauchen wir noch Unterschiede zu einer Ehe, weg mit allen Werten. Die Kaufkraft der Mittelschicht würde von heute auf morgen eingestellt werden.
Die Befürworter sollten sich dann mit richtigen Subventionen beschäftigen. Da gibt es ganz andere Kaliber von Profiteuren, aber traut sich keiner dran.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×