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04.12.2014

19:15 Uhr

Was vom Tage bleibt

Wir sind Feind

VonStefan Menzel

Putin attackiert den Westen, das Kartellamt stoppt Edeka und Tengelmann. Die EZB wartet mit den Anleihekäufen, in der Bundesliga kommt die Torlinientechnik und die Bahncard hat eine unsichere Zukunft. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Moskauer Vorwürfe

Jetzt haben wir es amtlich, direkt von Präsident Putin: Wir im Westen wollen die Zerschlagung Russlands. Doch Russland werde sich erfolgreich dagegen wehren und die Feinde werden scheitern. Genauso wie Hitler vor 70 Jahren. Es macht mich völlig ratlos und traurig, was Putin damit letztlich auch über mich, über jemanden aus der deutschen Nachkriegsgeneration andeutet. Ich bin der Sowjetunion unendlich dankbar für die Befreiung Deutschlands vom Faschismus. Doch jetzt wandeln wir Deutsche angeblich wieder auf den Pfaden von Hitler? Herr Putin, ich verstehe Sie nicht.

Gut aufgepasst

Einige wenige große Unternehmensgruppen dominieren den deutschen Einzelhandel. Zurecht stellt sich so mancher die Frage, ob in einem engen Markt mit noch nicht einmal einer Handvoll Spielern der Wettbewerb richtig funktioniert. Künftig soll es noch ein Unternehmen weniger geben, wenn Tengelmann seine Märkte an Edeka verkauft. Doch Halt! Ganz so weit ist es dann doch nicht. Das Bundeskartellamt tritt auf die Bremse, Tengelmann und Edeka dürfen die geplante Fusion nicht weiter vorantreiben. Ein guter Zug der Wettbewerbswächter. Wenn der Zusammenschluss überhaupt noch kommt, dann nur unter großen Auflagen für beide Unternehmen – damit der letzte Rest an Wettbewerb im Handel erhalten bleibt.

Denkpause

Die EZB nimmt sich eine Auszeit und geht in die Winterpause. Ohne Entscheidung. An den Finanzmärkten hatte so mancher gehofft, EZB-Präsident Draghi würde heute am Donnerstag in großem Stil den Ankauf von Anleihen verkünden. Doch es ist vernünftig, dass die EZB mit dieser Entscheidung ein wenig wartet. Die Wirtschaft steckt schon so gut wie in der Weihnachtspause, niemand muss etwas übers Knie brechen. Im neuen Jahr ist noch genug Zeit, um über das Anleiheprogramm zu entscheiden. Dass der Dax daraufhin um 1,2 Prozent eingebrochen ist – was soll’s.

Gerechter Fußball

Der deutsche Fußball kann auch richtig reformfreudig sein. Niemand hatte es noch erwartet, aber jetzt kommt sie doch: die Torlinientechnik. Der Fußball hat sich zu einem Milliardengeschäft entwickelt, deshalb muss es in diesem Sport mit rechten Dingen zugehen. Schiedsrichter machen nun einmal Fehler und treffen Fehlentscheidungen. Mit der Torlinientechnik bekommen sie jedoch ein Instrument an die Hand, das für mehr Gerechtigkeit im Fußball sorgen wird. Was hat diesen Sinneswandel in der Bundesliga ausgelöst? Wahrscheinlich wirkt immer noch die Freude über den Weltmeistertitel aus Brasilien nach. Das lässt große Widerstände unter den Funktionären brechen.

Kleine Karte von der Bahn

Bleibt sie oder wird sie doch abgeschafft? Die Zukunft der Bahncard hat heute fast jeden beschäftigt. Sogar der Verkehrsminister fühlte sich auf den Plan gerufen und machte die Bahncard mit einer (politischen) Bestandsgarantie fast zu einem nationalen Erbe. Aber machen wir uns nichts vor: Die Deutsche Bahn hat Probleme im Fernverkehr. Um die Profitabilität zu erhöhen, wird sie an die Rabatte herangehen. Und dazu gehört natürlich auch die Bahncard. Um nachher in der Öffentlichkeit nicht als Lügner dazustehen, wird die Deutsche Bahn den Namen Bahncard selbstverständlich erhalten. Aber was es hinterher unter diesem Namen noch an Nachlässen geben wird, das steht völlig in den Sternen.

Einen angenehmen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Kommentare (5)

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Herr Horst Meiller

04.12.2014, 19:29 Uhr

"Herr Putin, ich verstehe Sie nicht."
Machen Sie sich nichts draus, kaum jemand versteht ihn richtig, aber viele durchschauen ihn! Schauen Sie diesem Menschen doch mal genau in die eiskalten, brutalen Augen, und Sie verstehen sicher, was ich meine!

Herr walter danielis

04.12.2014, 19:29 Uhr

Sehr geehrter Herrr Menzel,

ich und viele Ihrer Leser verstehen Herrn Putin sehr gut. Siehe Kommentare zu einschlägigen Artikeln. Dies gilt trotz der zum Teil dummmdreisten Probaganda von Politik und Medien auch für die große Mehrheit der sachkundigen Bevölkerung.

einen schönen Abend.

Herr walter danielis

04.12.2014, 19:32 Uhr

Da hat halt Herr Obama so schöne rehbraune Augen.

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