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24.01.2012

18:48 Uhr

Was vom Tage bleibt

Wo der Abschwung sichtbar wird

VonOliver Stock

Der IWF sieht die Eurozone in der Rezession. Und kaum spricht er es aus, melden deutsche Unternehmen enttäuschende Zahlen. Immerhin machen schlechte Zeiten oft erfinderischer als gute.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Analyse aus dem Hubschrauber

Als Internationaler Währungsfonds guckt man die Dinge von oben an, aus der Helikopterperspektive sozusagen. So liest sich jetzt auch das, was der IWF für die Wirtschaft voraussagt: Die Eurozone als Ganzes werde dieses Jahr in eine „milde Rezession“ rutschen. Die Prognose für Deutschland korrigierte der Fonds um einen ganzen Prozentpunkt nach unten, erwartet für dieses Jahr nur ein Mini-Wachstum von 0,3 Prozent. Die Weltwirtschaft wird dieses Jahr nur noch um 3,3 Prozent zulegen. Das sind 0,7 Prozentpunkte weniger als noch im September angenommen. „Die Lage auf den Finanzmärkten hat sich verschlechtert, die Wachstumsaussichten sind trüber, und die Risiken haben sich sprunghaft erhöht“, schreiben die Experten. Die krisengeplagte Eurozone drängt der IWF, zu allererst verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen. Dazu müssten die Länder das Wachstum stützen, während sie weiterhin ihre Finanzen in Ordnung bringen. Notwendig sei zudem, noch mehr Liquidität bereitzustellen, sowie eine weiterhin lockere Geldpolitik, heißt es in dem Bericht - womit klar ist: Das ist Hubschrauberperspektive pur. Der IWF macht Lärm und wir sollen rotieren.

Siemens verpatzt den Auftakt

Für Siemens hat das neue Geschäftsjahr schlecht angefangen: Zwischen Oktober und Dezember sank das Konzernergebnis um 17 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro. Grund hierfür waren laut Siemens Abschreibungen wegen Problemen mit Windparks und Lieferschwierigkeiten von Schnellzügen an die Deutsche Bahn. Wenn wir den IWF ernst nehmen, werden uns an solche Zahlen in diesem Jahr gewöhnen müssen. Sie werden unterm Strich bei der Mehrheit der Unternehmen bescheidener ausfallen als zuvor. Alarmstimmung? Iwo - wenn es enger wird, wird es kreativer, oder?

Licht aus

Eine Branche allerdings läuft in Deutschland inzwischen im permanenten Krisenmodus: die Solarbranche. Heute strauchelte mit Q-Cells ein weiterer Solarkonzern. Die Verluste bedrohen die Existenz des Unternehmens. Die Entwicklung der Branche wird in die Lehrbücher der Ökonomie eingehen: Sie ist ein Beispiel wie Subventionen fett und wettbewerbsunfähig macht. Inzwischen haben Länder wie China den Know-how-Vorsprung der deutschen Hersteller aufgeholt. Und hierzulande hat sich unter der Käseglocke der staatlichen Solarförderung zu wenig Neues entwickelt, als dass der Abstand wieder hergestellt werden könnte. Deswegen gilt: Wer fördert, schafft Arbeitsplätze - allerdings oft in China.

Mit Lohndumping gegen sinkende Margen

Bei einer Großrazzia gegen die Einzelhandels-Konzerne Netto und Kaufland sind heute 450 Zollfahnder in fünf Bundesländern ausgeschwärmt. Die Unternehmen werden verdächtigt, für Lageristen und Staplerfahrer rechtswidrige Werksverträge abgeschlossen und Tariflöhne unterschritten zu haben. Lohndumping, Schlecker-Pleite, Kaufhof als Übernahmekandidat, Praktiker unter Druck, Machtkämpfe bei Douglas - das alles zeigt: Im Einzelhandel ist es hart zu überleben. Die Margen sind klein, und wenn das Wachstum (siehe oben) abschmiert, dann sind die Zahlen ruckzuck rot.

Weise Worte

Zum Schluss Nachrichten von einem weisen Mann: Jochen Sanio geht in Pension. Der Mann war als Chef der Aufsichtsbehörde Deutschlands oberster Bankenaufseher. „Meine Schlussbilanz fällt mehr als ernüchternd aus“, sagte er heute. In seinen 37 Jahren als Aufseher habe sich die Branche zu einem hoch komplexen Gebilde entwickelt, das sich nicht mehr beherrschen habe lassen. Nach der Finanzkrise 2008 sei eine Chance verpasst worden. „Bis heute hat der Rückbau des weltweiten Finanzsystems nicht stattgefunden“, mahnte der 64-Jährige. "Die Strukturen sind nicht angetastet worden." Lassen wir die Worte wirken.

Einen nachdenklichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

24.01.2012, 21:35 Uhr

Es zeigt sich, dass die überproportionale Subvention von Solar-Energy, die von der Idee getragen wurde eine Anschubfinanzierung zur Reduzierung der immensen Kosten zu sein, und in den blumigsten Grünen Feuchtträumen den totalen Ersatz jedweder fossilen Energie ermöglichen sollte, den Weg aller Dogma-Economy geht, in den Bankrott. Als man sah, dass die Preise fallen und tausende Scheunendächer in der Sonne blitzen und doch nur 3 % der Energie beiträgt, relativierte man in Richtung Ergänzungsenergie, Schulter an Schulter mit der Windkraft. Als kaum noch Plätze gefunden wurden, wo sinnvollerweise Windkraft zu installieren ist, fiel auch, dass diese Plätze an stellen liegen, wo keine Stromtrassen existieren. Und immer noch hielt man am Dogma fest. Als feststand, dass diese riesigen Investitionen immer noch nicht ausreichen, wurden Pläne erarbeitet, im Lande verteilt Gaskraftwerke zu bauchen die schneller on un off geschaltet werden können. Und alles mit dem Versprechen, die Umstellung auf regenerative Energie koste nur ein paar Cent mehr Strom. Wer das behauptet, der kann auch behaupten unsere Renten seien sicher und die Riesterrente sei eine einzige ideale Ergänzung der staatlichen Rente für Geringverdiener. Nikolausi und Osterhasi wenden sich mit Grauen ab. Dogma bleibt Dogma und Markt bleibt Markt seit Menschengedenken. Wenn Dogmatiker in den Markt eingreifen, dann wird's grausam und unendlich teuer.

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