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16.05.2012

20:11 Uhr

Was vom Tage bleibt

Wo die harten Hunde wohnen

VonOliver Stock

Merkel baut ihr Kabinett um, die Griechen deuten den 17. Juni um und Zuckerberg will noch mehr Geld verdienen. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Harte Hunde

Da glauben wir doch gerne, Politiker sind Weicheier, und in der Wirtschaft sitzen die wirklich harten Hunde und dann das: Angela Merkel erklärt, dass sie heute beim Bundespräsidenten um die Entlassung ihres Umweltministers Norbert Röttgen gebeten hat. So einen glatten Rausschmiss gibt es nicht einmal in der Wirtschaft. Dort werden so Behandelte stets noch mit Worten wie: "Er wird uns beratend zur Seite stehen" bedacht. Röttgen hat die CDU durch das schlechteste Wahlergebnis aller Zeiten beschädigt und die Energiewende nicht entscheidend vorangebracht. Das ist nun die Quittung. Ihm folgt Peter Altmaier, der parlamentarische Geschäftsführer der Union. Er hat die Chance, mehr richtig zu machen. Wir wünschen dem Saarländer: Glück auf!

Tag der Spaltung

Der 17. Juni war einmal der Tag der deutschen Einheit, bevor die Einheit tatsächlich kam. Von diesem Jahr an könnte er der Tag der Europäischen Spaltung werden. Die Griechen haben nämlich heute beschlossen, am 17. Juni den zweiten Versuch zu starten, ein handlungsfähiges Parlament zu wählen. Da der erste Versuch gescheitert ist, stehen die Chancen dann aber nicht besser. Die Zustimmung für jene Parteien, die einen harten Sparkurs vertreten, sinkt. Wegen der Unsicherheit über die Zukunft Griechenlands holen immer mehr Bürger ihr Geld vom Konto. Das klingt alles nicht danach, als bleibe Griechenland in der Euro-Zone. Ist das Land einmal draußen, hat das europäische Projekt einen Rückschlag erlitten.


Die Nachrevoluzzer


Irgendwie hängt das Chaos von Athen mit dem zusammen, was die Banken angerichtet haben. Aber wie noch gleich? Erst zu billig Geld verliehen, dann brauchten sie welches vom Staat, der hatte keins, dann kam die Schuldenkrise, dann Griechenland. Oder so ähnlich. Egal. Vor der Europäischen Zentralbank haben jedenfalls Demonstranten Kinder-Planschbecken aufgeblasen. Menschen mit Perücken liegen darin, einige sind mit Farbe vollgeschmiert. Es ist „Blockupy“- Tag in Frankfurt und das geht noch so bis zum Wochenende. Die Zusammenhänge kann hier keiner wirklich erklären. Es herrscht nachrevolutionäre Stimmung: Liberté, egalité, beaujolais!

Facebook und die Rache vom Kaiser Friedrich

Aber es ist nicht alles schlecht und rausgeschmissen. Gucken wir uns doch Facebook an. Mark Zuckerberg, die alte Sandale, will das Maximum aus seinem Börsengang herausholen. Wegen der starken Nachfrage bietet er jetzt 25 Prozent mehr Aktien an, als er es sich bisher gedacht hatte. Damit könnte die Erstemission der Superlative am Freitag auf ein Volumen von bis zu 16 Milliarden Dollar kommen und in die Top Ten der größten Aktiengänge der Welt vorstoßen. Alles super. Ob auch einige von den 17000 Aktionären, die heute vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt verloren haben, einsteigen, bezweifele ich. Die Börsenspekulanten hatten vor zwölf Jahren auf die Telekom-Aktie gesetzt. Auch so ein Wahnsinns-Börsengang. Sie verloren viel. Ihre Klage blieb jetzt erfolglos. Wie erkannte Manfred Krug, die damalige Werbeikone der Telekom, leider erst ziemlich spät: „Manchmal stehn die Aktien hoch, und manchmal stehn sie niedrich. Ein Auf und Ab, grad wie beim Arsch vom alten Kaiser Friedrich.“

Einen frohen Feiertag, den manche Vatertag nennen, wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (3)

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Wutbuerger

16.05.2012, 23:36 Uhr

Mein kräftiger Dank geht an Herrn Stock. Er trifft den Nagel (meistens) auf den Kopf. Damit unterscheidet sich vom Praktikanten, der mich zum Kauf von Staatsanleihen, zur Treue zur Eurozone oder zu irgendwelchem ungewaschenem Politgesindel überreden will.

Danke, Herr Stock.

CochmaSapientia

17.05.2012, 21:05 Uhr

Na Herr Stock, auch einen gehoben, heute am Vatertag? Es sei Ihnen gegönnt. Nur welcher Kaiser Friederich war gemeint, der mit dem "Gesäß", das sich hebt und senkt.
Das wüsten wir doch gerne.

Oberlehrer

17.05.2012, 21:19 Uhr

"Wüssten" bitte mit doppel s. "wüsten" sieht etwas dünn aus. Lag´s am Dünnbier?

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