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24.08.2012

18:22 Uhr

Was vom Tage bleibt

Zeit zum Atmen

VonOliver Stock

Ein Grieche beeindruckt. Berlin bekommt vielleicht mehr Geld für seinen Pleiteflughafen. Jan Ullrich wird ein Gewinner. Und mit Honecker lassen sich Gewinne machen. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Zeit zum Atmen

Ja, dieser Mann macht vieles richtig. Antonis Samaras steigt nicht im Adlon, sondern in einem Hotel am Gendarmenmarkt ab, das wir uns auch leisten können. Nach seinem Auftritt mit Merkel vor den Kameras ruft er „Herzlichen Dank“ auf Deutsch und legt sich die Hand auf die Brust. Er sagt nicht, dass er mehr Geld wolle, sondern mehr „Zeit zum Atmen“. „Wir sind ein sehr stolzes Volk. Wir mögen nicht, von geliehenem Geld abhängig zu sein.“ Merkel ließ sich vor den Kameras auf nichts ein. Ob der 61-jährige neue griechische Ministerpräsident die Kanzlerin im 45-Minuten-Vier-Augen-Gespräch erweichen konnte? Ich glaube nicht. Denn Merkel macht derzeit das, was sie am besten kann: Sie spielt auf Zeit.

Geld für Wowereits Pleite

Nein, dieser Mann macht vieles falsch. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit nennt einen Bericht über eine Kapitalerhöhung für den Pleiteflughafen Berlin eine „reine Spekulation“. Spekuliert wird, dass das Bundesfinanzministerium gemeinsam mit Berlin und Brandenburg eine Kapitalerhöhung von rund einer halben Milliarde Euro sowie ein Gesellschafterdarlehen plant, um dem neuen Hauptstadtflughafen, dessen Bau ins Stocken geraten ist, aus der Klemme zu helfen. Wowereit hätte uns sagen können, ob die Spekulation richtig oder falsch ist. Er macht das nicht. Denn ist sie richtig, hat der Bürgermeister als Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens offenbar tief geschlafen. Ist sie falsch, dürfte es nichts werden mit der Zukunft des Flughafens – und damit seines Aufsichtsratsvorsitzenden.

Armstrong kämpft nicht mehr

Er ist ein gefallener Held: Lance Armstrong. Der siebenmalige Tour-de-France-Sieger will sich nicht mehr gegen die schweren Dopingvorwürfe zu Wehr setzen. Damit dürften ihm alle Tour-Triumphe von 1999 bis 2005 aberkannt werden. Profitieren kann davon ausgerechnet Jan Ullrich. Er war dreimal Zweiter hinter Armstrong und könnte nachträglich Erster werden. Allerdings nur, weil er nie eingeräumt hat, gedopt zu haben, was nicht heißen muss, dass er nicht gedopt war. Alle anderen übrigen Zweiten haben ebenfalls eine Dopingvergangenheit. Vermutlich müsste man in den Plätzen jenseits der 30 suchen, um einen Saubermann zu finden. Das zeigt, wie gefährlich der Radsport ist: Am leichtesten fallen die Sportler über sich selber.

Der Rest ist Schweigen


Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik ist wegen Massenmords zu 21 Jahren Gefängnis und anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt worden. Er hatte vor einem Jahr mehr als 70 Menschen auf einer Ferieninsel wahllos erschossen. Die Welt wird nie wieder von ihm hören.

Erich, der alte Oberindianer

Erich Honecker wäre morgen 100 geworden. Der letzte oberste Parteisekretär der DDR füllt Bilderstrecken in Zeitungen und erreicht Auflagenrekorde. Der Mann mit dem Hut, der für mich immer aussah, wie ein Frührentner, erzeugt nostalgisches Gruseln, was offenbar ein überwiegend angenehmes Gefühl ist. Vielleicht ist Nostalgie sogar die beste Art mit der eigenen Geschichte umzugehen. Es ist so schön harmlos.

Ein harmloses Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

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