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05.06.2014

21:15 Uhr

Was vom Tage bleibt

Zins abgeschafft – na und?

VonOliver Stock

Wohin schwemmt uns Draghis Geldflut? – In die Katastrophe, glauben Sparer und Banken. Unsere Abendkolumne erklärt, warum sich die Schwarzseher entspannen können.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

ich höre sie schon rufen, die Untergangspropheten: Die EZB schafft den Zins ab. Sie entzieht dem Kapitalismus sein Geschäftsmodell. Unsere Sparguthaben werden entwertet. Die Altersvorsorge schmilzt dahin wie Käse im Ofen. Das billige Geld – es treibt die Spekulation, sei es an den Aktienmärkten, beim Immobilienkauf oder dort, wo die richtig dicken Jungs unterwegs sind: in Hedgefonds und Schattenbanken. Die Katastrophe – sie wird kommen, wenn nicht heute, so doch morgen.

Liebe Schwarzseher: Nichts dergleichen wird passieren. Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, die Zinsen noch ein Mal zu senken und Banken eine Strafe dafür abzuverlangen, wenn sie ihr Geld bei ihr parken, ist mutig, weil sie eindeutig ist.

Sie ist konsequent, weil sie die bisherige Politik der Zentralbank fortsetzt und nicht die Entscheidungen der Währungshüter in den USA und anderswo konterkariert. Und die Entscheidung trägt die Möglichkeit in sich, dass Europa jetzt schneller auf einen grünen Zweig kommt, als wenn Mario Draghi keinen Finger krumm gemacht hätte.

Zinsen sind angesichts einer Geldpolitik, die seit Jahren im Krisenmodus steckt, ein Luxusartikel, der sich rar gemacht hat. Und wie das immer ist mit Luxus: Wir stellen fest, es geht auch ohne. Und wir merken: Der Luxus, in dem wir gelebt haben, hat uns die Sinne vernebelt. Wir haben doch glatt über Jahrzehnte geglaubt, dass es einen risikolosen Zins gibt. Sozusagen ein Obulus, der uns zusteht, wenn wir unser Geld auf die Bank tragen.

Jetzt stellen wir fest, dass sich Geld nur dann vermehrt, wenn andere damit etwas unternehmen. Das kann gut laufen oder schlecht. Der Zins drückt die Höhe des Risikos aus, das wir bereit sind, mit unserer Geldanlage einzugehen. Wer kein Risiko eingeht, wird sein Geld nicht vermehren. Nicht der kluge Anleger ist der Dumme, sondern der gedankenlose Sparer, lautet die Botschaft der EZB. Sie verlangt von uns, Verantwortung zu übernehmen für unser Vermögen, genauso wie wir Verantwortung tragen für unsere Gesundheit oder dafür, wie wir Auto fahren. Ich finde das richtig.

Kommentare (1)

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06.06.2014, 14:00 Uhr

Die Pläne von Bazooka und dicker Berta von Draghi dienen ja dem einzigen Ziel und die Botschaft ist klar: Die „strengen Haushaltsregeln“- das heisst aufmachen der Schleusen für weitere Schuldenzuwächse – sollen gelockert werden, damit Geld frei wird für dringend benötigte Wachstumsimpulse, und zwar nicht nur in Frankreich, wo gerade die Schlüsselindustrie zusammenbricht und Südeuropa, sondern auch in Nordeuropa, weil bisher weder das Securities Markets Programme (SMP) von 2009 noch die Folgeprogramme ESFS, ESM und „Outright Monetary Transactions“ (OMT)-Programm der EZB, über die bereits Milliarden oder vielleicht sogar Billionen – wieviel weiß vielleicht nicht mal der EU-Politiker Draghi selbst – in den Sand gesetzt worden sind. Die Pferde können zwar zur Tränke geführt werden, aber saufen müssen sie selbst, sagt Keynes; das ist nicht nur das Problem von Draghi, sondern seit dessen Einsetzung als Übervater von Kommission, Ministerrat und Parlament auch das Problem Europas, und zwar vor allem seiner Menschen. Denn das Volk büßt immer, was die Könige tun, sagt Horaz. Und gerade die Deutschen wissen ja aus eigener leidvoller Geschichte, wohin das führt; zum Beispiel durch Studium des Programms „Mofa (Metall-Forschungs-GmbH)-Wechsel“ und seiner Folgen des ehemaligen Reichsbank-Diktators Hjalmar Schacht: eine Erholung der Wirtschaft durch Rüstung zu erweitern und durch extensive Schuldausweitung die bestehende Sozialordnung in einer diktatorischen Weise zu zerstören oder zu Gunsten neokapitalistischer Dynastien umzugestalten: Auf diesem Wege ist ja Europa schon seit 2000 (siehe – ILO-Bericht) Dies ist die Alternativlosigkeit, die Marionette Merkel immer so fest betont; und da soll mir einer sagen, Geschichte wiederholt sich nicht: In seinen negativen Merkmalen immer!!! Und immer sind auch die Menschen dabei und stimmen mit zu, damals dem Hitler und heute Mutti Mainstream von der CDU/CSU.

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