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07.11.2013

18:17 Uhr

Was vom Tage bleibt

Zins, Kassettenrecorder, Schreibmaschine

VonOliver Stock

Der Zins wird unmodern. Die Sparer haben das Nachsehen. Twitter startet seine Piep-Show. Banker manipulieren sich selbst. Und: Neue Wege zur Verhütung. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Zins kommt aus der Mode

Geld gibt es in Europa jetzt zu Schlussverkaufspreisen: Mario Draghi hat den Zinssatz nochmal gesenkt. Das befeuert die Börse, wie sich heute an der Dax-Tafel sofort ablesen ließ. Ob es die Konjunktur befeuert, wissen wir erst in ein paar Monaten. Dass es aber Sparguthaben verbrennt, wissen wir schon jetzt. Geld vermehrt sich nicht mehr. Der Zins wird ein Wort sein, das im Nachschlagewerk in der Rubrik „altmodische Bezeichnungen“ gleich hinter Kassettenrecorder und Schreibmaschine kommt.

Die große Entwertung

Ach hätten wir doch... ach hätten wir uns doch eine Handvoll Aktien des Kurznachrichtendienstes Twitter gesichert. Beim Börsendebüt schoss das Papier zeitweise um mehr als 90 Prozent in die Höhe. 50 statt 26 Dollar wie geschätzt – eine wahre Piep-Shows des Unternehmens mit dem Vöglein als Logo. Warum waren wir mal wieder nicht dabei? Vielleicht, weil uns die Aktie eines Unternehmens, das kein Geld verdient, genauso unheimlich ist, wie Geld, das nach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank fast zum Nulltarif verliehen werden kann. Die einen, die das Geld drucken, befeuern die anderen, die das Geld ausgeben. Beide schaffen keine Werte, sondern sie betreiben Entwertung.

Die Selbstmanipulation der Banker

Gegen Goldman Sachs sind Untersuchungen wegen möglicher Manipulationen von Devisenkursen im Gange. Die Liste von Finanzprodukten und damit verbundenen Aktivitäten, die Gegenstand der Untersuchungen sind, sei um Devisen und Rohstoffe ergänzt worden, teilen die Goldmänner lapidar mit. Libor, Euribor, jetzt Devisenkurse – die Manipulationslust der Banker kannte keine Grenzen. Am intensivsten aber war die Selbstmanipulation: „Das geht ganz sicher immer so weiter“, lautete das Mantra irrtümlich.

Wege zum Kindersegen

Es gibt eine neue Methode der Verhütung, und die geht so: Sie müssen erst studieren und dann nach Hamburg ziehen. Die Chance, dass Sie dann keinen Nachwuchs bekommen, liegt bei 32 Prozent. Das hat jedenfalls das Statistische Bundesamt ausgerechnet. Unter der Überschrift: „Immer mehr Frauen in Deutschland bleiben kinderlos“ berichten die Statistiker darüber, dass eine höhere Bildung und das Leben in der Großstadt diesen Trend noch verschärft. Das Schöne am Beruf des Statistikers ist es, dass die Interpretation der Ergebnisse immer andere übernehmen. In diesem Fall müsste sie heißen: Zieht nach der Grundschule aufs Land und Deutschland stünde vor einem Kindersegen.

Einen schönen Abend in Stadt und Land wünscht Ihnen

Oliver Stock

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