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10.09.2013

18:54 Uhr

Was vom Tage bleibt

Zocken mit dem Mittelstand

VonOliver Stock

Die Pleite von Windreich wirft ein schiefes Licht auf ein ganzes Börsensegment. Die Börsensteuer geht den Bach runter. Und Jürgen Trittin bringt einen Prokuristen gegen sich auf. Die Kommentare zum Tag.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Keine Puste mehr

Dass dem Windparkentwickler Windreich die Puste ausgeht, trifft Privatanleger. Das Unternehmen hat 125 Millionen Euro über zwei Mittelstandsanleihen eingesammelt. Die Papiere sind an der Stuttgarter Börse gelistet. Sie sind „bis auf Weiteres“ vom Handel ausgesetzt, sagt die Börse. Mit der neuen Pleite wird die Kritik am noch jungen Segment für Mittelstandsanleihen lauter. Banken, die ungern auf solchen Papieren sitzen, haben sie an Anleger weitergegeben, das Risiko eines Totalverlusts dabei aber nur in Fußnoten genannt. Das Ganze ist keine Mittelstandsfinanzierung, sondern Zockerei. Nun macht Zocken ohne Zweifel vielen großen Spaß. Noch spaßiger wäre es, wenn es mit Spielgeld in Spielbanken passierte.

Bye, bye Börsensteuer

Jede neue Steuer ist schlecht. Deswegen halte ich auch von der Börsensteuer nichts. Die Steuer, die den Handel mit Aktien und Derivaten verteuert, wird am Ende von uns Anlegern bezahlt. Als ob wir nicht schon genug mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen hätten. Als ob unsere Altersvorsorge nicht schon jetzt dahinschmilzt wie Eis in der Sonne – nun sollte also auch noch einen neue Steuer kommen. Die Juristen in der EU-Kommission haben allerdings bedenklich mit dem Kopf geschüttelt. Da nur elf der 28 EU-Länder die Idee unterstützen, ergäbe sich eine beträchtliche Ungleichbehandlung in der Union, sagen sie. Wenn es das Argument ist, was letztlich zählt, soll es mir auch recht sein. Ich bin kein Jurist, sondern Journalist. Meine Begründung gegen die Steuer lautet: Eine Krisenverhinderungssteuer, die am Ende die Krisenopfer bezahlen müssen, ist eine schlechte Idee.

Neue Spieler in der Börsenliga

Die oberste US-Börsenliga wird umgekrempelt. Hewlett-Packard, Bank of America, der Aluhersteller Alcoa – sie alle fliegen aus dem Dow Jones. Dafür ziehen Nike, Goldman Sachs und Visa ein. Ein Finanzdienstleister raus, zwei rein – unterm Strich wird der Dow Jones nicht werthaltiger.

Achtung: Demagoge

Jürgen Trittin kam jüngst in einem Interview mit uns auf seinen Wahlkreis Göttingen zu sprechen. Dort wollte das Autohaus Südhannover die Netz-Umlage nicht mehr voll zahlen, sagte er und so bei der Stromrechnung sparen. Wir haben mal nachgefragt: Der VW-Händler aus Göttingen zahlt die Umlage in voller Höhe, sagt uns der Prokurist des Hauses und in seiner Stimme schwingt Empörung. „Wir hatten mal einen Antrag gestellt, der ist aber vor zwei bis drei Monaten abgelehnt worden. Das war auch kein Antrag auf Befreiung von dem Netzentgelt, sondern nur ein Antrag auf eine Reduzierung“, berichtet er und der verschwand ziemlich schnell erfolglos in der Ablage. Dokumente der Bundesnetzagentur bestätigen diese Aussage. Demagogie ist die Fähigkeit, die kleinste Begebenheit in die größten Worte zu pressen. Der grüne Spitzenmann verfügt ohne Zweifel über diese Gabe.

Der Herr der Ringe

Großer Sport fängt oft da an, wo es aufhört, gesund zu sein. Thomas Bach ist heute Präsident des Internationalen Olympischen Komitees geworden. Der erste Deutsche auf diesem Sessel ist jetzt der Größte in Sachen Sport. Wir wünschen ihm: Bleiben Sie bei guter Gesundheit!

Einen unsportlichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (5)

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breitmaulfrosch

10.09.2013, 19:13 Uhr

Trittin will etwas: was, darüber redet er nicht.
Das macht ihn so superschlau, dass er nicht zu merken scheint, wie sehr er sich selbst dabei auf den Leim geht.

Inzwischen verkörpert Trittin Trittin: eine politische Karriere, um die man niemanden beneiden könnte.

Weil Trittin keine politische Idee verkörpert sondern lediglich sich selbst.

Das reicht politisch wie inhaltlich nicht, den kommunikativen Zampano zu geben, um ans Ziel der Träume zu gelangen, gleich was für Ziele und gleich was für Träume.

Grün ist der Topos Trittin dabei ebensowenig wie der Breitmaulfrosch.

Auftragsporto

10.09.2013, 19:39 Uhr

"BörsenSTEUER" war schon immer ein ganz ungelenker und auch manipulativer Begriff. Nehmen wir doch die Bezeichnung BörsenPORTO, ganz genau wie eine Briefmarke, die jedem Kauf und Verkauf angeheftet werden muss. Da zeigen sich gleich viele Mikro-Sekundentakt-Bewegungen an den Börsen der Welt als das, was sie sind: absurd. Fällt dieser Irrsinn weg, ist schon mal was gewonnen.Auch für die Börsenkultur.

Account gelöscht!

10.09.2013, 19:43 Uhr

"wird am Ende von uns Anlegern bezahlt"

Mag sein. Aber was sind denn die paar Privathandels-Trades gemessen an den Mega-Summen der instíttutionellen Anleger?

Ich halte die Börsensteuer für ein wichtiges Instrument, um ...

a) die pervers aufgeblähten Handelsvolumina, wo oftmals mit marginalsten, künstlich geformten Spreads im Millisekundentakt noch Ramscherträge rausgefaked werden sollen, doch wieder etwas einzudämmen.

und

b) die institutionellen Zocker - die die absolute MASSE des Handelsvolumens betreiben, gerne aber Dank Steuer-Oasen-Verschiebungen ziemlich ertragssteuerfrei agieren - auch mit etwas Kosten fürs Gemeinwohl zu Beteiligen.

Wir dürfen nicht vergessen: Das ungeheuer aufgeblähte Volumen der Zocker- weil Meinungs-Wetten-Papiere sind den absoluten Werten der Realwirtschaft völlig entrückt. Ein 'Peng' ist so logisch wie gefährlich. Die Börstensteuer wäre ein erster Schritt zur Reduktion

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