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07.08.2013

18:48 Uhr

Was vom Tage bleibt

Zu kurz gesprungen, Herr Blessing

VonStefan Menzel

Rückschlag für den Commerzbank-Chef und ein Prozess gegen BayernLB-Chefs, der große Streit zweier Präsidenten, die Schuldennöte eines großen Landes und die gewichtigen Änderungen für Steuerberater. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die tägliche Negativ-Meldung der Commerzbank

Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Commerzbank keine negativen Schlagzeilen macht. Heute war es wieder soweit: Aus dem groß angelegten Vorstandsumbau ist erst einmal nichts geworden. Der Aufsichtsrat hat sich nur zu einer Grundsatzerklärung durchringen können, dass es eine Verkleinerung des Vorstands geben soll. Wann? Darauf gibt es, wie allzu häufig bei der Commerzbank, keine Antwort. Das Ergebnis dieser Aufsichtsratssitzung ist ein herber Rückschlag für Vorstandschef Blessing. Der Mann hat ein dickes Fell. Wie lange noch?

Nur die halbe Rechnung

Jetzt ist es definitiv heraus: Die beiden früheren BayernLB-Chefs Schmidt und Kemmer müssen wegen der fehlgeschlagenen Übernahme der Skandalbank Hypo Alpe Adria aus Kärnten vor Gericht. Die beiden Bankmanager können aber schon jetzt mit der Milde des Gerichts rechnen. Sie werden nicht wegen Untreue angeklagt, aus Sicht der Justiz war der Deal mit den Österreichern also nicht völlig daneben. Belangt werden Schmidt und Kemmer nur dafür, dass beim Kauf der Hypo Alpe Adria Bestechungsgelder geflossen sind. Und solch ein Vergehen wird milder bestraft als Untreue. Die Lehre des Ganzen: Wieder einmal ein Beispiel dafür, dass der Größenwahn in der Bankbranche am Ende nicht besonders hart bestraft wird.

Präsidenten-Zwist

US-Präsident Obama mag seinen russischen Amtskollegen Putin im September nicht mehr treffen. Die amerikanische Seite spielt auf beleidigte Leberwurst, ließe sich salopp formulieren. Der Rückzug aus Washington kommt natürlich nur deshalb, weil Moskau dem inzwischen berühmten US-Whistleblower Edward Snowden Asyl gewährt hat. Das Weiße Haus mag sich drehen und wenden, wie es will. Aber in diesem konkreten Fall hat Präsident Putin wirklich einmal richtig gehandelt. Snowdens Aktionen tragen dazu dabei, dass Bürgerrechte wieder entscheidend gestärkt werden. Und dafür kann man ihm durchaus das Asylrecht gewähren.

Gnadengesuch aus Brasilien

Brasilien hat sich in den vergangenen Jahren zu einer wirtschaftlichen Supermacht gemausert. Eine riesige Bevölkerung mit 190 Millionen Menschen und ein starkes Wirtschaftswachstum sprechen für sich. (Die Top-Fußballer wollen wir an dieser Stelle einmal ausklammern.) Aber auch ökonomische Stärke ist nun einmal relativ. Brasilien hat heute doch tatsächlich beim Internationalen Währungsfonds „um Gnade“ gebeten. Die Berechnungen für den Schuldenstand sollten doch etwas gnädiger behandelt werden. Vielleicht wäre ein solches Gnadengesuch noch etwas für die gebeutelten Griechen?

Keine Rücksicht auf Steuerberater

Wir alle müssen dafür büßen, wenn etwas danebengeht. Die Pflicht zum Schadenersatz ist das, so heißt es im Juristendeutsch. Doch diese Grundregel hat offenbar bislang nicht für jedermann gegolten, eine spezielle Berufsgruppe war ausgenommen. Doch nun hat ein Gericht entschieden, dass auch die Steuerberater für Fehler aufkommen müssen, wenn sie ihre Mandanten falsch beraten. Recht so, möchte man meinen. Aber hätte dieser Richterspruch nicht etwas früher kommen können?

Einen schönen Abend ohne größere Schäden wünscht

Stefan Menzel

Kommentare (3)

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Occupy_economy

07.08.2013, 19:29 Uhr

Guter Griff in die Problemkiste. Hier kommentiert jemand, der vor allem auch der nachfolgenden Generation auf die Sprünge helfen will. Von der CoBa über die BayernLB bis zum Steuerberater: Nachwuchs, occupy economy! Da gibt es Attrappen des Erfolgs, zusammengeklebt wie Modell-Eisenbahn-Fallerhäuschen.

JoachimVogel

07.08.2013, 20:33 Uhr

Zu "KeineRücksicht auf Steuerberater":

Zumindest dieser Abschnitt des Artikels zeugt von tiefer
Unkenntnis. Die Haftung des Steuerberaters gibt es schon immer, ähnlich wie in anderen Berufsgruppen (Rechtsanwälte etc.)
Ich denke, auch wenn es "nur" Handelsblatt online
betrifft, Qualitätsjournalismus ist durchaus anstrebenswert.

Joachim Vogel
-Steuerberater-

Falk

07.08.2013, 20:44 Uhr

Oha, Herr Menzel, Ihnen ist doch hoffentlich klar, dass Ihr Kommentar in Sachen Putin, Obama schon bei der NSA gelandet ist und dort in die Kiste der Kritiker dieses Dienstes kommt.

Sie sind erfasst, Herr Menzel!

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