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19.04.2013

12:11 Uhr

Weimers Woche

Alternative gegen Deutschland

VonWolfram Weimer

Die „Alternative für Deutschland” mischt den langweiligen Wahlkampf auf. Das bürgerliche Lager wird nervös. Denn was Steinbrück nicht vermag, ist den Eurokritikern zuzutrauen: Merkels Wahlsieg ernsthaft zu gefährden.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Die Linke beschimpft sie als rechts-reaktionär. Die Liberalen diffamieren sie als nationalistisch. Die Union verfemt sie als verantwortungslos, Grüne witzeln über „deutschtümelnde Protest-Professoren” und Piraten versuchen sie als „D-Mark-Opas” abzustempeln. Die neuen Eurokritiker „Alternative für Deutschland” (AfD) provozieren das parteiliche Establishment und haben binnen weniger Wochen die politische Szenerie aufgemischt.

Mit erstaunlichem Zulauf und einem gewaltigem Medienecho sammelt sich eine zutiefst bürgerliche Protestbewegung, wie sie Deutschland schon lange nicht mehr gesehen hat. Frustrierte Konservative, die sich über die Sozialdemokratisierung der CDU ärgern, treffen auf Deutschnationale, Europaskeptiker und Wirtschaftsliberale, die den europäischen Schuldensozialismus heraufziehen sehen. Dazu gesellen sich Protestwähler mancher Couleur und all die, die der repressiven Korrektheit und dem politischen Gleichsprech endlich einmal den diskursiven Ungehorsam zeigen wollen.

Anti-Euro-Partei auf Stimmenfang: Das große Dilemma der Euro-Retter

Anti-Euro-Partei auf Stimmenfang

Das große Dilemma der Euro-Retter

Mit ihren steilen Thesen fischt die Anti-Euro-Partei nach Stimmen im bürgerlichen Lager. Merkel & Co spielen die Gefahr herunter. Dabei haben sie schlicht kein Konzept, wie sie die neue Gruppierung entzaubern sollen.

Die „Alternative für Deutschland” hat dabei drei Vorteile, die aus dem Nischengeraune rasch eine Massenbewegung machen könnten: Erstens vertritt sie mit der Euro-Kritik ein wichtiges, brisantes Thema, das in Deutschland 20 bis 30 Prozent der Wähler unmittelbar anspricht. Die Tabuisierung der grundsätzlichen Eurokritik bei den jetzigen Bundestagsparteien verschafft ihr eine Ventilfunktion für Sorgen, die von den klassischen Parteien nicht adressiert werden, aber massenweise in der Gesellschaft vorhanden sind. Zweitens hat die neue Partei ein verblüffend seriöses Spitzenpersonal. Ein Kreis von Professoren, Wirtschaftswissenschaftlern und Publizisten bilden den akademischen Kern in einer zutiefst bürgerlichen Formation, der verhindert, dass die Partei in Extremismus oder Klamauk abgleitet.

Fakten zur Anti-Euro-Bewegung „Alternative für Deutschland“

Parteigründer

Zu den Gründern der Partei gehören neben dem Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke unter anderem der langjährige FAZ-Feuilletonist Konrad Adam und der ehemalige hessische Staatssekretär Alexander Gauland.

Nein zum Euro

Die AfD fordert die Auflösung des Euro-Währungsgebietes und die Wiedereinführung nationaler Währungen.

Bundestagswahl

Zur Bundestagswahl im September 2013 ist die neugegründete Partei erstmals angetreten. Bei der Europawahl im Mai 2014 erzielte sie sieben Prozent und zog mit sieben Abgeordneten ins EU-Parlament ein.

Alle Versuche, die AfD in eine rechtsextreme oder unernste Ecke zu stellen, dürften daher scheitern und die Bewegung gerade wegen ihres Eintretens für politische Unkorrektheit eher stärken. Der dritte Startvorteil liegt in der grundsätzlichen Bereitschaft großer Wählergruppen kurzerhand einmal etwas ganz Neues zu wählen. Wie beim Piratenboom vor Jahresfrist können daher auch hier plötzlich erdrutschartige Wählervoten entstehen.

Diese Umstände führen dazu, dass insbesondere bei Union und FDP die Nervosität von Tag zu Tag wächst. Man spürt, wie es im eigenen Lager rumort. Manches erinnert an die Absetzbewegungen von klassischen SPD-Wählern hin zur WASG-Linkspartei während der Agendapolitik. Und ähnlich wie damals könnten auch diesmal die Protestbewegten genau das Gegenteil von dem bewirken, was sie eigentlich wollen.

Kommentare (115)

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Harald

19.04.2013, 12:25 Uhr

Und viertens treten sie dafüe ein das der derzeitig immer weiter um sich greifende "Neusprech" und sonstige Sprachverbote bzgl. Zuwanderern mal wieder zurückgefahren wird und es wieder erlaubt wird auch mnal was Negataives über Zuwanderer zu sagen was stimmt! Ohne dies als Nazi zu sagen, sondern nur als deutscher Normalbürger der sehen kann! Man muß als deutscher Bürger mal wieder die Wahrheit sagen dürfen!

Kapierichnicht

19.04.2013, 12:25 Uhr

Die Zeitungs-/Politikermeinungen sind:

Pro EURO = Deutschland profitiert = Reststaaten gehen unter = Große Europäer

Contra EURO = Deutschland profitiert nicht mehr = Reststaaten können sich wirtschaftlich erholen = deutschnationale Populisten

Kann mir das bitte mal jemand erklären? Wird nicht umgekehrt ein Schuh daraus?

KarlStass

19.04.2013, 12:28 Uhr

Die "Alternative für Deutschland" wird mit Sicherheit in den Bundestag kommen. Damit ist klar, dass Rotgrün keine Mehrheit hat.

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