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16.12.2011

12:14 Uhr

Weimers Woche

Brüderle, bitte übernehmen!

VonWolfram Weimer

Die Tage des Parteivorsitzenden Philipp Rösler sind gezählt. Der Jugendstil der FDP ist am Ende. Bald dürfte das Liberalen-Großväterchen Rainer Brüderle das Ruder übernehmen.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram WeimerEin Vorsitzender bei seiner FDP ist derzeit so populär wie Friedensforschung bei den Hells Angels, zielgruppensicher wie ein Posaunist im Schweigekloster und wählbar wie abgelaufener Joghurt im Supermarkt. Der Job ist derart unangenehm, dass man sich wundert wie Philipp Rösler noch darum kämpft. Denn in Wahrheit hat er längst verloren. Die Tage seines Parteivorsitzes sind gezählt.

Noch dementieren sie zwar – doch die FDP organisiert sich hinter den Kulissen bereits einen neuen Vorsitzenden. Rainer Brüderle  verfügt dabei über die besten Karten. Denn Brüderle hat das, wonach sich die schwer verwundete Partei am meisten sehnt: Seniorität und Erfahrung. Das Ende der Boygroup von Westerwelle über Lindner und Bahr bis Rösler ist keine Frage von Skandalen, auch keine von falschen Inhalten oder schlimmen Intrigen. Die Boygroup ist gescheitert, weil sie das Pubertäre zu Politik machen wollte. Die FDP aber ist eine Partei, die in ihrem ganzen Wesen besonders erwachsen ist.

Die Traditionslinie des Liberalen reicht bis ins 19. Jahrhundert, sie hat ein völlig adultes Verhältnis zur Macht, sie ist darum nicht zufällig die Partei mit der größten exekutiven Erfahrung in der Bundesrepublik. Sie verkörperte über Jahrzehnte das Seriöse, ja beinahe Institutionelle in der deutschen Parteienlandschaft – so dass man lange Jahre witzelte, die FDP bestehe überhaupt nur aus Staatssekretären.

Gerade wegen dieser Ligatur des Erwachsenen ist der politische Jugendstil der jüngsten Zeit für die Partei so fatal gewesen. Guido Westerwelle wurde das pubertierende Markenzeichen nachgesehen, solange man in der Opposition das Freche, Rebellische, Schnellzungige dringend brauchte. Im Moment der Regierungsübernahme schon war Westerwelle seinem Amt nicht mehr gewachsen. Und zwar habituell. Die Marke Westerwelle funktionierte in seiner fordernden Kühnheit wie das Music-Label einer jungen Berliner Hip-Hop-Band. Für die Berliner Symphoniker war das aber unbrauchbar.

Das Exekutive muss erwachsen sein. Die Liberalen spürten das bereits vor einem Jahr, als sie Guido Westerwelle entmachteten. Doch  war es ein tragischer Fehler der Partei, dass sie nach der Sturm-und-Drang-(Wester)Welle nicht auf Klassik setzte sondern auf einen noch Jüngeren. Rösler ist ein intelligenter, angenehmer und integrer Politiker. Aber als Vizekanzler, Parteivorsitzender und Bundeswirtschaftsminister kommt er schlichtweg zu jung und unerfahren daher.

Kommentare (2)

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Quentin_Quencher

17.12.2011, 18:45 Uhr

Ich frage mich, wo bleibt Wolfgang Gerhardt. Es war für mich einer der größten Fehler der FDP, dass man ihn dereinst kalt gestellt hat.

Account gelöscht!

17.12.2011, 19:58 Uhr

Oho, es sprach der lf Pochard für selbsterklärte Intellektuelle, und das Wort war "Brüderle"

Na gut, wir können uns die Krise auch schön saufen. Das hilft sicher. Und, wer könnte dafür geeigneter sein als Brüderle? Eben.

was ihn allerdings wohltuend von den anderen unterscheidet: Er steht wenigstens dazu, ungehemmt zu lallen.

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