Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.05.2013

12:09 Uhr

Weimers Woche

Das Globalisierungswunder

VonWolfram Weimer

Globalisierung und Kapitalismus sind immer noch die Lieblingsfeinde für Europas Linke. Dabei sorgen just die beiden Bösewichter für einen historischen Wohlstandsschub – gerade bei der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Sie warnen vor der “Globalisierungsfalle”, sie hassen das “globale Kapitalismusmonster”, sie scharren sich in “Attac-” und “Occupy”-Protesten zusammen, denn sie halten die weltumspannende Marktwirtschaft für Teufelszeug. Hunger, Armut, Cholera, Smog, Menschenhandel – was immer an Plagen denkbar ist, der Globalisierungskapitalismus sei schuld. Sie erfinden Begriffe wie Raubtier- und Turbokapitalismus, sie wittern überall Gier und haben ihren Sündenbock. Von Kindergärten bis zu Doktorandenseminaren wird die Globalisierung dämonisiert als ginge es um eine moderne Variante der Pest. Manchmal wirkt das wie die historische Aftershowparty einer linken Ideologie, die ansonsten all ihren ideologischen Furor an der Realität schon hat stranden sehen.

Nun aber wird sie auch hier ernüchtert. Denn es zeigt sich - genau das Gegenteil der Schwarzmalerei tritt ein. Neue Daten offenbaren geradezu ein Globalisierungswunder – Milliarden von Menschen schaffen dank des Globalkapitalismus den Aufstieg in den Wohlstand. Vor allem die linke Leitbotschaft “Arme werden ärmer und Reiche werden reicher” hat sich ins Gegenteil verkehrt. Tatsächlich werden nämlich just Arme endlich reicher. Und die Reichen müssen sich neuer Konkurrenz erwehren.

Brasilien zum Beispiel meldet einen rasanten Aufstieg der Armutsmassen in den Mittelstand. Mehr als 35 Millionen Brasilianer gelang seit 2002 der Aufstieg aus der Armut in den Mittelstand, die Zahl der Armen geht rapide zurück. Zugleich ist die extreme Lücke zwischen Reichen und Armen deutlich kleiner geworden, der Gini-Koeffizient (der Einkommensungleichheiten misst) fällt Jahr für Jahr, so dass sich Sozialforscher verblüfft die Augen reiben. Die unteren Einkommen wachsen seit Jahren deutlich schneller als die oberen.

Das brasilianische Wirtschaftswunder ist typisch für viele der Globalisierungsgesellschaften. In Indien umfasst die neue Mittelschicht inzwischen mehrere hundert Millionen Menschen. Das Durchschnittseinkommen der Inder hat sich binnen zehn Jahren verdreifacht. Und auch hier sind viele Millionen endlich der Armut und dem Hunger entronnen. Sie alle fühlen sich als Globalisierungsgewinner.

Von Indonesien bis Chile, von Vietnam bis Angola – überall das gleiche Bild. Es vollzieht sich der größte Wohlstandsschub der Menschheitsgeschichte. Die Uno meldet inzwischen, dass die Alphabetisierungsquoten weltweit stark steigen (insbesondere bei Mädchen), dass die Kindersterblichkeit hingegen drastisch abnimmt ebenso wie die Zahl der Hungernden – und das bei steigenden Bevölkerungszahlen. Der Wohlfahrtszuwachs des Globalisierungskapitalismus lässt also nicht nur gewaltige Mittelschichten überall in der Welt entstehen, er sickert auch bis nach unten zu den Ärmsten durch.

Kommentare (20)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

17.05.2013, 12:17 Uhr

Ein "historischen Wohlstandsschub" hat den Textilbetrieb in Bangladesh zum Einsturz gebracht.

Am Ende werden die Toten gezählt. Millionenfache Arbeitslosen zahl weltweit und in Europa- Rekordstand ohne Ende.
Jetzt verkünden Sie auch noch Durchhalteparolen à la Stalingrad.

hermann.12

17.05.2013, 12:32 Uhr

Die Frage Herr Weimar ist, ob diese positive Entwicklungen irgendetwas damit zu tun haben, was die Gegner unter Globalisierung verstehen. Und selbst wenn man das bejaht, stellt sich immer noch die Frage ob damit der Dumpingwettbewerb um soziale Standards letztlich gerechtfertigt werden kann, den die Globalisierung eben auch auslöst.
Sie können also letztlich nicht ein Unrecht damit begründen, das sie anderswo Unrecht bekämpfen.
Insofern greift ihre Globalisierungssicht einfach zu kurz.
Es mag sein, das dies für die Berufsopportunisten bei Attac und Occupy ebenfalls gilt. die hätten aber gar nicht den Zulauf, wenn eben diese Globalisierungsprobleme nicht bestünden.
Die Frage lautet also nicht Globalisierung ja oder nein, sondern welche Globalisierung ist sinnvoll und welche nicht und wie können wir sinnvoll das steuern.

H.

Account gelöscht!

17.05.2013, 12:38 Uhr

Genauso sieht es aus!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×