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03.05.2013

13:47 Uhr

Weimers Woche

Das sozialistische Solar-Desaster

VonWolfram Weimer

Die Solarindustrie taumelt von einer Katastrophe in die nächste. Das Multimilliardenprogramm zur Subventionierung der ineffizienten Energiequelle ist verpufft. Übrig bleiben Ruinen eines öko-sozialistischen Großversuchs.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Solarworld hat Milliardenschulden, eine drohende Insolvenz, einen schillernden Vorstandsvorsitzenden namens Asbeck und eine letzte Hoffnung. Scheichgeld aus Katar soll nun den einstigen Paradekonzern der deutschen Solarindustrie retten. Der deutsche Sonnenkönig Asbeck schrumpft zum arabischen Schattenhöfling. Doch das Schicksal von Solarworld ist symptomatisch für eine ganze Industrie im Niedergang. Während die Politik noch vom öko-energischen „Wachstumsmarkt”, dem „grünen Jobwunder” und der „solaren Zukunft” schwadroniert, platzt im Land die sonnige Traumblase in brutaler Manier. Eine Kettenreaktion aus Insolvenzen und Pleiten prägt die Szenerie, mehr als 30.000 Arbeitsplätze sind verloren, die Krise trägt Namen wie Solon, Q-Cells, Solar Millenium, Conergy – selbst Bosch muss mehr als eine Milliarde Solarverluste abschreiben. Die deutsche Solarindustrie ist mittlerweile ein Kapitalvernichter historischer Dimension.

Mehr als 100 Milliarden Euro Solarstrom-Subventionen sind vergeudet und keines der strategischen Ziele dieser Sonnenenergiewende wurde erreicht. Die Solarenergie ist bis heute nicht wettbewerbsfähig, die technologische Basis bleibt dürftig und die Positionen der deutschen Hersteller bricht unter dem Subventionsschirm sogar zusammen. Asiatische Anbieter haben den Weltmarkt erobert, nicht deutsche. In vielen Maschinenbaubranchen ist Deutschland Weltmarktführer, und ausgerechnet dort, wo Megazwangssummen mobilisiert werden, wird man Weltmarktverlierer.

Solarworld: Sonnenkönig Asbeck setzt auf Schützenhilfe aus Katar

Solarworld

Sonnenkönig Asbeck setzt auf Schützenhilfe aus Katar

Wie hoch die Beteiligung sein wird, ist noch geheim.

Der Solarruin ist nicht trotz der Subventionsmilliarden sondern wegen ihnen ein Desaster. Es ist just die Kombination aus öko-ideologischer Haltung und planwirtschaftlicher Methode, die den Einbruch herauf beschwört hat. Der deutsche Subventionsrausch frisst seine eigenen Kinder, denn die Pleite der deutschen Solarindustrie ist ein Paradebeispiel für die Folgen von Staatskapitalismus.

Trotzdem begleitet die Politik ihre Energiewende mit immer neuen Planwirtschaftsvorgaben, wann, wie, wo und mit welchen Kraftwerken künftig Strom erzeugt werden soll. Der Staat raubt dem Markt die Möglichkeit, die jeweils günstigere Stromerzeugung zu entwickeln und weltmarktfähig auszubauen. Stattdessen entscheiden grüne Bürokraten, wie hoch der Anteil welcher Energien sein soll. Wie in den Fünfjahresplänen der Sowjets werden Quoten, Ziele, Mengen in Zentralministerien vorgeschrieben. Diese Öko-Planwirtschaft und ihr Subventionsmonopoly setzt immer häufiger den Preismechanismus außer Kraft, denn wer Solar- oder Windstrom erzeugt – und sei es noch so ineffizient und landschaftszerstörend –, erhält dafür einen festgelegten Garantiepreis.

Eine absahnende Szene aus Förderantragsexperten, Anlagenbauern und Subventionsverteilern hat sich in diesem öko-industriellen Sozialismus gut eingerichtet. Sie verschandelt das Land zusehends mit Windrädern und Solarpanelen, denn obendrein gewährt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (staatlich natürlich) der Szene auch noch subventionierte Kredite.
Der sich ausbreitende Öko-Sozialismus zwingt Energieversorger schrittweise in die Rolle von Kombinaten der Bundesnetzagentur. Denn die bestimmt, welche Preise für Stromtransporte verlangt werden dürfen, sie erlaubt Subventionen und genehmigt Renditen. So rechtfertigt ein Staatseingriff den nächsten – zum Schaden des Landes. Denn der solar existierende Sozialismus zeigt wohin das alles führt – in eine Welt aus Pleiten, steigenden Strompreisen und Bettelgängen nach Katar.

Kommentare (67)

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HofmannM

03.05.2013, 13:58 Uhr

BRAVO FÜR DIESEN HERVORRAGENDEN ARTIKEL!!! DANKE und WEITER SO!

Squenz

03.05.2013, 14:03 Uhr

EIn sehr polemischer Artikel. Immerhin ist Solarenergie so billig geworden, dass sie sich in sonnenreichen Ländern bald von alleine trägt. Auch in Deutschland ist sie inzwischen vergleichsweise billig geworden. Das kann mal mal sagen und das ist der globale und nicht nationale Erfolg der Deutschen Energiepolitik. Natürlich sind die historischen Subventionslasten gigantisch und wir haben jetzt das Problem wie man den Solarausbau bei grid parity ausbremst...bald wird Mittags im Sommer zu viel produziert und es entstehen Folgeprobleme wie Netzausbau und herunterregeln von Konventionellen die wie im Artikel beschrieben teuer sein werden. Natürlich müssen die Konventionellen über Kapazitätsmärkte Ihr Geld verdienen und der Bürger darf doppelte Kapazitäten bezahlen - momentan werden diese lasten noch von dern Stromkonzernen getragen - zur Freude der Bürger. Nachhaltig sit das aber nicht.
Und bitte nicht vergessen klimafreundlich sind Solar und WInd auch noch - bei aller Ablehnung ob der schlechten planwirtschaftlichen Organisation. Man müsste sie halt marktnäher integrieren und nicht komplett ablehnen.

Baier

03.05.2013, 14:33 Uhr

das ist halt die grünsozialistische Wirtschaftspolitik Weitere Beispiele: Ökosprit, Dosenpfand (schaden der Umwelt mehr als sie nützen). Und dann bereitet man noch weitere Endlager in Deutschland vor, statt mit China zusammen in der Wüste Gobi zu investieren.

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