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20.07.2012

14:06 Uhr

Weimers Woche

Die Energiewende braucht eine Wende

VonWolfram Weimer

In der Panik von Fukushima hat Berlin eine Energiewende beschlossen, die überhastet und unausgegoren war. Nun häufen sich die Probleme, und der Plan droht zu scheitern. Es wird Zeit für eine Wende zur Besonnenheit.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

In Fukushima werden die Bade-Strände wieder geöffnet, Japan fährt seine Atomkraftwerke unbekümmert hoch und die Internationale Atomenergiebehörde meldet einen weltweiten Boom bei Neubauten von Kernkraftwerken. Vor einem Jahr hatten wir gedacht, die Welt werde sich nach der Katastrophe von der Atomenergie verabschieden, nun aber geschieht das Gegenteil.

Alle vier Wochen wird fortan irgendwo auf der Welt ein neuer Meiler in Betrieb genommen. Von China bis Argentinien, von Indien bis Polen, von Russland bis Brasilien. Selbst Länder wie die Türkei, Thailand oder Bangladesh setzen nun auf Atomenergie. Nur Deutschland steigt aus. Und zwar radikal.

Die vor einem Jahr beschlossene Energiewende wirkt rückblickend wie eine einsame Panikreaktion der hiesigen Politik. Man wollte nurmehr raus - koste es, was es wolle. Nun aber beginnt es zu kosten. Die Strompreise steigen, die Industrie ächzt, der BDI schlägt Alarm, Sozialverbände warnen, denn Geringverdiener können sich bald den Strom nicht mehr leisten.

Zugleich wird die Stromversorgung in Deutschland labiler, die Furcht vor Blackouts im kommenden Winter macht die Runde, der Netzausbau stockt, der Bau neuer Gaskraftwerke auch. Und schließlich wird in der Not auch noch mehr Kohle verstromt, was die Klimabilanz trübt. In allen drei Zielen Sauberkeit, Sicherheit und Bezahlbarkeit droht die Energiewende zu scheitern.

Die Regierung in Berlin wird darum langsam nervös. Sie spürt, dass das Projekt misslingt und sucht nach Auswegen. Der neue Umweltminister Altmaier muss retten, was zu retten ist, vor allem aber soll er das Thema aus dem Bundestagswahlkampf halten. Mit seiner rheinischen Umarmer-Natur wird er manchen Konflikt entschärfen, die wesentlichen Widersprüche aber nicht auflösen können.

Kommentare (32)

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Sonnenschein

20.07.2012, 14:26 Uhr

Zitat:
"Vor einem Jahr hatten wir gedacht, die Welt werde sich nach der Katastrophe von der Atomenergie verabschieden, nun aber geschieht das Gegenteil."

Ach, das Gegenteil ist der Fall?

Die großen Konzerne haben sich nicht vom Kernkraftwerksbau verabschiedet?
Weltweit wird nicht immer mehr Kraftwerksleistung in regenerativer Energie fertig gestellt?
Die wenigen KKW-Neubauten reichen also bei weitem nicht aus, um die Zahl der weltweiten Kernkraftwerke konstant zu halten?
Frankreich und Schweden basteln also nicht seit etlichen Jahren an ihren beiden neuen Kernkraftwerken herum und die Kosten haben sich jetzt schon verdoppelt?
Der Neubau von Kernkraftwerke wurde also überhaupt nicht als unwirtschaftlich abgestempelt?

Ich finde es erstaunlich, wie ein Kommentator gleich im 2.Satz eine Behauptung aufstellt, die jeder Depp als Blödsinn erkennt. Und auf diesem brüchigem Fundament wird dann noch aufgebaut.

Solche Kommentatoren hat unsere Atomlobby denn doch nicht verdient.

theaterkritik

20.07.2012, 14:31 Uhr

Natürlich blökt da zuerst mal ein zwar grün-ideologisches aber dafür kenntnisfreies Öko-Schaf.
Vielleicht machen wir uns dann doch alle mal auf die Suche nach dem in Fukushima verstrahlten Kanzlerhirn....

vandale

20.07.2012, 14:36 Uhr

Die Schweizer haben während des Fukushima Schwindels den gleichen Unsinn zu lesen bekommen wie die Deutschen. Viele Artikel geschrieben von naturwissenschaftsfernen "Atomexperten" wurden von Schweizer Medien übernommen.

Allerdings denken die Schweizer ein wenig. Nach und nach kommen die Kosten eines derartigen ökoreligiösen Amoklaufs auf den Tisch.

Sehr wahrscheinlich werden die Schweizer Atomausstiegspläne, zumindest für die beiden grossen und modernen Einheiten Leibstadt und Gösgen weiter nach hinten geschoben. Mittlerweile liest man über 2041.

Die Schweizer sind vielleicht auch ökoreligiös, aber nicht ganz so trunken kopflos.

Vandale

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