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15.03.2013

10:59 Uhr

Weimers Woche

Die Flucht aus der Atomkraft war ein Fehler

VonWolfram Weimer

Zwei Jahre nach der Katastrophe von Fukushima quält sich Deutschland mit seiner Energiewende. Im Rest der Welt erlebt die Atomkraft ein erstaunliches Comeback. Ein Ausstieg ist richtig, doch er muss geregelt ablaufen.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Zum zweiten Jahrestag der Katastrophe von Fukushima meldet die Internationale Atomenergiebehörde IAEA, was hierzulande niemand hören mag: Es gibt einen weltweiten Boom der Kernenergie. Nicht weniger als 66 neue Atomkraftwerke sind derzeit im Bau. Mit den 437 bestehenden wird damit die magische Marke von 500 Kernkraftwerken bald überschritten.

Nicht nur die aufstrebenden Wirtschaftsgroßmächte Indien, China und Rußland investieren massiv, immer mehr Länder entscheiden sich für den Neu-Einstieg, darunter die Türkei, Polen, Bangladesh, Ägypten, Jordanien, Nigeria and Vietnam. Selbst die Vereinigten Arabischen Emirate haben mit dem Bau eines Atomkraftwerkes begonnen. Der japanische (!) IAEA-Generaldirektor Yukiya Amano resümiert: „Die Kernenergie ist ein globaler Wachstumsmarkt”.

Die deutsche Politik dachte vor zwei Jahren, als sie sich panikartig aus der Atomenergie verabschiedete, die Welt werde folgen. Nur atompolitische Geisterfahrer würden die Zeichen der Zeit nicht erkennen. Nun zeigt sich, dass eher wir Deutschen die Geisterfahrer der globalen Energiepolitik sind. Selbst die neue japanische Regierung drängt zurück zur Atomkraft.

Die hastige Berliner Energiewende wirkt rückblickend wie eine einsame Kurzschlussreaktion. Sie funktioniert hinten und vorne nicht. Der Netzausbau stockt, Milliardensubventionen in alternative, aber unrentable Energien sind vergeudet, die Strompreise steigen dramatisch. Zugleich wird die Stromversorgung in Deutschland labiler, denn die irrwitzigen Einspeisesubventionen für Ökostrom zwingen inzwischen sogar die modernsten und saubersten Gaskraftwerke der Welt (etwa das Vorzeigewerk in Ingolstadt) zum Stillstand. Und da in der Not auch noch mehr Kohle verstromt wird, trübt sich sogar die Klimabilanz ein.

Damit ist die Energiewende in allen drei Zielen Sauberkeit, Sicherheit und Bezahlbarkeit bislang erfolglos. Die Politik reagiert auf das drohende Desaster mit planwirtschafltichem Aktionismus, man erfindet „Strompreisbremsen” wie „Zertifikatehandel” oder „Freikontingente” und hantiert an der sozialistischen „Netzgeldverordnung” herum, denn inzwischen entscheidet in Deutschland nicht mehr der Markt, sondern die Parteien über die Strompreise.

Kommentare (73)

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norbert

15.03.2013, 11:23 Uhr

Warten wir doch einfach, bis das nächste hochgeht ...

Account gelöscht!

15.03.2013, 11:27 Uhr

Danke für den Artikel!

Deutschland hat funktionierende Kernkraftwerke und die dazu gehörigen Leitungen und lässt sie still stehen. Fipsi Rösler will unser schönes Land in den nächsten 4 Jahren mit mittelalterlich anmutenden Überleitungen überziehen. Wir zahlen für Strom aus Vogelschredderanlagen, die im Meer völlig sinnlos produzieren, weil der Anschluss an die Netze fehlt. Und unserer ReGIERung ist egal, was daraus resultiert. Pfui Teufel!

G4G

15.03.2013, 11:30 Uhr

Der sofortige Ausstieg aus der Kernenergie und ein weltweites Verbot für Nukleartechnik sind die einzige Alternative, wenn man den Planeten für Flora und Fauna, zu der auch der Mensch gehört, erhalten will.
Den Blödsinn den die Politiker dieser Welt beschließen kann man nicht mehr ertragen. Das sind alles Marionetten der Atom- und Energielobby. Altmaier & Co sind auf dem Irrweg und produzieren neue Kosten und Altlasten.
Bedauerlicher Weise sind wirtschaftliche und dezentrale Alternativen nicht gefragt, weil die Lobby hierbei dauerhaft völlig leer ausgehen würde.
Es gibt genug technische Möglichkeiten, deren Patente in Schubladen modern.
Wenn Ihnen das nächste Atomkraftwerk in Europa um die Ohren fliegt ist es zu spät. Statistisch wäre der Zeitpunkt bald da.
Wir sehen uns dann im Schutzanzug mit Geigerzähler wieder

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