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22.06.2012

11:10 Uhr

Weimers Woche

Die „Folterfrau“ sagt, was Sache ist

VonWolfram Weimer

Der Verteilungskampf in Europa bekommt eine ideologische Note: linker Schuldensozialismus gegen bürgerliche Stabilitätsunion. Angela Merkel wehrt sich tapfer, doch die Sozialdemokraten fallen ihr in den Rücken.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Der Ton gegen Angela Merkel wird gemein. Von Athen bis London schimpft man sie im günstigen Fall Spar-Oma, eiserne Lady oder Domina. Inzwischen hört man aber auch Nero, Terminator oder “das gefährlichste deutsche Staatsoberhaupt seit Hitler” (so das britische Magazin “New Statesman”). Sie malen ihr in Karikaturen das Hitlerbärtchen an, kleiden sie in Wehrmachtsuniform und überschütten sie mit wüsten Beleidigungen. Vor allem linke Medien verfluchen sie als Folterfrau, werfen mit braunem Schlamm und vergiften das Klima in Europa. Dabei sagt die Bundeskanzlerin nur, was die Stunde geschlagen hat: der Schuldensozialismus muss ein Ende haben, und Deutschland kann nicht für alles zahlen.

Genau das aber sieht die europäische Linke unter Führung ihres neuen Herolds Francois Hollande (jener irrlichternden Mischung eines betagten Finanzbeamtenspießers mit dem jungen Lenin) ganz anders – und also machen sie Stimmung gegen Angela Merkel.

Britische Zeitung: „Merkel, die gefährliche Maschine“

Britische Zeitung

„Merkel, die gefährliche Maschine“

Merkel ist in Europa nicht besonders beliebt. Eine britische Untertreibung.

Der Verteilungskampf wird nicht nur härter, er bekommt damit auch eine ideologische Note (linker Schuldensozialismus gegen bürgerliche Stabilitätsunion). Ausgerechnet Merkel, die nie eine konsequente Konservative und schon gar keine klare Wirtschaftsliberale gewesen ist, kommt plötzlich in die Rolle der Lordsiegelbewahrerin bürgerlicher Werte.

Ihre Geradlinigkeit in Sachen Fiskalpakt verblüfft zwar auch Frankreichs neuen Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault. Der frühere Deutschlehrer fordert trotzdem von Berlin ziemlich dreist das Quartett des schuldensozialistischen Programms auf deutsche Kosten:

Erstens die kollektivierte Einlagensicherung von Banken mitsamt Banklizenz für den Rettungsfonds ESM. Zweitens: Eurobonds, Eurobills und Projektanleihen unter deutscher Bürgschaft. Drittens die Sozialisierung der Altschulden (Schuldentilgungsfonds) und viertens ein milliardenschweres Konjunktur- und Wachstumsprogramm mit neuen, gerne von Deutschland garantierten Schulden.

Kommentare (31)

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LIBERAL

22.06.2012, 11:17 Uhr

Die Verachtung, die ich für die deutschen Sozialdemokraten habe, ist unvorstellbar.
Die Verachtung, die ich für die Grüne Partei habe, ist riesig.
Die Verachtung, die ich für die euromanische CDU habe, ist monströs!
Die Verachtung, die ich gegen diese illiberale Ekelpartei FPD in mir trage als Liberaler ist grenzenlos!

Fokus

22.06.2012, 11:27 Uhr

Machen Sie es wie ich: Wählen Sie den HSV, der wird bessere Zeiten sehen.

matze

22.06.2012, 11:34 Uhr

hier und heute ist von den verantwortlichen in deutschland disziplin essentiel. wenn die sozialdemokratie - die partei meiner politischen zuneigung - dies nicht erkennt, macht sie sich "schuldig gegenüber dem bürger". es sollte genug sozialdemokraten geben, die die hintergründe der derzeitigen auseinandersetzungen in europa verstehen. wenn dem nicht so ist, ist "deutschland schon geschlagen". definitiev nicht unkritisch mit der politik der bundesregierung kann ich trotzdem sagen, ich stehe felsenfest zu frau merkel und das sollte jeder vernünftige deusch hier und heute auch. wir sind keine "natzis" mehr und sollten auch so behandelt werden. die würde des mensche ist unantastbar, daraus schöpfent wir nach dem zusammenbruch unsere kraft. ich möchte in europa usw. auch so behandelt werden.

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