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03.08.2012

15:33 Uhr

Weimers Woche

Die Schuldenstaubsauger vom Main

VonWolfram Weimer

Die Europäische Zentralbank will Staatsanleihen kaufen und so Eurobonds durch die Frankfurter Hintertür einführen. Deutschland wehrt sich nur noch halb. Dahinter steckt ein linkes Kalkül und eine ganze Reihe Motive.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Mario Draghi hat den großen Befreiungsschlag angekündigt und ein Patschehändchen geliefert. Der EZB-Präsident wollte die Notenbank nach amerikanischem Vorbild in einen gigantischen Schuldenstaubsauger verwandeln. Doch Deutschland zieht ihm den Stecker und verhindert den massenhaften Aufkauf von Staatsanleihen – vorerst. Denn der Widerstand bröckelt. Die Bereitschaft wächst, aus der Zentralbank eine Gelddruckmaschine für Schuldenstaaten zu machen. In Südeuropa sowieso, da sieht man im Schuldenstaubsauger vom Main die bequemste Lösung für die Krise. Anstatt zu sparen, seriös zu wirtschaften, sich endlich zur Wettbewerbsfähigkeit zu quälen, könnte man einfach auf die anrollenden Geldlaster aus Frankfurt warten.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi will Staatsanleihen kaufen, doch Deutschland wehrt sich. dapd

Der Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi will Staatsanleihen kaufen, doch Deutschland wehrt sich.

Aber auch bei uns finden Linke, Sozialdemokraten und Grüne zusehends Gefallen an der Idee – die Eurobonds kämen dann nämlich durch die Hintertür in deutsche Haus. Es gehört zu den Unbegreiflichkeiten dieser Krise, dass Rot-rot-grün sich gegen nationale Interessen und gegen die Geldwertstabilität positioniert. Die jüngsten Umfragen zeigen bereits, dass diese Strategie SPD und Grünen eher schlecht bekommt. Und trotzdem fallen sie der Kanzlerin und der Bundesbank in deren Widerstand gegen den EZB-Putsch in den Rücken. Dafür gibt es vier Motive:

Erstens - das naive Motiv: Es gibt es unter Linken ein sympathisches Solidaritätsgefühl, das man die armen Südeuropäer nicht fallen lassen dürfe. Daher lässt man sich immer wieder voreilig auf Hilfspakete ein, auch wenn die in Wahrheit Raubzüge an deutschen Sparern darstellen.

Zweitens - das Verschleierungsmotiv: Rot-grün will vergessen machen, dass es just ihre Entscheidung war, ein völlig unreifes Griechenland in die Euro-Zone zu lotsen, obwohl man wußte, dass die Bedingungen dazu hinten und vorne nicht stimmten. Es war ein Akt der Gutmenschenpolitik, die sich heute so bitter rächt.

Kommentare (13)

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Leopold

03.08.2012, 16:22 Uhr

Ein guter Artikel.
"In Südeuropa, da sieht man im Schuldenstaubsauger vom Main die bequemste Lösung für die Krise. Anstatt zu sparen, seriös zu wirtschaften, sich endlich zur Wettbewerbsfähigkeit zu quälen, könnte man einfach auf die anrollenden Geldlaster aus Frankfurt warten". Aber leider ist das für die EU und für Deutschland absolut keine zukunftsträchtige Lösung! Denn Deutschland soll für alles Geld aufkommen! Und Deutschland muss sich endlich dagegen wehren. Und wenn die gesamte Rest-EU gegen Deutschland ist muss Deutschland eben die Konsequenzen ziehen und audtreten. Hier wird von Brüssel aus die Zukunft Deutschlands verspielt!

Account gelöscht!

03.08.2012, 17:33 Uhr

Eine ausgezeichnete Analyse der Gründe, warum Rot/Rot/Grün den Ausverkauf Deutschlands betreiben wollen

Pequod

03.08.2012, 17:47 Uhr

Phantastisch diese Vorstellungen zur Schuldenunion der
Schönwetterparteien von SPD und der Grünen. Jetzt müssen
sie nur noch Jemanden finden, der das Unfinanzierbare fi-
nanziert. So möchten sich die PIIGS+F Staaten doch bit-
teschön an die sogenannten kapitalkräftigen Schwellen-
länder wenden die sicherlich nicht zögern werden, erst-
einmal die überfälligen Insolvensverfahren zu eröffnen,
zu der die ''EU'' nicht in der Lage ist, und anschlies-
send das Politbüro in Brüssel, das das alles eingebrockt
hat, zu schließen!!

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