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03.02.2012

16:14 Uhr

Weimers Woche

Gabriel wird Kanzlerkandidat

VonWolfram Weimer

Die Steinbrück-Festspiele sind vorbei. Die Sozialdemokraten beschließen in Potsdam Gabriels Regieplan für den Wahlkampf 2013. Er bestimmt Wording, Abläufe, Personal und Themen wie seit langen kein SPD-Vorsitzender mehr.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Während in den USA immer klarer wird, dass Mitt Romney bei den nächsten Wahlen gegen Präsident Obama antritt, scheint sich bei den deutschen Sozialdemokraten immer noch kein eindeutiger Kandidat gegen Angela Merkel gefunden zu haben. Doch der Schein trügt. In Wahrheit läuft jetzt alles auf einen zu, den anfangs keiner auf der Rechnung hatte: Sigmar Gabriel.

Seit Monaten schleicht er sich in Position, und in dieser Woche hat er die Deutungsmacht in der SPD raumgreifend an sich gezogen. Die Klausur der Sozialdemokraten in Potsdam beschließt seinen Regieplan für den Wahlkampf 2013. Gabriel bestimmt das Wording, die Abläufe, das Personal, die Themen wie seit langen kein SPD-Vorsitzender mehr. Vor allem aber hat er seine innerparteilichen Konkurrenten mit schach-strategischer Schläue ausgespielt.

Die Steinbrück-Festspiele, die im vergangenen Sommer noch die Kanzlerkandidaten-Fantasie beflügelt hatten, sie sind gründlich vorbei. Steinbrück hat sich zu früh und zu laut selbst ins Spiel gebracht. Gabriel stand kühl am Rand, ließ das Spektakel gewähren und spielte auf Zeit. Er wußte: Steinbrück bot Angriffsfläche, setzte zu stark auf das Agenda-Schröder-Netzwerk, machte Eitelkeitsfehler und lag mit seiner Forderung nach Eurobonds in seinem zentralen Kompetenzfeld völlig daneben. Heute wirkt er wie ein doppelt Gewesener: Ein gewesener Lieblingsminister der Großen Koalition und ein gewesener Kanzlerkandidat für einen Sommer. Wie ein isolierter Turm hat er sich auf dem Schachbrett der Macht in die Ecke manövriert.

Auch Frank-Walter Steinmeier ist inzwischen aus dem Kandidaten-Rennen. Ihm haftet das Stigma an, gegen Merkel schon einmal verloren und vor allem ein wirklich katastrophales Ergebnis erzielt zu haben. Was besonders an ihm kleben bleibt, weil die SPD unter Gabriel plötzlich auf Genesungskurs scheint. Die Umfragezahlen und Wahlergebnisse bessern sich, die Partei wirkt wieder formiert.

Dabei hat Gabriel seinen Konkurrenten Steinmeier wie einen Läufer im Schachspiel der Macht eingesetzt. Steinmeier rennt als Fraktionschef mit lauten Zügen gegen die Königin an, aber gerade in dieser Rolle verstetigt sich der Eindruck, dass er sie nie Schachmatt wird setzen können. Die hetzende Läuferrolle macht ihn, den liebenswürdigen Onkelpolitiker, klein und als Wiedergängerkanzlerkandidat unmöglich.

Parteienforscher: „Alle drei SPD-Kandidaten haben Kanzlerkompetenz“

Parteienforscher

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Die SPD strotzt vor Kanzlerkompetenz. Parteienforscher Langguth traut allen drei potenziellen Kandidaten die Aufgabe zu. Im Interview warnt er allerdings vor verfrühter Euphorie und davor, Merkel schon abzuschreiben.

Wowereit wiederum ist in der SPD der klassische Springer. Lebhaft und kantig, zu Überraschungszügen fähig, springt er ein ums andere Mal ums Eck seiner Überzeugungen. Ihm fehlt das Seriöse, seine Chance wäre es gewesen, die verletzte linke Seele der Partei zu trösten, heilen, verkörpern. Genau das aber ist Sigmar Gabriel gelungen. Und zwar so gut, dass er sich inzwischen wie Parteichef und Generalsekretär in einem geriert. Hinter vorgehaltener Hand wetten inzwischen die meisten SPD-Größen, dass sich Gabriel die Kandidatur nicht mehr nehmen lassen wird. Er spielt sich gerade in die Königsrolle seiner Partei.

Gewonnen ist damit für die SPD freilich noch gar nichts. Denn Angela Merkel macht nicht nur in der Schuldenkrise eine gute Figur, sie bleibt bei den Deutschen auch nach Jahren hoch beliebt. Ihr wird schlichtweg vertraut. Gabriel – selbst nicht gerade ein natürlicher Sympathieträger - hat darum klugerweise die Losung ausgegeben, die Kanzlerin der Herzen nicht anzugreifen. Was er aber bislang nicht plausibel machen kann, was dann stattdessen angegriffen wird? Er spricht von den „Zuständen“, die besser und gerechter werden müssten und kopiert damit die Strategie seines französischen Kollegen Hollande, der als Wahlkampfgegner nicht Sarkozy sondern die Banken angreift.

In Deutschland freilich sind weder die Banken noch die Zustände sonderlich schlimm. Das Land boomt, während andernorts die Fundamente wanken. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Gesellschaft werkelt fleißig, vergnügt sich wohlig, die Banken sind gezähmt. Deutschland wird tatsächlich international bewundert. Gegen diese Zustände wird man so wenig Wahlkämpfe gewinnen können wie gegen Angela Merkel.

Kommentare (14)

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Zahlmeister

03.02.2012, 16:27 Uhr

Frau Merkel wird aufatmen und sich freuen.

observer

03.02.2012, 16:48 Uhr

Dank dem Internet wird die >>Vergangenheit << von Herrn Gabriel bekannt werden.

Hinzu kommt, dass Herr Gabriel sich besonders als Königsmörder (Bild- Wulff Affäre) versucht hat. Auf so einer schändlichen Tat ruht kein Heil.

Vertragssumme angeblich höher
VW-Affäre: Neue Details belasten Gabriel
zuletzt aktualisiert: 12.02.2005 - 10:56
München (rpo). Der niedersächsische SPD-Fraktionschef Sigmar Gabriel gerät in der VW-Affäre offenbar stärker unter Druck. Der Beratungsauftrag mit Volkswagen, den Gabriel selbst mit der Konzernführung aushandelte, betrug nach Recherchen des Nachrichtenmagazins "Focus" insgesamt 130 000 Euro.
Er liege damit um fast ein Drittel über den öffentlich bekannt gewordenen 100 000 Euro. Ab dem 1. November 2003 bis Ende 2004 habe VW monatlich rund 10 000 Euro an die Communication, Service, Network (CoNeS) überwiesen. Gabriel hielt von Oktober 2003 bis Ende 2003 75 Prozent des Zweimann-Unternehmens mit Sitz im ostdeutschen Halle. Dann reduzierte er seinen Anteil nach eigenen Angaben auf 25 Prozent. Als Gegenleistung ging Gabriel wiederholt für die Volkswagen AG auf Geschäftsreise.
Ein Gutachten hat der prominente VW-Berater dem Blatt zufolge nicht angefertigt. Eine Sammlung einzelner Papiere und Berichte belege im Konzern die Tätigkeit des Ex-Ministerpräsidenten. Die Rolle Gabriels bei CoNeS war offenbar bedeutender als bislang bekannt, schreibt das Blatt. Er sollte Geschäftsführer einer europaweit agierenden Beratungsfirma sein. "Nach Halle wollten wir Büros in Berlin und in Brüssel eröffnen", berichtete sein damaliger Mitgesellschafter Lutz Lehmann.

Account gelöscht!

03.02.2012, 16:55 Uhr

FALLS dieser scheinheilige Komödiant jemals mehr MAcht bekommen sollte, kann ich jedem der noch etwas Verstand hat, nur zur Auswanderung oder zum Widerstand raten denn mit dieser Knalltüte ist Deutschland komplett verloren. Bei dem steht das Wort "Hinterhältig" bereits gross auf der Stirn.

Ich halte von der jetzigen Verbrecherelite die das Volk nicht vertritt und macht was es will, ebenso nichts und bin der Meinung dass wir längst im Stadiums einer Volksrevolution sein sollten aber naja...mit diesem Typen dreht sich das Rad nach in tausende Verbote, Abzockerei und Zerstörung noch viel schneller in den Abgrund!

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