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14.12.2012

16:04 Uhr

Weimers Woche

Hilfe, Amerika übertreibt!

VonWolfram Weimer

Gerade scheint sich die westliche Schuldenkrise zu beruhigen, da greift die amerikanische Notenbank im Überschwang des Aufschwunghelfers zur ganz großen Geldspritze. Das Billionenmonopoly birgt aber enorme Risiken.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

BerlinBen Bernanke wird in die Geschichte eingehen als der Mann, der das meiste Geld in der Geschichte der Menschheit schuf. In dieser Woche war der Chef der amerikanischen Notenbank wieder am Werk. Er hatte Geburtstag und zur Feier des Tages spendierte er den USA eine neue Billion Dollar.

Seine Federal Reserve hat ihr ohnedies gewaltiges Geldschöpfungsprogramm noch einmal ausgeweitet. Zu den monatlich 40 Milliarden Dollar an Hypotheken-Papieren sollen jetzt auch noch 45 Milliarden Dollar an amerikanischen Staatsanleihen angekauft werden. Bernanke pumpt Geld ins Finanzsystem, um den zähen Aufschwung endlich in Fahrt zu bringen.

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Ein milliardenschweres Programm soll die Konjunktur in Gang bringen.

Dabei hat die Fed schon zwei Billionen künstlich herbei geschafft für das überschuldete Amerika. Ihre gewaltigen Geldspritzen sind als “QE” (Quantitative Easing) in die Finanzgeschichte eingegangen und haben die Bilanzsumme der Notenbank sprunghaft steigen lassen.

Die jetzigen Beschlüsse bedeuten, dass das Buch der Fed um monatlich weitere 85 Milliarden Dollar wächst. Macht eine knappe Billion bis zum nächsten Geburtstag von Bernanke. Amerikas Zentralbanker interessieren sich immer weniger für die Geldwertstabilität, aber immer mehr für den Aufschwung – sie sind eifrige Wachstumsmechaniker geworden.

Bernanke lässt sogar verkünden, dass seine Geldflutpolitik so lange weiter laufen wird, bis die Arbeitslosigkeit unter 6,5 Prozent angelangt ist. Solche Planvorgaben kannte man bislang nur aus sozialistischen Ordnungen.

Kommentare (19)

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Account gelöscht!

14.12.2012, 16:42 Uhr

Herr Weimar drückt es sehr vorsichtig aus aber, das, was die Amis da machen, ist Wahnsinn. Den Wertmaßstab zu manipulieren/Kredit(geld)verschlechterung, mag kurzfristig Zeit kaufen, um nicht mehr zeitgemäße Produktion und daran hängende Arbeitsplätze am Leben zu erhalten oder als Strohfeuer auch zeitweise neu zu schaffen. Langfristig mindert sie aber genau den Anreiz, notwendige Transformationen hin zu einer wirklich zeitgemäßen Produktion auch vorzunehmen und entwertet stattdessen bestehende Realwerte immer weiter. Mit billigem Geld schafft man keinen Wohlstand sondern vernichtet ihn.

Bernankes (Selbst-)Täuschungsmanöver wird neben den realwirtschaftlichen Verzerrungen und daraus folgenden Kapitalfehlallokationen und Kapitalvernichtung vor allem dazu führen, dass Geld als Wertspeicher immer weniger geeignet ist und die Flucht in Sachwerte (Aktien, Rohstoffe, Immobilien, ...) als Wertspeicher weiter zunehmen wird -mit allen negativen Folgen gerade für den kleinen Mann, der da nicht mithalten kann. Für eine kurzfristige Erleichterung ruiniert man so ganze Volkswirtschaften.

Der Dollar ist keine Leitwährung mehr sondern sein zunehmender Falschgeldcharakter wird immer mehr zum Symbol des Ende des amerikanischen Traums und Jahrhunderts!

Lungomolch

14.12.2012, 16:44 Uhr

Irgendwann muss das viele Geld wieder abgeschöpft werden. Vermutlich wird das dann so laufen:

Die Konjunktur ist angesprungen, die Arbeitslosigkeit geht zurück UND die Inflation steigt. Die Politiker sagen dann zur Notenbank: "Wenn ihr jetzt die Zinsen erhöht, zerstört ihr das zarte Pflänzchen des Wirtschaftsaufschwungs".

Diesen Schuh wollen sich die Notenbanker nicht anziehen, folglich werden sie die Zinsen niedrig lassen.

Schwupp - und die nächste Blase ist da.

Account gelöscht!

14.12.2012, 16:45 Uhr

"Gerade scheint sich die westliche Schuldenkrise zu beruhigen...."

Betonung liegt auf "scheint"

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