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01.06.2012

14:17 Uhr

Weimers Woche

Hohe Zinsen im Süden? Na und!

VonWolfram Weimer

Italien und Spanien müssen steigende Zinsen für Staatsanleihen zahlen. Bei der Auktion wird der Renditeaufschlag zu Bundesanleihen kommentiert. Dabei sind Zinsaufschläge nicht nur normal, sondern hilfreich und heilsam.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Sie werden kommentiert wie Pegelstände von Tsunami-Wellen: Vier, fünf, sechs Prozent Renditen für südeuropäische Zehnjahresanleihen. Und jedesmal, wenn die Sätze wieder einen Zehntelpunkt steigen, dann heißt es im panischen Tonfall, nun ertränken ganze Volkswirtschaften. Tun sie aber nicht. Die steigenden Zinsen für spanische und italienische Staatsanleihen sind in Wahrheit eine Rückkehr zur Normalität und Transparenz in Europa.

Jahrzehntelang war es in Europa völlig normal, dass unsolidere Staaten höhere Kreditzinsen zu zahlen haben als solidere. So wie zuverlässige Privatpersonen und Firmen eben seit Menschengedenken auch niedrige Risikoaufschläge zu tragen haben als unsichere Kantonisten. Das Wehklagen über die Rückkehr zur Zinsnormalität ist also Fehl am Platz. Spanien und Italien haben viele Jahre sogar noch deutlich höhere Zinsen zu schultern gehabt als heute.

Vielmehr war die Einführungsphase des Euro eine Ausnahmesituation, als sich alle Zinssätze für einige Jahre auf deutschem Niveau niedrig anglichen. Wie ein Geschenk der Deutschen wirkten die geborgte Solidität und Niedrigzinsen auf Südeuropa. Von Athen bis Lissabon hätten die Staaten diese goldene Kreditphase nutzen können und die billigen Milliarden in die Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit stecken können. Sie hätten neue Industriesektoren aufbauen können, sie hätten Eliteunis und Forschungszentren schaffen können, sie hätten geschickt investieren können. Haben sie aber nicht.

Anders als Korea oder China oder Chile oder Brasilien oder Indien hat Europas Süden das vergangene Jahrzehnt verspielt und lieber konsumiert als investiert, sich lieber ausgestreckt als angestrengt. Nun sind die Zinsmilliarden verfrühstückt, und die Welt mag Südeuropa einfach keine Niedrigzinsen mehr gönnen, weil man – altmodisch gesprochen - an ihrer Tüchtigkeit zweifelt. Denn anders als Deutschland, dass sich mit seiner Agenda 2010 reformiert und nach vorne gequält hat, sind in Südeuropa die großen Modernisierungsreformen ausgeblieben.

Kommentare (15)

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Becker

01.06.2012, 14:25 Uhr

Grundsätzlich hat der Kommentar ja Recht, aber er blendet aus, dass die hohen Zinsen in den Jahren vor der Einführung des €uro durch Inflation in den Schuldnerländer relativiert wurde.
6-8% Zinen in €uro mit 2% Inflation sind etwas anderes als 6-8% Zinsen in Lira mit 5% Inflation!

Unternehmensberater

01.06.2012, 14:29 Uhr

genau so ist es. Hohe Zinsen in Südeuropa sind überhaupt kein Grund zur Panik.

Bunkerschulte

01.06.2012, 15:01 Uhr

Aber nur, wenn man sich nicht im Ausland bzw. in Fremdwährung verschuldet!

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