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24.05.2013

09:51 Uhr

Weimers Woche

Ins linke Knie geschossen

VonWolfram Weimer

Die Grünen fallen in den Umfragen immer weiter zurück. Die strittigen Steuerpläne und die quälende Kinderschänderdebatte belasten die Partei vordergründig. Das eigentliche Problem sitzt aber viel tiefer.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Es ist genau zwei Jahre her, da erreichten die Grünen in den Umfragen 25, 26, 27 Prozent bei der Sonntagsfrage. Deutschland floh panikartig aus der Atomkraft, Kretschmann wurde im tief bürgerlichen Baden-Württemberg Ministerpräsident und die ganze Republik wähnte eine grüne Volkspartei am Horizont. Der Zeitgeist war öko-bio-green-nachhaltig von der Tomate bis zum Mercedes-Diesel.

Heute hat sich die Zustimmung für die Grünen glattweg halbiert. Von Monat zu Monat fallen die Umfragewerte. Glaubt man den Meinungsforschern, dann „erodiert“ die Zuneigung der Bevölkerung derzeit „sachpolitisch und emotional“. Das klingt nicht gut, und erste Grüne finden selber, dass man zusehends „FDPisiert“.

Die schleichende Schwächung der Grünen hat nur vordergründig damit zu tun, dass sich die Partei mit ihrer einseitigen Festlegung auf eine rot-grüne Regierungsoption in eine machtpolitische Sackgasse begibt. Der Treuebund mit einer schwächelnden SPD und einem chancenlosen Kanzlerkandidaten entzieht der Partei zwar den Wechselreiz, erklärt aber nicht diesen Abwärtstrend. Auch die aktuelle Kindermissbrauchsdebatte, die Leitfiguren der Partei von Daniel Cohn-Bendit bis Volker Beck schwer beschädigt, sorgt für Entfremdungen und emotionale Distanzierung.

Der eigentliche Grund für das Dahinwelken ist freilich anderer, nämlich strategischer Natur. Die Grünen haben die meisten ihrer Anliegen politisch erreicht. Deutschland ist heute umfassend ökologisiert – lebenspraktisch wie mental ist die Bionade-Republik mit flächendeckenden Windrädern, Gender- und Migrationsbeauftragten, Dosenpfandregeln und Konzerngeschäftsberichten auf Recycling-Papier Wirklichkeit geworden.

Der Ausstieg aus der Atomkraft wirkt wie der Schlusspunkt dieses politischen Rundum-Ergrünens. Die Kehrseite diese Entwicklung ist freilich, dass man die Grünen – nun da alle grün geworden sind - nicht mehr braucht. Sie haben sich gewissermaßen zu Tode gesiegt.

Kommentare (30)

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nomerkelsteinbrueck

24.05.2013, 10:10 Uhr

Mensch, Herr Weimer, da haben Sie aber den Nagel auf den Kopf getroffen. Nur eine Ergänzung: Am Ende sollte die Verschmelzung dieser Grünen-Partei mit der SED- Nachfolgeorganisation, der Linken, stehen.

Account gelöscht!

24.05.2013, 10:26 Uhr

Kindertouchen geht in D garnicht.... jahrelang habn die grünen die Emotionen der D manipuliert und ausgenutz und nun trifft es sie selber mal. ich find es gut.

Micha

24.05.2013, 10:33 Uhr

Die Grünen zeigen ihren wahren Kern: Kommunisten im Tarnanzug des Naturschutzes! UNWÄHLBAR!

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