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04.11.2011

18:42 Uhr

Weimers Woche

Klingonen in der CSU

VonWolfram Weimer

Ex-Captain zu Guttenberg, Vulkanierin Haderthauer und Ilse Aigner – alle hat Markus Söder, der Klingone der CSU, besiegt. Sein Aufstieg verrät einiges über die Lage und Zukunft der Partei.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Markus Söder wird in der CSU zuweilen „Klingone“ gerufen. Das ist teils bewundernd, teils abwertend gemeint. Im Star-Trek-Epos sind die Klingonen ein kriegerisches, stolzes Volk, immer kampfbereit und auch nach schweren Verletzungen noch einsatzfähig. Schließlich haben sie alle wichtigen Organe doppelt. Der Klingone Söder hat vor allem ein Organ zweifach: den Machtwillen.

Nun hat dieses Organ wieder triumphiert. Söder wird neuer Finanzminister Bayerns, weil der bisherige Amtsinhaber, Georg Fahrenschon, Sparkassen-Präsident werden will. Der Karriereschritt des Klingonen wäre nicht weiter spannend, wenn ihm nicht ein erbitterter Machtkampf vorausgegangen wäre. Sein Ausgang verrät einiges über Lage und Zukunft der CSU.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer ist in seiner Position schwächer als er scheint. Die Partei erträgt ihn mehr, als dass sie ihn liebt. Nach dem Stoiber-Beckstein-Huber-Erbfolge-Trauma kommt er ihnen vor wie der launige Stationsarzt, der allerlei Medikamente ausprobiert. Sie vertrauen ihm nur, weil sie noch keinen besseren Heiler kennen. Das könnte sich bald ändern.

Seehofer hat eigentlich die Sozialministerin Christine Haderthauer zur Finanzministerin befördern wollen - die kopfgesteuerte Vulkanierin der CSU, eine Art weiblicher Mr. Spock. Bereits seit einiger Zeit baut Seehofer mit ihr in München und Ilse Aigner in Berlin an einer weiblichen Doppelstütze seiner eigenen Architektur der Macht. Vor einem Jahr schon sah er sich durch Markus Söder einerseits und Theodor zu Guttenberg (der zeitweilige Captain Kirk der CSU) andererseits in seiner Position reichlich bedroht. Die beiden Frauen sollten seine Gegenfiguren werden. Doch daraus wird nun nichts.

Aus den Kabalen der CSU geht Markus Söder als großer Sieger hervor. Guttenberg hat sich selbst um seine Karriere gebracht, Haderthauer ist parteiintern gegen Söder unterlegen, und der Ministerpräsident steht düpiert da. Um seine Position im Kabinett wenigstens abzusichern, macht er einen besonders Getreuen, den Staatskanzleichef Marcel Huber, zum neuen Umweltminister. Der Klingone Söder soll - wenn sein Aufstieg schon nicht zu verhindern ist - wenigstens durch eine Art Seehofer-Föderation eingehegt werden.

Damit ist Markus Söder schlagartig der wichtigste Aspirant für die Seehofer-Nachfolge geworden. Er hat demonstriert, dass an ihm in der CSU kein Weg vorbei führt, dass er eine verzweigte Machtbasis von Getreuen hat, dass eine Mehrheit der Fraktion ihm folgt - und dass Seehofers Macht Grenzen hat. Ab sofort wird der bayerische Ministerpräsident einen Finanzminster als Rivalen zu spüren bekommen.

Das Comeback von Söder ist bemerkenswert, denn nach dem Debakel der Landtagswahl 2008 schien auch er politisch am Ende. Der wadlbeißende Generalsekretär galt als Zögling Edmund Stoibers  - abgeschrieben. Und selbst als er noch ein scheinbares Gnadenbrot als Umweltminister erhielt, stand er medial tief im Schatten zu Guttenbergs sowie der neuen CSU-Lichtgestalten Hadertauer und Aigner. Nun hat er sie alle besiegt - er ist eben ein Klingone.

Kommentare (2)

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Ursulahick

05.11.2011, 19:28 Uhr

Teifi! Was da in der CSU abgeht,ist reif für die Bühne eines bayrischen Bauerntheaters.

Account gelöscht!

09.11.2011, 19:21 Uhr

Schade ist, dass man Ihrer Meinung nach einen »Außerirdischen« benötigt, um in der CSU an die Macht zu kommen – hätte es nicht auch ein ganz »normaler« Bayer getan?

Gut für die CSU sind/wären Menschen mit Ideen und Tatkraft, der reine »Machtwille« führt doch zu nichts – außer vielleicht an die Macht. Und wie sinnlos diese Macht verstreichen kann, das bekommen wir ja in Berlin und Europa schon zur Genüge vorgeführt.

Außerdem: Das Kasperletheater um zu Guttenberg ist Schnee von vorgestern, darüber kräht heute ja kein Hahn mehr.

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