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13.04.2012

13:48 Uhr

Weimers Woche

Koran und Kulturkampf

VonWolfram Weimer

Die Salafisten verteilen Millionen Korane in deutschen Fußgängerzonen. Dagegen ist in einem freien Land nichts zu sagen. Wohl aber gegen die Absichten der Islamisten – sie missbrauchen die Freiheit, um sie abzuschaffen.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Natürlich darf man weder in Riad noch in Mekka Bibeln verteilen. Man würde sofort verhaftet. Tausende von Christen sitzen wegen ihres Glaubens bereits in muslimischen Kerkern. Immer mehr werden wegen ihres Glauben umgebracht, die aktuellen Berichte der Organisation „Kirche in Not“ sind ebenso bedrückend wie alarmierend. Die Christenverfolgungen im arabischen Raum nehmen an Zahl und Brutalität dramatisch zu. Der saudi-arabische Großmufti (einer der obersten islamischen Rechtsgelehrte), Scheich Abdulasis bin Abdullah, hat nun angekündigt, dass alle christlichen Kirchen der Region dem Erdboden gleich zu machen seien: Auf der arabischen Halbinsel dürfe es nur den Islam geben. Es sind vor allem radikale Salafisten, die aus dieser Haltung heraus den Glaubenskrieg gegen den Westen führen wollen, wo immer es geht.

Nun haben sie sich Deutschland als neues Schlachtfeld auserkoren. Mit ihrer millionfachen Koranverteilaktion - just an Ostern gestartet, um christliche Gefühle gezielt zu verletzen - eröffnen sie hierzulande den offenen Kulturkampf. Ihnen geht es nicht um Gottessuche oder Missionierung – es geht um eine politische Machtdemonstration. Sie wollen den öffentlichen Raum definieren – und zwar nach ihren Diskursregeln. Darum greifen sie Journalisten, die recherchieren und die Aktion kritisch hinterfragen, mit den Einschüchterungsmethoden der Mafia an. Das Gegenteil einer friedlichen religiösen Botschaft geht von dieser Salafistenaktion aus: Feixend nutzen sie die Meinungs- und Religionsfreiheit, um die Freiheit des Westens zu bekämpfen. Nach einer eindringlichen Warnung des Verfassungsschutzes sind „fast ausnahmslos alle Personen“, die den gewaltsamen Dschihad befürworten, durch den Salafismus geprägt. Hier sei der Nährboden für islamistischen Terrorismus.

Die Salafisten beherrschen die Angstmacherei wie Schlägertrupps, und die Methode hat Erfolg. Seit der Morddrohung für Salman Rushdie und der Ermordung Theo van Goghs wagt kaum noch ein Schriftsteller offene Worte gegen den Islam. Karikaturisten und Kabarettisten haben mit satirischer Kritik aufgehört, seit dänische Zeichnungen einen Sturm islamistischer Gewalt ausgelöst haben. Inzwischen berichten sogar Schullehrer und Universitätsdozenten von systematischen Einschüchterungen durch islamische Vereine, wenn in irgendeiner Disziplin vermeintliche Glaubensfragen tangiert werden.

Der Westen hat gegen diesen Kulturimperialismus des Islam noch keine rechte Abwehrstrategie. Bislang üben wir im großen Kulturkampf vor allem kleines Zurückweichen. Real Madrid tilgt dieser Tage sein Kreuz aus dem Fußballvereinswappen. In Athen wird mit europäischen Retttunggeldern eine umstrittene Moschee gebaut. Dafür hängt man in ganz Europa Kruzifixe im öffentlichen Raum ab. Nikolaus-, Weihnachts- und Osterfeiern verbannt man bereits aus ersten Kindergärten. Alles, was die religiösen Gefühle von Muslimen verletzen könnte, wird unterlassen wie bei einem geprügelten Kind, das die nächsten Schläge des gewalttätigen Nachbarn fürchtet.

Wir arrangieren uns so mit einen asymmetrischen „Dialog der Kulturen“, bei dem wir zusehends schweigen, zurück- und hinnehmen, wo die hasspredigenden Salafisten fordern und austeilen. Sie wollen den öffentlichen Raum nur frei sehen, solange ihnen das nutzt. Ansonsten wird er systematisch mit Denk-, Rede- und Kulturverboten belegt, bis irgendwann das Weihnachtslied im Kaufhaus als üble Provokation für den Propheten interpretiert werden kann. Von Hasspredigten bis Zwangsheiraten und Ehrenmorden schleicht sich das Totalitäre in unsere Gesellschaft. Man muss nicht gleich der Übertreibung Oriana Fallacis („Europa ist nicht mehr Europa. Es ist Eurabien, eine Kolonie des Islam.“) oder der Leidenschaft Alice Schwarzers („Das Kopftuch ist die Flagge des islamischen Kreuzzuges. Diese islamistischen Kreuzzügler sind die Faschisten des 21. Jahrhunderts.“) folgen, um doch zu erkennen, dass uns der Kulturkampf aufgezwungen wird. Wir sollten Widerstand leisten. Nicht mit Verboten für Schriften. Aber mit Verboten für Salafisten zum Beispiel.

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