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07.12.2012

09:15 Uhr

Weimers Woche

Kubanische Krönungsmesse vs. italienische Oper

VonWolfram Weimer

Binnen weniger Tage krönen die Volksparteien ihre Kanzlerkandidaten. Während Angela Merkel ihre CDU in kubanischer Manier hinter sich bringt, schiebt Peer Steinbrück seine SPD in einen italienischen Modus der Operette.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

BerlinHorst Seehofer ist ein Schelm. Als er Angela Merkels andächtige Krönungszeromie auf dem Parteitag in Hannover verfolgte und ihr Wahlergebnis von 97,9 Prozent teils bewundernd teils wundernd als “kubanische Verhältnisse” lobte, da wurde auch allen Nicht-Spitzbuben klar, dass er eine wichtige Grundstruktur für das Wahljahr der Union benannt hatte. Die Union ist 2013 ein Kanzlerinnenwahlverein. Kaum je zuvor – eigentlich nur in den Ruhmzeiten Adenauers und Kohls – empfand sich die CDU/CSU so eins mit ihrer Spitzenfigur wie derzeit.

Generalissima Merkel ist nicht nur beliebt wie kaum zuvor, sie hat auch ihre Partei im Griff wie nie. Intellektuelle leiden zwar am parteilichen Tiefkühlfach der Ideen, Wirtschaftsliberale und Deutschnationale fühlen sich wie störende Antiquitäten in einer coolen Machterhaltungslounge, Politologen mögen über die präsidial-demoskopische Führungstechnik näseln, Konservative leiden an der Selbstsozialdemokratisierung wie am Stimmungs-Opportunismus der eigenen Partei und mutlos gewordene Männer beklagen eine Amazonenrevolution.

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Am Ende aber erkennen sie alle in Angela Merkel die Eurokrisenbewältigerin und Garantin des bürgerlichen Machterhalts. Keiner widerspricht mehr öffentlich, sie entwickelt sich mit all ihrer preußischen Spröde sogar zur Kultfigur, sie wirkt tatsächlich alternativlos in der CDU. Insofern ist das zweischneidige Wort von den kubanischen Verhältnissen so falsch nicht. In der SPD ist die Lage genau umgekehrt.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

07.12.2012, 10:44 Uhr

"Kubanische Krönungsmesse vs. italienische Oper" ... hahaha.

Gut gewitzelt Herr Weimer. Warum schreiben Sie nicht Artikel bei nickelodeon.de ?

Account gelöscht!

08.12.2012, 12:01 Uhr

Kubanische Krönungsmesse
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Nein, Herr Weimer, das ist falsch
Das was auf dem CDU-Parteitag ablief, war Volkskammer pur.
Auf Sicht gesehen, wird sich das allerdings für die CDU bitter rächen, denn die CDU gibt es nicht mehr.
Frau Merkel ist ja mit ihrer Partei in keinster Weise verwurzelt, sie will nur Macht und sonst gar nichts.
Die CDU besteht ja z. Zt. nur noh aus stromlinienförmigen Männern und machthungrigen Emanzen.
Männer mit Ecken und Kanten sind ja in der CDU nicht mehr vorhanden.
Und eien völlig verweiblichte Partei mit Überemanzen kann auf Dauer auch keinen Bestand haben
Beides kann auf Dauer nicht funktionieren.
Unsere beiden ehemaligen Volksparteien, CDU und SPD stehen irgendwie vor einer Wende, sie haben irhe Wurzeln verloren.
Die CDU nennt es immer Modernisierung, aber das stimmt nicht.
Modernisierung kann ja nicht heißen, dass man alles Gute und Bewährte über Bord wirft. Aber genau das geschieht bei der CDU gerade.
Ich werfe mein sündhaft teures Kaffeegeschirr, was vor 20 Jahren modern war auch nicht einfach weg, und hole mir ein neues.
Vielleicht hole ich mir zusätzlich ein neues, aber ich bewahre das alte auf und benutze es auch noch
Entweder die CDU besinnt sich wieder, oder sie wird sich aufteilen und es gibt sie dann letztendlich nicht mehr
Und eine Sozialdemokratisierung, wie immer gesagt wird, vollzieht Merkel nicht mit der CDU, sondern Merkel hat die CDU zu einer absolut sozialistishen Partei im Sinne einer neuen SED gemacht
Wir haben diese Vrhältnisse seit der Wende, ich würde heute mal sagen, die DDR wurde nicht demokratisiert, sondern der Westen bekam den Sozialismus übergestülpt
Ich erwarte von Ihnen, Herr Weimer, ein wenig mehr Nachdenken

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