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02.08.2013

10:51 Uhr

Weimers Woche

Linke Lockerungsübungen

VonWolfram Weimer

Für eine rot-grüne Mehrheit wird es bei der Bundestagswahl nicht reichen. Das erkennen auch die Herausforderer von Kanzlerin Merkel. Und schon mehren sich die Stimmen, die das große Linksbündnis fordern.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Bislang war der Wahlkampf so spannend wie ein Freundschaftsspiel zwischen Bayern München und der Amateurmannschaft des FV Illertissen. Die Verhältnisse schienen klar: Merkel bleibt Kanzlerin, und Steinbrück wird bestenfalls in Phantasialand einmal Kanzler. So klar, dass man in den Sommerwochen gar den Eindruck gewann, es gäbe gar keinen Wahlkampf mehr. Während Politologen noch die „asymmetrischen Demobilisierung” und eine „systematische De-Eskalation” der Kanzlerin diagnostizierten, stellte das normale Publikum bloß den langweiligsten Wahlkampf aller Zeiten fest. Doch nun rührt sich was.

Aus der einigermaßen verzweifelten SPD wird eine letzte Rakete gezündet – ihre Farben sind rot-rot-grün. Die Sprecherin des linken Parteiflügels verkündet plötzlich, dass man ein rot-rot-grünes Bündnis nicht mehr ausschließen dürfe. „Wir werden das in unserer Partei diskutieren vor dem Ergebnis am 22. September”, kündigt Hilde Mattheis an und öffnet damit das Fenster linker Sehnsüchte. Denn Matthies ist nicht irgendeine Hinterbänklerin, sie ist seit 2005 Mitglied im SPD-Bundesvorstand und stellvertretende Landesvorsitzende der SPD-Baden-Württemberg. Als Leitfigur der linken SPD-Strömung wirbt sie nun für eine „größere Offenheit meiner Partei für diese Option”. Und sie warnt vor einer Neuauflage der Großen Koalition.

Diese würde die SPD zermürben und viele Parteimitglieder „sich weiter distanzieren” lassen. Kurzum: Sie will lieber mit Gysi als mit Merkel regieren. Damit widerspricht sie zwar der offiziellen Position des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, der eine Koalition mit den Linken kategorisch ausschließt. Zugleich spricht sie aber aus, was viele SPD-Linke denken und nun auch öffentlich machen: Deutschland sei reif für das große Linksbündnis, denn nur so werde man Mindestlohn, Mindestrente, Steuererhöhungen, Einheitsversicherung und Eurobonds einführen können.

Machtoptionen der Opposition: „Es wird Gespräche über Rot-Rot-Grün geben“

Machtoptionen der Opposition

exklusiv„Es wird Gespräche über Rot-Rot-Grün geben“

Die SPD-Spitze lehnt ein Bündnis unter Einbeziehung der Linkspartei nach der Bundestagswahl strikt ab. Der linke Parteiflügel hält diese Vorfestlegung für falsch und liefert damit eine Steilvorlage für die Linke.

Frau Mattheis hat mit ihrem Vorstoß das linke Milieu in Deutschland elektrisiert. Während Steinbrück grummelt, überbieten sich die Freunde des Sozialismus in Vorfreude. Die Parteiführung der Linken bereitet sich schon auf „ernste Verhandlungen “ vor. „Wenn es eine Mehrheit diesseits der Union gibt, dann wird es Gespräche über Rot-rot-grün geben. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und werden ernsthaft verhandeln.”

Der Parteivize Axel Troost ließ in dieser Woche wissen, das die offizielle Abgrenzung auf breiter SPD-Front bröckele: „Wenn die Kameras aus sind, hört man von SPD und Grünen ganz andere Dinge”. Auch Gregor Gysi und Bernd Riexinger lassen offiziell verbreiten, dass man für Verhandlungen offen sei. Die Abgrenzung Steinbrücks sei ohnedies lächerlich gewesen.

Kommentare (19)

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02.08.2013, 10:59 Uhr

Merkel muß weg. Sinkende Löhne der Bürger, bei steigenden Vermögen der Reichen - dies schreit nach einer Korrektur.
Und ob das nun Euros oder DM sind, die die arbeitenden Menschen bekommen ist sch... egal.

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02.08.2013, 11:18 Uhr

@Fredi
Was denkst Du - warum sind die ganzen Ostblockstaaten untergegangen? (ernsthafte und nicht bösartige Frage)

Account gelöscht!

02.08.2013, 11:21 Uhr

Wenn der Ruf der Macht lockt, wird auch ein Peer Steinbrück umkippen und die SPD mit den Grünen und den Linken gemeinsam regieren.

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