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14.09.2012

12:45 Uhr

Weimers Woche

Merkels neue Partner

VonWolfram Weimer

Grüne und SPD suchen mit zunehmender Nervosität Wahlprogramme und Spitzenpersonal. Doch alles wirkt irgendwie alt. Ein Jahr vor der Bundestagswahl scheint es, als bliebe Angela Merkel noch lange Kanzlerin. Nur – mit wem?

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Der Countdown beginnt. Genau ein Jahr ist es noch bis zur Bundestagswahl, und das politische Berlin sortiert sich. Und doch wirkt die Opposition angesichts schlechter Umfragen so kampfeswillig wie ein Schäfchen in der Stierkampfarena. Die hochbeliebte Kanzlerin scheint derzeit nicht nur unschlagbar. Vor allem fehlt Grünen und Sozialdemokraten dass, wie sie in früheren Jahrzehnten immer wieder attraktiv gemacht hat – die Avantgarde-Verheißung. Linke Politiker konnten einst für sich beanspruchen, zukunftsorientierter, moderner, manchmal auch cooler zu sein als die Bürgerlich-konservativen, die naturgemäß mehr am Gestern hingen.

Doch genau dieser strategische Vorteil ist ihnen abhanden gekommen. Noch nie wirkte das rot-grüne Lager so unmodern und ältlich wie heute. Personell wie inhaltlich. Das Führungspersonal der Grünen – einstmals eine explizit junge Partei mit wilden Gestalten und frechen Ideen – sieht im Reigen von Trittin über Künast bis Roth heute aus wie ergraute Kaffeefahrertruppe von gemütlichen Alt-Achtundsechzigern, die nur noch an der Heizdecke gegen ihr Bedeutungsverlustrheuma interessiert ist. Wo ist das neue Gesicht? Die neue Generation? Der Furor eines Veränderungswillen? Die Faszination neuer Ideen?

Merkwürdig bleiern wirkt aber auch die SPD-Szenerie. Das Programm “Deutschland 2020” mit der Ankündigung eines massiven Staatsausbaus könnte aus dem Jahr 1972 stammen. Es gibt darin keinen Funken ideelen Feuers, keine Leitidee jenseits bürokratischer Umverteilung, jenseits uraltmodischer Steuererhöhungen.

Auch die drei Kandidatenkandidaten sind alte, überbewährte Fahrensleute, verdient und respektiert, aber ohne die Fähigkeit eines Willy Brandts, Helmut Schmidts, Gerhard Schröders oder Joschka Fischers, zu begeistern oder ein Wahlvolk in Wallung zu bringen. Sie schlurfen wie betagte Ex-Fußballer umher, die vom Fußball nur noch reden. Der unseriöse Sigmar Gabriel hat dabei die Rolle des Lothar Matthäus der deutschen Politik. Der liebenswürdige Frank-Walter Steinmeier kommt als Uwe Seeler des Politischen daher. Und Peer Steinbrück wirkt wegen seiner skurrilen Züge wie ein Mischung aus Hans Meier und Werner Lorant. So wundert es nicht, dass die Demoskopen eine SPD-Kanzlerschaft im kommenden Jahr für in etwa so wahrscheinlich halten wie eine Fußballmeisterschaft des FC Augsburg.

Kommentare (9)

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Kapturak

14.09.2012, 13:18 Uhr


Mit wem Frau Merkel Kanzlerin bleibt, ist doch völlig egal. Ob einer der drei Eunuchen Vizekanzler wird oder ein Trittin, spielt inhaltlich überhaupt keine Rolle. Es ist auch egal, ob Merkel oder ein anderer Darsteller Kanzler wird. Denn in den wesentlichen Fragen sind sich die Euro-Einheitsparteien ja ohnehin einig. Die zukünftige Altersarmut der deutschen Bevölkerung, steigende Massenarbeitslosigkeit in Südeuropa, Demokratieabbau zugunsten eines intransparenten Zentralismuns ("Mehr Europa") sind den Einheitsparteien gleichgültig. Einig sind sich CDU,SPD, Grüne und FDP darin, dass unfähige Regierungen und die angeschlossenen Banken "gerettet" werden müssen. Die FDP wurde hier nur noch der Vollständigkeit halber erwähnt, da sie ja noch bis zur nächsten Bundestagswahl im Bundestag vertreten ist.

wendenn

14.09.2012, 13:22 Uhr

Merkelkratie... so habe ich mir immer die Demokratie gewünscht: unfähige Regierung, unfähige Opposition. Da hat man echt die Qual der Wahl.

Account gelöscht!

14.09.2012, 13:43 Uhr

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