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11.01.2013

14:20 Uhr

Weimers Woche

Privatisiert den Flughafen in Berlin!

VonWolfram Weimer

Das Desaster um den Flughafenbau schadet nicht nur Berlin und seinen Politikern. Das Ansehen Deutschlands, seine Ingenieurskunst und Zuverlässigkeit bekommen international Kratzer. Es wird Zeit für die private Vernunft.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Berlin„Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu eröffnen“, witzeln die Berliner inzwischen in Anspielung auf DDR-Parteichef Walter Ulbricht und dessen Lügen zum Mauerbau. Unter den Hauptstädtern hat ihr „ProblemBER“ inzwischen sogar den „ProblemPeer“ der SPD als Spottobjekt überholt. „Ich versteh nur Flughafen!“ wird zum geflügelten Wort für Chaos an sich. Doch während die einen noch Witze machen, ist den meisten das Lachen längst vergangen.

Der neue Großflughafen ist ein Desaster – baulich, wirtschaftlich, politisch. Immer wenn man auf den Gedanken kommt, nun gehe es nicht mehr schlimmer, schafft Berlin noch eine Groteske mehr. Dass Klaus Wowereit vor dem Hintergrund dieses milliardenschweren Schadens nicht zurücktritt, spottet allem, was an Restbeständen von preußischem Ehrgefühl in Berlin noch verhandeln sein müsste.

Die systematische Inkompetenz, mit der die Berliner dieses nationale Großprojekt versemmeln, trübt inzwischen das Ansehen Deutschlands und seiner Kernkompetenzen: Zuverlässigkeit, Ingenieurskunst und planerische Intelligenz. Der Schaden, der damit angerichtet wird, geht über die sumpfig-glucksenden Gestade der Spree weit hinaus. Der Telegraph in London lästert: „Ein Projekt, das sich zur Peinlichkeit für ein Land gewandelt hat, das sich sonst für seine Effizienz und Pünktlichkeit schmückt“.

Die „New York Times” befindet: „Dieser Flughafen untergräbt Deutschlands Ansehen”. Die britische „Financial Times“ meint: „Deutschlands Hauptstadt hat ihr Image als chaotischste und un-germanischste Stadt im Land weiter aufpoliert”. „Libération“ in Paris bilanziert: „Deutschlands Schiffbruch“ und der „Economist“ ohrfeigt: „So viel dazu, dass die fleißigen Deutschen alles pünktlich hinkriegen.“

Es wird höchste Zeit, dass die Bundesregierung in diesem masochistischen Kabarett eingreift und für einen Neuanfang sorgt. Und zwar einen privaten. Denn vieles von den Pannen beim Flughafen hat seinen Grund in der Verstaatlichung und Politisierung eines Projekts, bei dem keiner weiß, was eigentlich los ist und bei dem es nie wirklich Verantwortliche gibt, denn alles ist irgendwie politisch und wird am Ende vom Steuerzahler bezahlt. Wenn Politiker anstatt Profis am Werke sind, dann wird nicht nach wirtschaftlicher oder technischer Vernunft gebaut, sondern nach inszenatorischer Lust und machtorientierten Seilschaftsinteressen.

Die Kontrolleure der Flughafen-Gesellschaft

Michael Müller

Als Regierender Bürgermeister von Berlin der Vorsitzende des Aufsichtsrats und Vertreter des Landes Berlin im Kontrollgremium.

Engelbert Lütke Daldrup

Engelbert Lütke Daldrup ist ein deutscher Stadtplaner. Im Senat Müller II bekleidet er beim Regierenden Bürgermeister das Amt eines Staatssekretärs für die Flughafenkoordination und für Strategien für Berlin.

Dirk Behrendt

Behrendt ist seit dem 8. Dezember 2016 Justizsenator des Landes Berlin und war von 2006 bis 2016 Mitglied des Abgeordnetenhauses in der Hauptstadt.

Klaus Lederer

Klaus Lederer ist seit dem 8. Dezember 2016 Bürgermeister und Kultursenator von Berlin.

Rainer Bretschneider

Er ist seit Januar 2013 als Staatssekretär Flughafenkoordinator in der Brandenburger Staatskanzlei.

Daniela Trochowski

Sie ist seit 2009 Staatssekretärin im Ministerium der Finanzen des Landes Brandenburg.

Wolfgang Krüger

Krüger ist Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in Cottbus.

Kerstin Jöntgen

Kerstin Jöntgen ist ab Juli im Vorstand der Investitionsbank des Landes Brandenburg.

Rainer Bomba

Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr-, Bau- und Stadtentwicklung und Vertreter der Bundesrepublik im Aufsichtsrat. Mitglied seit dem 26. März 2010, Beruf: Maschinenbau-Ingenieur.

Werner Gatzer

Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und Vertreter der Bundesrepublik im Aufsichtsrat. Mitglied seit dem 11. März 2011, Beruf: Jurist.

Arbeitnehmervertreter

Als Vertreter der Arbeitnehmer sitzen unter anderem Holger Rößler, Peter Lindner, Claudia Heinrich und Sven Munsonius im Aufsichtsrat.

Letztlich ist dieser Nicht-Flughafen ein Fanal für staatssozialistischen Größenwahn. Die ordnungspolitische Dimension dieses Themas gehört auf die Tagesordnung, sonst kommt die Politik noch auf die Idee, Tegel zu schließen und Berlin aus klimapolitischen Gründen zur ersten flughafenfreien Hauptstadt der Welt zu erklären.

Privatunternehmen sollten endlich den Flughafen zu einem Flughafen werden lassen. Der Fraport-Konzern zum Beispiel zeigt in Frankfurt wie man professionell hochmoderne Flughäfen baut, betreibt und gutes Geld damit verdient anstatt Steuergelder zu verschwenden.

Die börsennotierten Frankfurter (das Land Hessen hält nur noch eine Minderheit) haben im Schatten des Berliner Desasters mal schnell ihren Flugsteig A-Plus und damit die Kapazität des Flughafens Hannover hinzugebaut – inklusive Brandschutzgenehmigung. Aber am Main bestimmen auch keine öffentlichen Politiker und Parteien und Popanzgelüste die Szenerie, sondern die private Vernunft.

Kommentare (31)

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Republikaner

11.01.2013, 14:31 Uhr

Der Artikel stimmt so nicht ganz. Es gibt eine öffentliche Ausschreibung, an die sich jeder zu halten hat. Die politische Einmischung ist natürlich Murks ohne Ende und öffnet Speziwirtschaft und Bestechung Tür und Tor.
Als Steuerzahler verlange ich öffentliche Aufklärung! Es muß eine Kommission von parteifreien, unabhängigen Sachverständigen berufen werden vom Bundesamt für Justiz, mit dem Auftrag genau zu klären, wer hier welche Entscheidungen gefällt hat und warum. Darüberhinaus sind alle Geldbewegung, die mit diesem unsäglichen Projekt verbunden sind offenzulegen. Nur so kommt Licht in dieses unsägliche Dunkel. Die Verhandlungsführung muß öffentlich sein - kein Gemauschel hinter verschlossenen Türen.

Republikaner

11.01.2013, 14:36 Uhr

Eine Privatisierung bringt zuerst einmal gar nichts. Was soll denn privatisiert werden? Eine Ruine? Eine Baustelle? Ein schräges Konzept? Kein Investor dieser Welt würde so etwas mit der Zange anlangen! Er würde höchsten ein paar Milliarden für einen Neuanfang verlangen - also was soll der - mit Verlaub - etwas naive Vorschlag?

Mauserspeck

11.01.2013, 14:44 Uhr

Für 1 € an die Chinesen verkaufen.
Dann ist er im Herbst 2013 fertig.
Sollten die das Angebot nicht annehmen, dann muss
er wohl abgerissen werden. Totalen Murks können
auch die Asiaten nicht wiederbeleben.

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