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05.10.2012

10:12 Uhr

Weimers Woche

Romney wäre besser für Deutschland

VonWolfram Weimer

Mitt Romney holt im US-Präsidentschaftswahlkampf auf. Plötzlich scheint es möglich, dass der hölzerne, elitäre, konservative Mormone den Medienstar Obama ablöst. Aus deutscher Sicht hätte das durchaus Vorteile.

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Vor vier Jahren wären Barack Obama in Deutschland 80 bis 90 Prozent der Stimmen sicher gewesen. Nach den bleiernen Bush-Jahren erschien der neue Präsident auch hierzulande cool, smart, mitfühlend, liberal und alles in allem europäischer als sein texanischer Vorgänger. Heute sehen die Deutschen Obama deutlich unterkühlter. Viele seiner Versprechen – von der Schließung Guantanamos über Klimaschutzziele bis zum Wirtschaftsaufschwung – hat er nicht gehalten. Vieles an seinem Regierungsstil wirkt sprechblasenhaft und show-orientiert, vor allem aber hat Obama kein gutes Verhältnis zu Europa entwickelt, allen voran mit Deutschland fremdelt er.

Aus deutscher Sicht hätte daher ein Wahlsieg von Mitt Romney durchaus Vorteile. Während Obama von Deutschland zum Beispiel die Einführung von Eurobonds fordert und damit die freihändige Finanzierung von Europas Schuldenberg, verfolgt Romney eher eine Linie wie Angela Merkel. Obama hat sich zur Bewältigung der amerikanischen Krise auf einen aggressiven Verschuldungskurs begeben und empfiehlt Europa das Gleiche – bis hin zu einer Notenbankpolitik, deren Geldschöpfung geradezu eskaliert.

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In den USA haben die Staatsschulden nun die Marke von 16 Billionen Dollar überschritten. Bei Obamas Amtsantritt 2009 lag die Schuldsumme noch bei 10,6 Billionen Dollar. Damit hat seine Regierung in nur vier Jahren mehr Schulden zusätzlich gemacht als die Schuldsumme Italiens, Spaniens, Portugals, Griechenlands und Irlands in einer ganzen Generation zusammengenommen. Mit Merkels Vorstellungen von soliden Staatsfinanzen kommt Obama daher nicht mehr überein.

Romney hingegen setzt auf solide Haushalte statt neuer Schulden, er will den ausufernden Staat und seine teure Bürokratie zurückdrängen, und er würde Deutschland im Widerstand gegen immer neue, kreditfinanzierte Ausgabenprogramme ineffizienter Staaten unterstützen. Romney erkennt wie Merkel, dass die Spirale von Staatsschulden, Notenbankgeldschwemmen und kreditfinanzierten Wachstumsprogrammen direkt in einen Schuldensozialismus führt.

Aber auch jenseits der Schuldenpolitik gibt es hierzulande mit Obama zusehends ein Problem. So ist unter den deutschen Außenpolitikern in den vergangenen vier Jahren der Eindruck entstanden, dass Obama kein wirklicher Atlantiker sei.

Ihn verbindet in seiner Biografie und in seinem kulturellen Interesse erschütternd wenig mit dem alten Kontinent, er sucht den Rat der Verbündeten kaum, meidet Besuche und lässt die Nato eher verkümmern als sie neu zu definieren.

Ganz anders Romney – seine Familie stammt aus Nordwest-England, er hat in seiner Jugend zwei Jahre in Frankreich gelebt, er spricht sogar einigermaßen passabel französisch und sieht sich fest in einer transatlantischen Tradition.

Romney bekennt sich zu einer wieder aktiveren Führungsrolle der USA, zu einer Politik der Stärke des geeinten Westens - er wirft Obama Unentschiedenheit und ein Vernachlässigen der Allianzen vor. Das mag bislang Wunschdenken eines Herausforderers sein, aber es reicht dafür, dass auch in Europa die Zustimmungswerte für den ungelenken Republikaner steigen.

Sogar der Ex-Gewerkschaftsführer und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa wünscht sich inzwischen offen einen Wahlsieg Romneys: „Ich wünsche, dass er erfolgreich ist, denn die USA sind auf diesen Erfolg angewiesen und Europa natürlich auch.”

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor.

Kommentare (58)

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Account gelöscht!

05.10.2012, 10:37 Uhr

"Romney bekennt sich zu einer wieder aktiveren Führungsrolle der USA, zu einer Politik der Stärke des geeinten Westens - er wirft Obama Unentschiedenheit und ein Vernachlässigen der Allianzen vor."

Ich will aber keine aktive Führungsrolle der USA mit den Intentionen eines Präsidenten mal eben wieder die Waffen sprechen zu lassen. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist mit konservativ waffenverliebten Dynastien nicht in der Lage friedlich und ökologisch die Welt mit zu gestalten. Im Gegenteil, Wirtschaft durch Krieg braucht kein Mensch.
Obamas Versprechen konnten u. a. nicht eingelöst werden, weil er um jeden kleinen gesellschaftlich sozialen Fortschritt mehr kämpfen muß als um die Waffenindustrie.
Das Armutsgefälle in den USA ist größer als in Uganda, stand hier zu lesen.
Aber schießen kann man immer, dafür haben die Mehrheiten im Kongreß gesorgt.

JohannesKirk

05.10.2012, 10:44 Uhr

Ein schlechter Witz: "Ganz anders Romney – seine Familie stammt aus Nordwest-England, er hat in seiner Jugend zwei Jahre in Frankreich gelebt, er spricht sogar einigermaßen passabel französisch und sieht sich fest in einer transatlantischen Tradition."

Romney ist als Rekrutierer und Mormone von Tür getingelt, und dürfte ausser vor seiner Nase geschlossene Türen und Phrasen seiner Mitstreiter von Frankreich und Europa nichts mitbekommen haben. ;-)

Analyst

05.10.2012, 10:45 Uhr

Ach, hat der [...] etwa nicht zu den Waffen gegriffen? Hat er Guantanamo geschlossen? Tötet er nicht täglich Menschen in Pakistan und sonstwo mit bewaffneten Drohnen? Da würde ich mal den Ball flach halten.
+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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