Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2012

11:38 Uhr

Weimers Woche

Schafft das Saarland ab!

VonWolfram Weimer

Die Saarländer sind experimentierfreudig - besonders in der Politik. Die Umtriebigkeit kann sich das Land leisten, weil es seit Jahren bezuschusst wird. Zeit, für einen alten Vorschlag: Die Bildung der „Saarpfalz“.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

BerlinDie Saarländer sind ein lustiges Völkchen. Gemütlich, kulinarisch, französisch. Sie stellen den Grillweltmeister und probieren gerne mal was Verrücktes aus. Vor allem in der Politik, die sie als eine Art Hexentanzfestival betrachten.

Einmal küren sie einen Ego-Zauberer wie Oskar Lafontaine zu einem druiden-ähnlichen Ministerpräsidenten, dann probieren sie eine wilde Jamaika-Koalition aus und wenn die Stimmung gerade danach ist, geben sie die auch plötzlich wieder auf und – fragen kostet ja nix – befragen sich, ob nicht eine Große Koalition viel besser und eine kürzere Legislatur viel cooler wäre. Und dann auch wieder nicht. Nun also wählt das sympathische Völkchen neu – und man darf sicher sein, es wird ihnen etwas Originelles einfallen, wie sich die politischen Tänzchen im Saarland denn weiter drehen können.

Denn im Grunde ist es egal, wer das Saarland regiert. Es kann ohnedies nicht aus eigener Kraft existieren. Das Bonsai-Bundesland – es ist etwas kleiner als der Landkreis Emsland und etwas größer als der Landkreis Bautzen – hat doch tatsächlich gut zwölf Milliarden Euro Schulden angehäuft.

Bayerische Gemüter nennen es schon „das deutsche Griechenland“, was nicht stimmt, denn im Saarland tanzt keiner Sirtaki. Und doch haben sie sich für das Jahr 2012 im Haushalt 630 Millionen neue Schulden gegönnt. Es müssen ja schließlich so wichtige Etatposten wie „Zuschüsse zur Durchführung von Wanderungen“ (200.000 Euro) finanziert werden! Und auch das „Institut für Zukunftsenergiesysteme“ will mit 800.000 Euro bezuschusst werden. Ganz zu schweigen von der Förderung von „Waldpädagogik“! Die Saarländer sind eben pfiffig.

Ihre kreative Umtriebigkeit können sie sich nur leisten, weil das Saarland seit vielen Jahren von den Zuwendungen der anderen Deutschen lebt. Über die Jahre haben sich die Gelder des Länderfinanzausgleich auf 6,5 Milliarden Euro addiert. Jeder sechste Euro, den das Saarland ausgibt, wird nicht über Steuern finanziert, sondern über neue Kredite. Trotz einer akuten Staatsschuldenkrise lebt das Bundesland auch im letzten, in diesem und im nächsten Jahr massiv auf Pump.

Kommentare (57)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

HansMeiser

20.01.2012, 11:53 Uhr

Dieser Vorschlag wird aber den überzähligen Provinzpolitikern und hochalimentierten Beamten und Apparatschicks gar nicht gefallen. Nicht nur im Saarland.

boxerhandschuh

20.01.2012, 12:05 Uhr

Die Neugliederungen der Bundesländer ist ein altes Thema, wurde bestimmt schon vor 30-40 Jahren immer mal wieder erörtert. Wenn schon Saarland, dann mit Rheinland-Pfalz und Hessen verschmolzen. Deutschalnd braucht ohnehin nicht mehr 16 Bundesländer mit einer viel zu großen Zahl an Parlamentariern und Regierungsbeamten, von Ministern schon gar nicht zu reden. Sieben Bundesländer wären genug. 70% der Entscheidungen fallen eh in Brüssel. Auch der Bundestag könnte auf ca. 300 Abgeordnete, die allerdings alle dann auch direkt gewählt sein sollten, reduziert werden. Das Problem ist halt: wer gibt schon gerne gut bezahlte und sichere Posten auf? Wer das beschließt, sägt sich, mindestens zur Hälfte, selbst ab. Ein Beschleuniger wäre das Ende des Länderfinanzausgleichs. Dann kommen die Nehmerländer schneller zur Sache. Aber das Grundgesetz müsste erst geändert werden....das ist das Hauptproblem.

Sachse

20.01.2012, 12:11 Uhr

Kleiner Hinweis an den Autor: Der Landkreis Bautzen wurde schon 2008 abgeschafft. Er wurde mit dem Landkreis Löbau-Zittau und der (bis dahin) kreisfreien Stadt Görlitz zum neuen Landkreis Görlitz verschmolzen... Damit dürfte das Saarland jetzt auch kleiner als der ostsächsische Landkreis sein ;)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×