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09.12.2011

10:05 Uhr

Weimers Woche

Schluss mit dem Banker-Bashing

VonWolfram Weimer

Eine Gesellschaft darf es nicht dulden, dass über eine Berufsgruppe hergefallen wird. Die verbalen Attacken der Politiker auf Banker gleichen einer Hatz. Dabei ist die Schuldenkrise eine Sünde der Politik selbst.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Das versuchte Bombenattentat auf Josef Ackermann ist glücklicherweise vereitelt. Die verbalen Bombenattentate aber gehen weiter. Die Banker im allgemeinen und Josef Ackermann im besonderen sind seit Monaten Zielscheibe einer ideologischen Hatz, die kaum mehr Grenzen kennt. Es wird Zeit, dem endlich Einhalt zu gebieten.

Eine Gesellschaft darf es nicht dulden, dass über eine Berufsgruppe kollektiv hergefallen wird als seien sie Kindermörder. Skandalös ist vor allem, wie die Politik die Meinungsjagd auf Banker lautstark immer weiter befeuert. Denn die Schuldenkrise, mit der Europa nun so schwer zu ringen hat, ist zuallererst eine Sünde der Politik selber.

Ackermann-Anschlag

"Banker leben heute gefährlicher"

Ackermann-Anschlag: "Banker leben heute gefährlicher"

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Unsere politische Klasse – und nicht die Banker - hat seit einer ganzen Generation keine ausgeglichenen Haushalte mehr hinbekommen, Milliarde auf Milliarde Kredit genommen und einen Schuldenturm gigantischer Dimension aufgetürmt. Nun da er schwankt, werden Banker flugs als Sündenböcke durch die medialen Straßen gejagt.

Leider hat diese Treibjagd eine lange Tradition in Europa. Geldwechsler und Geldverleiher werden seit Jahrhunderten aus politischen Motiven verfolgt. Immer wieder gefiel es den Mächtigen und Schuldenmachern, ihre Geldbeschaffer frontal zu attackieren. Geldverleiher durften vielerorts nicht einmal am kirchlichen Abendmahl teilnehmen.

Am häufigsten aber traf dieser spezielle Verfolgungswahn die Juden. Hitlers Tiraden gegen die „Zinsknechtschaft”, gegen die „gierigen Wucherer”, die „satanische Hochfinanz” und die „Geldratten” unterscheiden sich im Duktus kaum von den rasenden Attacken der heutigen Bankenhasser. Auch sie vergleichen die „Spekulantenbrut” mit Tieren und stigmatisieren sie wahlweise als Haifische oder Raubtiere, unsere Wirtschaftsordnung sei ja schließlich ein „Raubtierkapitalismus”.

Gefährliche Post - Anschläge mit Briefbomben

März 2011

Bei Briefbombenanschlägen auf Soldaten im italienischen Livorno und eine Pro-Atom-Organisation im Schweizer Kanton Solothurn werden drei Menschen verletzt. Eine weitere Briefbombe aus Italien geht im griechischen Hochsicherheitsgefängnis Korydallos bei Athen ein, wird aber entschärft. Italienische Anarchisten bekennen sich zu dem Anschlag auf das Gefängnis, auch die Tat in Livorno wird ihnen zugeschrieben.

Dezember 2010

In Rom lösen Paketbombenanschläge auf die Botschaften der Schweiz und Chiles Terroralarm aus. Zwei Menschen werden schwer verletzt. Zu den Taten bekennt sich wiederum eine italienische Anarchistengruppe. Wenige Tage später wird auch vor der griechischen Botschaft in Rom eine Paketbombe gefunden, die aber entschärft werden kann.

November 2010

Eine Serie von Briefbomben an Politiker in mehreren europäischen Ländern sorgt für Aufregung. Eine Sendung landet im Berliner Kanzleramt. Das an Angela Merkel adressierte Paket kann aber entschärft werden. Pakete mit Brandsätzen gehen auch an verschiedene Botschaften in Athen, darunter an die Vertretungen Deutschlands und der Schweiz. Griechische Linksextremisten bekennen sich zu der Serie.

Februar 2008

Bei der Explosion einer Paketbombe in München wird ein Mann schwer verletzt. Das Paket war an einen Autohändler adressiert. Die Hintergründe der Tat bleiben mysteriös.

Januar & Februar 2007

Ein Mann aus Cambridge verschickt sieben mit Nägeln und Glassplittern gefüllte Briefbomben an Verkehrsbehörden in England und Wales. Acht Menschen werden verletzt. Der Mann wollte nach eigenen Angaben gegen den „Überwachungsstaat“ protestieren.

Februar 2000

Der zu lebenslanger Haft verurteilte österreichische Bombenleger Franz Fuchs verübt im Gefängnis Selbstmord. Er hatte aus Fremdenhass von 1993 bis 1996 mit Rohr- und Briefbomben vier Menschen getötet und rund ein Dutzend verletzt. Prominentestes Opfer war Wiens damaliger Bürgermeister Helmut Zilk, dem eine Briefbombe eine Hand zerfetzte.

Mai 1998

Der als „Unabomber“ in den USA bekannte Paketbomben- Attentäter Theodore Kaczynski bekennt sich vor Gericht schuldig und erhält im Gegenzug lebenslange Haft statt der Todesstrafe. Er hatte über einen Zeitraum von 17 Jahren drei Menschen durch Bombenanschläge getötet und über 20 verletzt. Das Kürzel „Una“ steht für Universities und Airlines, wo die ersten Opfer beschäftigt waren.

Kommentare (35)

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Medienarbeiter

09.12.2011, 10:30 Uhr

Schuld sind immer die anderen, in diesem Fall die Politiker. Zugegeben, die Ahnungslosigkeit Unfähihkeit von vielen Politikern ist erschreckend. Die Folgen sind desaströs. Aber war es nicht die Finanzlobby, die gesetzliche Rahenbedingungen zu ihren Gunsten durchgesetzt hat? Waren es nicht Banker, die aberwitzige Anreizsysteme geschaffen haben um mal so richtig abzukassieren? Und wer kehrt den Scherbenhaufen zusammen? Politiker! Der Bürger wird zur Kasse gebeten, die Boni sind krisenfest angelegt.
Nein, dieser Kommentar ist wohl in der Nachwehe einer Ouzo vernebelten Nacht entstanden.

cyranodhambourg

09.12.2011, 10:42 Uhr

Die Finanzkrise 1.0 in 2008 resultierte aus der unseriösen Bündelung von Schuldverschreibungen in den USA und überzogenen Spekulationen weltweit.In der Folge mussten Staaten diversen Banken Kredite und finanzielle Unterstützung gewähren, um deren Bankrott abzuwenden.
1. Wer trug bzw. trägt die Verantwortung dafür ?
2. Haben sich jemals die wortgewaltige "Finanzindustrie" sowie deren publizistische Unterstützer zu dieser Verantwortung bekannt und LETZTLICH ETWAS DARAUS GELERNT ?

Gutti

09.12.2011, 10:46 Uhr

W.Weimer ist für mich seit seiner peinlichen Lobeshymne auf
den Baron K.T.zu Guttenberg ( Focus 49/10 )einfach nur eine Witzfigur .

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