Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.05.2012

11:17 Uhr

Weimers Woche

Sieben Gründe für die Drachme

VonWolfram Weimer

Griechenland taumelt am Abgrund, die Menschen plündern ihre Bankkonten, das Finanzsystem kollabiert, die Neuneu-Wahlen spitzen sich auf die Frage “Euro oder Drachme” zu. Dabei wäre die Rückkehr zur Drachme nicht nur aus linksradikaler Sicht die beste Lösung des Problems.

Wolfram Weimer

Wolfram Weimer war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politik-Magazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Griechenland wird seine Neuneuwahlen womöglich gar nicht mehr geordnet erreichen. Die Banken melden panikartige Bargeldabhebungen, Ratingagenturen haben Griechenlandanleihen auf Kollapsniveau herabgestuft, jeder versucht sein Erspartes noch irgendwie zu retten, die Zentralbank in Athen schlägt Alarm.

Inzwischen sind die politischen Eliten Europas mehrheitlich der Meinung, Griechenland sollte aus dem Euro austreten – offiziell sagen sie das nur in behutsamen Hinweisen, aber hinter den Kulissen formiert sich ein klarer Trend. Die Notfallpläne für den Euro-Austritt werden ausgearbeitet.

Was vor einigen Monaten noch als Schreckgespenst durch Europa geisterte – inzwischen wäre es die Erlösung. Die rasche Wiedereinführung der Drachme wäre aus sieben Gründen die beste Lösung:

1. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Die Griechenlandkrise dauert immer länger, wird immer teurer, drückt das Land in immer verzweifeltere Situationen. Es braucht einen Befreiungsschlag. Die Rückkehr zur eigenen Währung wäre das.

2. Griechenland bekäme schlagartig die Möglichkeit, seine Schuldenlast über einen Währungsschnitt zu reduzieren. Da das Land offensichtlich weder die Kraft noch den Willen hat, seine Schulden zu bedienen, wäre der Austritt aus dem Euro wie ein finanzieller Neuanfang.

Gespaltenes Griechenland: Eine Nation verliert die Nerven

Gespaltenes Griechenland

Eine Nation verliert die Nerven

Das griechische Volk ist allmählich am Ende der Kräfte. Viele sind verzweifelt.

3. Griechenland bekäme endlich wieder ein Instrument in die Hand, sich über Abwertungen der Drachme und eine flexible Wechselkurspolitik Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Das Land ist im festen Euro-Korsett viel zu teuer und unflexibel, um sich auf den Weltmärkten je zu behaupten.

Kommentare (41)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Merkel_in_den_Kerker

18.05.2012, 11:28 Uhr

all das sagte der gesunde menschenverstand von 90% der hb-forum-kommentatoren schon vor einem jahr!!! schön, dass es jetzt (viele milliarden später) langsam bei den "experten" und den "vertretern des deutschen volkes" angekommen ist!! ich könnte kotz*n ...

Wahrhaftig

18.05.2012, 11:31 Uhr

Grundsätzlich kann man Herrn Weimer doch nur zustimmen. Ich bin froh, wenn die Fakten einmal öffentlich, ohne politischen Maulkorb ausgesprochen werden. Warten wir einfach einmal ab, was das griechische Volk bei der Neuwahl zu sagen hat. dann werden wir wissen, ob die Griechen den schweren gang gehen wollen im Euro zu bleiben oder den sinnvollen Weg bestreiten, die Eurozone zu verlassen. Egal wie diese sich entscheiden, nur sollte dann der eingeschlagene Weg konsequent gegangen werden.

Pinin

18.05.2012, 11:36 Uhr

Aber der Schäuble mit seinem Karlspreis will doch die Brüssel-Diktatur um jeden Preis, und da ist Griechenland ein Mittel zum Zweck.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×