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26.10.2012

09:57 Uhr

Weimers Woche

Verkauft das Gold!

VonWolfram Weimer

Ein Streit um die Sicherheit der deutschen Goldreserven im Ausland ist entbrannt. Doch die Debatte in dieser Form ist lächerlich. Wir sollten besser über eine Radikallösung nachdenken: Alles verkaufen!

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Die Bundesbank besitzt 3396 Tonnen Gold im Wert von rund 150 Milliarden Euro. Das ist nach den USA immerhin der zweitgrößte Goldschatz der Welt. Da ein Großteil des deutschen Goldes bei den Zentralbanken der USA, Großbritanniens und Frankreichs einlagert, ist eine bizarre Diskussion darüber ausgebrochen, ob das denn auch sicher genug sei. Diese Sorge ist ungefähr so interessant wie die Frage, ob der Sandmann seinen Sand wohl aus Deutschland hat. Dabei harrt eine viel wichtigere Frage der Beantwortung: Was machen wir eigentlich mit dem Gold?

Denn seit dem Ende des Goldwährungsstandards von Bretton Woods machen Goldreserven währungspolitisch überhaupt keinen Sinn mehr. Sie helfen weder in guten Tagen eines Booms noch – wie derzeit – in Krisenzeiten einer Schuldenkrise. Sie sind nichts als das tote Kapital der Nation. Einst hart erarbeitet – und nun nutzlos in New Yorker Kellern herumliegend.

Reserven der Bundesbank: Der Kampf ums deutsche Gold

Reserven der Bundesbank

Der Kampf ums deutsche Gold

Ist er wirklich noch da? Der deutsche Goldschatz liegt im Ausland, doch gesehen hat ihn schon lange keiner mehr.

Der gewaltige Goldschatz wirft nicht einen einzigen Cent Zinsen ab. Das heißt: Wir verzichten Jahr für Jahr freiwillig auf Milliarden Sondererlöse, die wir bekämen, wenn die Reserve bloß vernünftig angelegt würde.

Es wird also höchste Zeit, den Goldschatz nicht nur mit dem Misstrauen eines nationalen Spießers zu prüfen – man sollte ihn jetzt verkaufen und in verzinsliche Anleihen tauschen.

Nie war der Zeitpunkt dafür so günstig: Denn der Goldpreis ist in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen. Er hat sich in den vergangenen zehn Jahren sogar verfünffacht, und seit einiger Zeit wird Goldpreis von reiner Angst bestimmt, er steigt in irrationale Höhen.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Darum warnt der weltgrößte Fondsanbieter Pimco auch vor einem Zusammenbruch der Angst-Hausse: „Wenn es eine Blase gibt, dann beim Gold”, meint der Pimco-Deutschlandchef Andrew Bosomworth. Sobald in Europa die Sorge vor einem Euro-Crash schwinde, könne der Goldpreis dramatisch einbrechen. Wer also – wie Notenbanken – die langfristige Linie im Auge hat, der sollte lieber jetzt Gold verkaufen. Denn noch nie hätten wir so viel für unsere Reserven bekommen wie derzeit.

Nach dem hohen Verkaufserlös würde Deutschland ein erheblicher Zinsgewinn winken. Da Deutschland und die EZB sich ohnedies entschieden haben, den Euro mit allen Mitteln zu verteidigen und wir unseren Euro-Partnern finanziell helfen müssen, so sollte man das wenigstens mit einem Geschäft zu wechselseitigem Nutzen verbinden.

So könnten wir die Golderlöse in italienische, spanische und portugiesische Staatsanleihen investieren. Die rentieren im Zehnjahresbereich zwischen 4,8 und 8 Prozent. Bei einer geschickten Durchschnittsverzinsung könnte man also mit 10 Milliarden Euro im Jahr an Zinseinnahmen rechnen. Wir würden uns gewissermaßen das Geld für die Euro-Rettung, das wir vorne für Rettungsmaßnahmen ausgeben müssen hinten am Anleihemarkt wieder hereinholen.

Man könnte mit dem Erlösen aus dem Goldverkauf zwar auch auf einen Schlag alle deutschen Städte und Kommunen komplett entschulden (immer noch besser als sie nutz- und zinslos herum liegen zu lassen). Aber die Gold-Anleihe-Tauschoption ist attraktiver.

Auch aus psycho-politischer Sicht. Denn der Vorgang würde auf den Märkten als starkes Vertrauenssignal in den Euro gewertet und die Krise beenden helfen. Zugleich würde das in Südeuropa als ein Akt der Solidarität empfunden.

Kurzum: Anstatt über den Lagerort für deutsches Gold zu zanken, sollten wir endlich etwas aus dem Erbschatz machen. Über die Verwendung der 10 Milliarden Sondererlöse pro Jahr können die Politiker ja dann wieder streiten.

Kommentare (156)

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Account gelöscht!

26.10.2012, 10:09 Uhr

so einen dummen, in sich wiedersprüchlichen artikel liest man selten.

Account gelöscht!

26.10.2012, 10:13 Uhr

So einen behämmerten Text habe ich schon seit Wochen nicht mehr gelesen. Sobald die Währungen wieder an den Goldstandard gekoppelt werden - und das ist nach dem Crash nicht unwahrscheinlich, hat das Gold wieder den Wert, der ihm zusteht. Es ist die älteste Währung der Menschheit, weil im Gegensatz zu Papiergeld endlich und nicht ohne anstrengung vermehrbar. Und wie hieß es noch: "Alles Papiergeld wird irgendwann zu seinem inneren Wert zurückkehren: NICHTS." Gold kann ich immer zu Geld machen, ganz gleich zu welchem Kurs. Umgekehrt kaum. Wenn Geld nichts mehr wert ist, müßte man Unsummen aufwenden, um eine kleine Menge Goldes zu kaufen.

Account gelöscht!

26.10.2012, 10:15 Uhr

Ein Troll mit eigener Kolumne. Der glaubt den Blödsinn selber nicht den er da schreibt

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