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20.04.2012

13:52 Uhr

Weimers Woche

Warum die Grünen so grau werden

VonWolfram Weimer

Noch vor einem Jahr erreichten die Grünen die höchsten Umfragewerte ihrer Geschichte. Doch plötzlich mischen Piraten die Republik auf, und die Grünen geraten in die Krise. Der spektakuläre Absturz hat tiefe Gründe.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Der größte Verlierer in der deutschen Politik war 2009 die SPD. 2010 und 2011 hieß der größte Verlierer FDP. In diesem Jahr denken viele, die Linkspartei wird wohl zum Absteiger der Saison. Doch zum größten Verlierer könnten auch die Grünen werden, denn ihr Rückhalt in der Gesellschaft sinkt so rapide wie der der Liberalen vor zwei Jahren. Das Zeitraffer-Ergrauen ist auf den ersten Blick verblüffend. Denn vor nur einem Jahr schienen die Grünen auf dem Höhepunkt ihrer Geschichte angelangt.

Nach dem Unglück von Fukushima durchzuckte Deutschland ein grüner Reflex wie nie zuvor. Die Umfragewerte überstiegen zeitweise die der SPD und selbst im urkonservativen Baden-Württemberg siegten sich die Grünen bis ins Ministerpräsidentenamt. Politologen wähnten schon eine neue Volkspartei die Republik verändern. Der Zeitgeist der Biogemüse- und Elektroauto-Republik wehte alles Grüne auf die Siegerseite der Geschichte. Die Angst der anderen Partei vor dem grünen Durchmarsch war so groß, dass Deutschland sich in einer Blitzaktion dazu entschied, alle Atomkraftwerke abzuschalten – koste es, was es wolle.

Heute, genau ein Jahr später, ist das Grünsein in etwa so cool wie eine knarrende Tür im Altersheim. Die Wähler und Unterstützer laufen der Partei davon, als hätte die eine ansteckende Krankheit. Woche für Woche verfolgt die Umweltschutzpartei wie ihr die Piraten den Schneid und die Mehrheiten abkaufen. Einigermaßen hilflos erklären grüne Spitzenpolitiker, nun würden sie die Piraten endlich frontal angreifen. Tatsächlich aber dürfte das Absacken der Grünen auch in Schleswig-Holstein den schon sicher geglaubten rot-grünen Wahlsieg verderben.

Kommentare (30)

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Account gelöscht!

20.04.2012, 14:08 Uhr

...die gefühlte Dominanz älterer, meckernder Frauen ... - das trifft es ziemlich genau.
Die Grünen sind vor Urzeiten mal mit einem straffen Rotationsprinzip gestartet. Dass das nicht funktionieren konnte, war abzusehen. Dass sie aber inzwischen genau wie alle anderen an ihren Posten kleben, und keine "anderen Götter" neben sich dulden, das ist schade.
Grün = lebendig ist was anderes.

westerbri

20.04.2012, 14:08 Uhr

"gefühlte Dominanz älterer, meckernder Frauen" - in der Tat abschreckend.

Bundesbuerge

20.04.2012, 14:09 Uhr

Den vielleicht wichtigsten Grund hat Herr Weimer vergessen.

Sie heißen EFSF und ESM!

Die Grünen unterstützen wie CDU/CSU/FDP/SPD das Konzept und sind somit keine echte Alternative.

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