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23.03.2012

17:02 Uhr

Weimers Woche

Warum Sarkozys Sieg gut wäre

VonWolfram Weimer

Frankreich wählt mitten in der Euro-Krise einen neuen Präsidenten. Nicolas Sarkozy war angeschlagen. Doch die Terrorakte von Toulouse haben die Stimmung gedreht. Für Deutschland wäre seine Wiederwahl eine gute Nachricht.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Die Terrorakte von Toulouse haben Frankreichs Präsidentenwahl erschüttert. Der Triumphzug des Sozialisten Francois Hollande ist schlagartig gestoppt. Kein Mensch interessiert sich jetzt mehr für die soziale Frage, Bankerboni oder Altersarmut. Ganz Frankreich will nur noch eines: Sicherheit. Und dafür steht Nicholas Sarkozy wie kein zweiter. Plötzlich wirkt der angeschlagene Präsident wie der Anti-Terror-Spezial-Kommando-Oberführer und der tröstende Vater der verwundeten Nation in einer Person. Krisen sind immer Hochzeiten der Exekutive, doch hier gilt das in besonderer Weise.
Denn Sarkozy profitiert nicht nur als zupackende Führungsfigur und Verkörperung des wehrhaften Staates gegen islamistischen Terrorismus. Ihm nutzt auch der radikale Themenwechsel im Wahlkampf. Jetzt wird über seine Kompetenzfelder diskutiert und nicht mehr über seine Schwächen. Er wird damit nicht bloß im ersten Wahlgang besser abschneiden als gedacht. Vor allem dürfte er nun im zweiten Wahlgang – wenn es zur Stichwahl mit Hollande kommt – die rechten Wähler von Le Pen hinter sich versammeln können. Es ist wie weiland, als die Jahrhundert-Flut im Osten Gerhard Schröder aus aussichtsloser Position wieder nach oben spülte.
Da die politische Massenwirkung der Terrormorde allen Beteiligten klar ist, wird aus dem Wahlkampf plötzlich eine Schlammschlacht. Beide Seiten werfen sich vor, die Opfer politisch zu instrumentalisieren. Wechselseitig schimpfen sie sich pietätlos. Für Sarkozy wird darum der nun wieder wahrscheinliche Wahlsieg immer eine bittere Note tragen. Obwohl er dafür gar nichts kann, wirkt er doch wie ein Profiteur des Terrorismus.

Wie immer man zu dieser Schicksalsfuge der Politik und zur Person Sarkozy steht – sollte er gewinnen, so wäre das für Deutschland eine gute Nachricht. Sarkozy ist weder für seine Bescheidenheit, Warmherzigkeit oder Sachlichkeit bekannt. Er ist auch nicht der Mann, mit dem man gerne in Urlaub fahren oder Gedichte lesen würde. Und doch steht er in einer Schicksalsstunde Europas ganz dicht an der Seite Deutschlands. So dicht sogar, dass es die ganze Welt verblüfft und beeindruckt und dass genau damit die Rettung aus der Euro-Krise erst möglich geworden ist. Sarkozy hat Frankreich auf den deutschen Soliditätskurs gezwungen. Er hat in engem Schulterschluss mit Angela Merkel die Europäische Union zum Stabilitätspakt geführt. Und er riskiert damit sogar bewusst seine eigene Wiederwahl. Sein Herausforderer Hollande kündigt hingegen an, dass er den Stabilitätspakt so nicht will. Er kämpft für den Ausgabenstaat und gegen die Sparpolitik. Da mag der Schuldturm wanken wie er will, Hollande setzt auf Kredit. Sein Wahlsieg würde die deutsch-französische Achse brechen lassen und Europa schlagartig in die Krise zurückwerfen. Das ist auch der Grund, warum Angela Merkel so undiplomatisch offen für Sarkozy Partei ergreift. Sie weiß: Bei der Wahl in Frankreich geht es diesmal auch um uns.

Kommentare (7)

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kleinfeldt

23.03.2012, 19:02 Uhr

Sie vergessen eins in ihrem Artikel. Die Politik steht ohne deutsches Volk da. Wir deutschen Bürger möchten den Euro nicht. Wir möchten endlich einen Volksentscheid. Uns Bürger hat der Euro nur Elend gebracht. Auch die Sanktionen gegen den Iran bestrafen die deutschen Bürger. Schauen Sie sich den Benzinpreis an. Es reicht langsam. Auch bei uns wird bald gewählt. Ich werde eine demokratische Partei wählen, die gegen den Euro ist. Andere Parteien sollten auch eine Chance zum Regieren bekommen. Je mehr Parteien im Bundestag, um so mehr Demokratie in Deutschland. Also liebe deutsche Mitbürger, bis 2013!

ifrancis

23.03.2012, 19:07 Uhr

Also ich bitte Sie,

Nach lesen ihres kommentars kommt in mir die Frage auf wo und wann sie in Frankreich waren?
"Hier hat jeder eine (Flinte)"
"Wenn Sie wuessten was hier laueft dann wuerden Sie wuenschen Adolf haette noch das sagen."
- Anscheinend gibt es in Deutschland mehr NPD-Anhänger als Waffenträger in Frankreich.

Frankreich ist das meist besuchte Land der Welt, hat eine der höchsten Geburtenraten Europas
dort ist es sicher sehr unicher und man muss jeden Tag um sein leben fürchten... nun na ja, jeder seine Einschätzung
die Zahlen jedoch sprechen für sich:
Kriminalitätsrate: F:12% D:13% => vergleichbar

Quelle: http://www.spiegel.de/flash/flash-14604.html


Bei ihrem nächsten Frankreichbesuch informieren Sie sich am besten über die dort vorhandenen Sehenswürdigkeiten
-glauben sie mir, es gibt genug!

Schönen Abend noch

aruba

23.03.2012, 19:27 Uhr

Guten Abend ... Boulevard de l'Italie;... Monaco. Besuchen Sie mich mal. Besten Dank

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