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06.01.2012

11:49 Uhr

Weimers Woche

Wer würde neuer Bundespräsident?

VonWolfram Weimer

Christian Wulff kämpft um sein Amt. Doch hinter den Kulissen hat in Berlin bereits eine Debatte über mögliche Nachfolger begonnen. Dabei gilt Joachim Gauck als der große Favorit – allerdings nur auf den ersten Blick.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Joachim Gauck ist ein grandioser Redner, ein Mann mit Haltung und Ethos, ein tapferer Kämpfer gegen DDR-Unrecht und für die Freiheit, er ist über alle Parteien hinweg respektiert. Gauck ist ein wunderbarer Querkopf gegen die verlogene politische Korrektheit, der Mut zur eigenen Meinung hat, und sei es die Verteidigung von Thilo Sarrazin.

Aber genau da beginnt das erste Problem. Gauck ist derart autonom und kantig, dass er im politischen Betrieb wahrscheinlich ähnlich scheitern dürfte wie einst Paul Kirchhof oder Horst Köhler. Die politische Klasse aber braucht nach der doppelten Bundespräsidentenblamage von Köhler und Wulff eine Personalie, die auch über die Zeit funktioniert.

Das zweite Argument, das gegen Gauck spricht, ist das politische Kalkül der Parteien. Die Linkspartei hasst ihn, die SPD mag ihn nur, um die CDU vorzuführen. Inhaltlich ist Gauck so weit von der SPD entfernt wie Heiner Geißler von der CDU. Union und FDP wiederum hätten mit Gauck zwar endlich einen echten Vordenker, doch ist er nun mal der Ex-Kandidat der Opposition. Würde er jetzt Bundespräsident, dann wäre das für Schwarz-gelb eine schwere strategische Niederlage. Die Logik der Machtpolitik spricht also gegen Gauck  – zumal es gut sein kann, dass er gar nicht mehr will. Sein hohes Alter und das unwürdige Schauspiel um Wulff könnte dazu führen, dass der weise Freigeist sich diesen Job nicht mehr antun möchte.

Darum kursieren in Berlin bereits alternative Namen. Der erste heißt Norbert Lammert. Der Bundestagspräsident wollte schon beim letzten Mal unbedingt ins Schloss Bellevue wechseln, er ist ein guter Redner, im politischen Konsens-Spiel hoch erfahren, ein Superprofi und vom Karriereverlauf wie der aktuellen Gemengelage geradezu geschaffen für das Amt des Bundespräsidenten. Doch hat er sich nach der letztmaligen Enttäuschung gegenüber Angela Merkel verhalten wie ein enttäuschter Liebhaber – mit eitlen Dauersticheleien. Das dürfte ihm nun den Wechsel verderben.

Kommentare (17)

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www.uwe-ostertag.de

06.01.2012, 12:12 Uhr

"funktionierenden" Präsidenten
...klar, das soll eben einer sein, der ständig hofiert,und wenn mutti:"bei fuß" ruft, dass dieser vor ihr demütig winselt. ein präsident mit rückgrat und eigenen willen wäre da wohl der ansolute dorn im auge, egalwelcher partei. wenn ich das so sehe,dann bin ich auch net geeignet...muss mir wohl die kandidatuir abschminken ;-)

anton

06.01.2012, 12:31 Uhr

Man kann ja Wulff mögen. Das ändert aber nichts daran, dass er an Glaubwürdigkeit verloren hat. Es wird einsam um ihn. Seine Selbstüberschätzung und Eitelkeit ist längst der Unsicherheit gewichen. Er wirkt nicht mehr souverän. Die Frage ist, will das Volk solch einen Präsidenten.

Nirgendwer.

06.01.2012, 15:23 Uhr

Vor allem ist es wichtig, dass der erste Schritt getan wird: Amtsenthebung oder Rücktritt von Wuff!

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