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13.09.2013

17:27 Uhr

Weimers Woche

Woher kommt Bayerns Stärke?

Am Sonntag wählt der Freistaat Bayern. Das Land strotzt vor Kraft und Selbstbewusstsein. In Bayern ist alles spitze! Woher kommt diese verblüffende Stärke eines Landes, das einst hinten lag?

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Wenn unter Deutschlands Stämmen die Rollen verteilt werden, dann gibt es alte Klischees (die Schwaben sind fleißig, die Rheinländer lustig, die Berliner frech) und neue Images (die Hamburger sind cool, die Sachsen clever, die Niedersachsen nachhaltig und die Hessen schnell). Die stimmen zuweilen, oder auch nicht. Nur eine Rolle ist wirklich gesichert - die der Bayern: Das sind die besten. Immer und überall, so dass es alle anderen langsam nervt.

Ob Elite-Universitäten oder Fußball, Milchqualität oder Patentanmeldungen. Während sich der Norden und Osten mit allerlei Widrigkeiten herumquälen, strotzt Bayern immer vor Kraft: Wohlstand? Wirtschaftswachstum? Forschung? Bildung? Staatsfinanzen? Alles spitze! Lästige Angelegenheiten wie Jugendarbeitslosigkeit sind in Bayern so selten geworden wie Gamaschen. Kein Wunder also, dass in den letzten Jahren rund 700.000 Menschen aus anderen Teilen Deutschlands nach Bayern gezogen sind.

Selbst die Biergärten, Backstuben und Blumenläden wirken im „Vorhof zum Paradies“ (Horst Seehofers Kurzbeschreibung Bayerns) einfach besser, opulenter, reicher. Noch 1960 lag Bayern weit hinter dem Bundesdurchschnitt im Pro-Kopf-Einkommen, heute punktet es weit davor. Aber warum eigentlich? Ist doch der katholische Süden keineswegs die Heimstatt der protestantischen Arbeitsethik, wie sie Max Weber als Urquell kapitalistischen Erfolges ausgemacht hat. Bayern wird auch von Lage und Ressourcen nicht begünstigt, so dass der Erfolg weder auf Öl, Gold oder Kohle noch auf Seehäfen oder Handelsschnittstellen basiert. Es gibt hier keine tradierte Macht des Geldes wie an Börsen- und Kaufmannsplätzen noch eine der Politik, aus der man hauptstädtisches Kapital schlagen könnte.

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Das Argument, Bayern sei halt Gewinner der deutschen Teilung geworden, hätte auch für Bremen oder Nordrhein-Westfalen oder das Saarland gelten können. Hat es aber nicht. Bayern war vielmehr bis 1989 Zonenrandgebiet und in mancher Hinsicht benachteiligt. Dass es heute – im Jargon des Standortmarketings - „Powerhaus“, „Leuchtturmregion“ und „Wachstums-Cluster“ ist, hat mit historischen Zeitläuften wenig zu tun.
Eigentlich haben die Bayern nichts - außer sich selbst. Doch genau da beginnt die Sache interessant zu werden. Das Erfolgsgeheimnis des Südens ist nicht materieller oder zufälliger, es ist kultureller Natur. Bayern haben nämlich etwas, das man sich nicht kaufen kann, das aber Kaufenkönnen langfristig erst ermöglicht: Identität. Sie sind geborgen in dichten Sozialstrukturen, in starken Familien und Vereinen, in tradierten Denk- und Verhaltensweisen.

Kommentare (20)

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13.09.2013, 17:46 Uhr

So sama hoid mia Bayern!

Xaver

13.09.2013, 18:02 Uhr

Ich denke woran es liegt, daß es im Süden der Republik (ich schließe Bawü da mal mit ein) wirtschaftlich vorangeht hat, hat deutlich mehr Gründe als im Artikel erwähnt.
Diese zu benennen ist z.T politisch unkorrekt oder "uncool". Wer's erfahren will sollte einfach mal 2-3 Wochen mit dem Fahrrad quer durch's gesamte(!) Deutschland fahren.
Mein Tip ist, daß Sachsen nachdem es in ein paar Jahrzenhten den Ost-Nachteil aufgeholt haben wird meilenweit vor z.B. NRW/Bremen rangieren wird.

P.S. Ich bin kein Bayern und stamme auch nicht aus BaWü, sondern einer Region, die wohl einer schwierigen Zukunft entgegen sieht.

Account gelöscht!

13.09.2013, 18:04 Uhr

Überall wo die SPD länger regiert hat in Bundesländern gings dramatsich berab.
Das reicht völlig als Erklärung.

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