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05.01.2011

05:11 Uhr

Wiebes Weitwinkel

Das schwierige Erbe des Herrn Kaldemorgen

VonFrank Wiebe

Traditionelle Fondshäuser müssen an mehreren Fronten zugleich kämpfen. Und für die Deutsche Bank geht es letztlich darum, wofür die Marke „DWS“ künftig stehen soll.

Frank Wiebe ist Kolumnist. Quelle: Pablo Castagnola

Frank Wiebe ist Kolumnist.

Klaus Kaldemorgen steht für die große Zeit der DWS. Für die Jahre, in denen selbst angelsächsische Konkurrenten „Di-dabbelju-ess“ fast so andächtig aussprachen wie „Bi-emm-dabbelju“. Insofern ist es vernünftig, dass die Deutsche Bank ihrer Tochter diesen Mann mit seinem bekannten Namen und seinem unverwechselbaren, Vertrauen erweckenden Charme als Fondsmanager und Werbeträger erhält, auch wenn er als Geschäftsführer abgelöst wird.

Hintergrund dieser Ablösung ist, dass die großen Fondsgesellschaften mächtig unter Druck stehen. Daher hinterlässt Kaldemorgen seinem Nachfolger Wolfgang Matis ein schweres Erbe. Der Druck kommt von mehreren Seiten. Seit Jahren schon sind die börsengehandelten Fonds (ETFs) auf dem Vormarsch, mit denen sich zum Beispiel Aktienindizes sehr viel kostengünstiger abbilden lassen als mit traditionellen Produkten. Auf der anderen Seite drängen große Hedge-Fonds-Anbieter wie etwa die britisch-schweizerische Man-Group in den Massenmarkt und versuchen, ihre Produkte so zu verpacken, dass sie ein breites Publikum ansprechen. Dann wieder gibt es kleinere oder spezialisiertere Fonds, die mit ausgefallenen Strategien oder vielleicht – ein Ausnahmefall – einem tatsächlich genialen Manager versuchen, die Indizes zu schlagen. Für eine große, an einen Konzern gebundene Fondsgesellschaft wird es schwierig, in allen diesen Bereichen zugleich exzellent zu sein und davon den Kunden im Marketing zu überzeugen. Letztlich geht es jetzt also um die Frage, wofür die Marke „DWS“ künftig stehen soll.

Die traditionellen Strategien der Fondshäuser haben an Attraktivität verloren. Ein Aktienfonds, der sich in etwa am Dax oder einem anderen großen Index orientiert und ihn nur ein wenig abwandelt, ist gemessen an ETFs zu teuer und im Vergleich mit „alternativen“ oder „Absolute Return“-Strategien – also den Produkten der Hedge-Fonds – zu simpel gestrickt. Die klassischen „Value-Fonds“, die gezielt unterbewertete Aktien kaufen und überbewertete abstoßen, sind häufig zu früh aus der Börse ausgestiegen, als es gerade richtig losging mit den Kurssteigerungen. „Wachstumsfonds“, die eigentlich Zukunftsaktien herauspicken sollen, erwiesen sich dagegen oft nur als Wellenreiter, die in dem Moment baden gehen, wo die Kurswelle bricht. Die ganze Strategie der langfristigen Aktienanlage – kaufen und liegen lassen –, auf die traditionelle Fondshäuser samt ihren Gebührenstrategien ausgerichtet sind, ist durch die großen Megaschwankungen an den Börsen fragwürdig geworden.

Zu klären ist also: Was macht die Fondsgesellschaft künftig selbst, wo geht sie Kooperationen ein? Soll alles tatsächlich unter einer Marke angeboten werden? Wie kann man die Gebühren so strukturieren, dass die Fonds wettbewerbsfähig sind, aber auch genug Ertrag für die Bankfilialen abwerfen? Wahrscheinlich ist Kaldemorgen tatsächlich froh, dass er sich jetzt nur noch auf die Anlagestrategie konzentrieren muss.

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