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12.01.2010

16:12 Uhr

Wiebes Weitwinkel

Über die vielfältigen Optionen des Finanzministers von Schuldistan

VonFrank Wiebe

Wie bittet man ausländische Gläubiger zur Kasse? Es kommt alles darauf an, ob es sich um ein großes oder ein kleines Land handelt und ob es eine eigene Währung hat.

Stellen Sie sich vor, Sie sind Finanzminister von Schuldistan. Und Sie überlegen, wie Sie Ihren Schuldenstand so reduzieren können, dass Ihre Wähler dabei möglichst verschont werden und die Ausländer die Zeche zahlen. Welche Optionen haben Sie?

Wenn Schuldistan ein relativ kleines Land mit einer relativ kleinen Währung ist (sagen wir dem "Rötling"), ist der Fall recht einfach. Wahrscheinlich haben Sie dann einen Teil Ihrer Schulden in Rötlingen aufgenommen und bei den heimischen Banken und Bürgern platziert. Einen erheblichen Teil Ihrer Mittel werden Sie aber auch in Dollar oder Euro aufgenommen haben - weil in diesen Märkten die Zinsen niedriger sind und viel größere Investorenkreise angesprochen werden. Sie müssen also jetzt nur Ihre Euro- und Dollar-Anleihen im Wert herabsetzen. Dann zahlen die Ausländer die Zeche, die eigenen Bürger bleiben weitgehend verschont, denn sie werden ja die höher verzinsten Rötling-Papiere gekauft haben. Wenn Sie es klug anstellen und die gesamte Schuld an der Misere auf die Vorgängerregierung, die allgemeine (von den großen Ländern ausgegangene!) Finanzkrise, den Kolonialismus oder alles drei abwälzen, kommen Sie möglicherweise ganz gut davon und können ein paar Jahre später wieder an den Kapitalmarkt zurückkehren.

Schwieriger wird es, wenn Schuldistan ein kleines Land ist, aber in Euro (oder in Dollar, auch das gibt es ja) rechnet. Dann dürfte es kaum möglich sein, zwischen In- und Ausländern zu unterscheiden. Wenn Sie versuchen würden, nur die Papiere im ausländischen Besitz abzuwerten, würden die inländischen Banken ein Geschäft daraus machen, den Ausländern ihre Anleihen abzukaufen und diese so zu inländischen Bonds umzuwandeln. Falls Ihr eigenes Bankwesen völlig unterentwickelt ist und die Bürger arm sind, so dass fast alle Gläubiger im Ausland sitzen, könnten Sie einen Staatsbankrott riskieren. Wenn aber die eigenen Bürger und Banken zum großen Teil Ihre Schulden finanziert haben, würden die Ihnen den Kopf abreißen. Deswegen werden Sie eher versuchen, sich durchzuwurschteln, und eher mit Vermögenszwangsabgaben operieren (das freut manche Wähler ja sogar), als die heimischen Banken in die Pleite zu reiten.

Die dritte Möglichkeit: Schuldistan ist ein großes Land mit einer großen Währung. Dann können Sie nur versuchen, das Problem per Inflation zu lösen - dabei zahlen zwar die eigenen Bürger, aber das Ausland zahlt wenigstens mit. Oder das Ausland (zum Beispiel China) lässt die eigene Währung mit abwerten, um seine Dollarreserven nicht abschreiben zu müssen - dann wird es sich aber selber Inflation einhandeln. Für andere Ausländer (z.B. in Europa) mit weniger Dollarreserven dürfte es billiger sein, die eigene Währung stabil zu halten: Dann müssen zwar manche Vermögensbesitzer Dollarbestände abschreiben, aber es werden nicht alle Anlagen entwertet.

Das sind Ihre Optionen: Besonders viel Spaß werden Sie mit keiner davon haben.

Kommentare (1)

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Florian Winkler

24.01.2010, 17:05 Uhr

ich würde gerne wissen wie der Minister von Schuldistan die Staatsanleihen in €uro/Dollar herabsetzen kann?

Er emittiert andere Papiere mit höheren Zinsen, so dass die Nachfrage nach den alten Anleihen sinkt und somit auch ihr Kurs?

Er erhöht allgemein die Zinsen, aber so dass sie noch unter den Roetling-Anleihen sind (damit die bürger nur Rötling Anleihen kaufen)

Was anderes fiele mir nicht ein,

wenn das jemand weiß, bitte verratet mir wie das funktioniert!

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