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15.02.2014

08:18 Uhr

Winterspiele in Sotschi

Olympische Spiele sind schön und ungerecht!

VonMichael Steinbrecher

Die Bilanz deutscher Athleten in Sotschi kann sich sehen lassen. Zu Recht sind viele Fernsehzuschauer begeistert von den spannenden Wettkämpfen. Da passen kritische Töne von Athleten nicht so recht ins Bild.

Michael Steinbrecher ist Journalistik-Professor und moderierte viele Jahre das ZDF-Sportstudio.

Michael Steinbrecher ist Journalistik-Professor und moderierte viele Jahre das ZDF-Sportstudio.

Erinnern Sie sich noch an Tatjana Hüfner, Rodel-Silbermedaillengewinnerin von Sotschi? Nach dem deutschen Doppelsieg zu Beginn der Spiele beklagte sie sich vehement darüber, dass der Verband sie benachteiligt und ihr „Steine in den Weg gelegt“ habe. Sonst wäre womöglich sie, und nicht Natalie Geisenberger, mit der Goldmedaille nach Deutschland zurückgekehrt. Eine Ungleichbehandlung im deutschen Team? Gab es da vielleicht einen eklatanten Verstoß gegen das hohe Gut der „Chancengleichheit“, die so oft zitiert wird? Denn ohne Chancengleichheit keine Fairness im Sport?

Sogleich war in manchen Zeitungen mit großen Buchstaben von „Zickenkrieg“ die Rede. Der Verband wehrte sich gegen die Vorwürfe. Hüfner ruderte ein wenig zurück und gratulierte der neuen Olympiasiegerin, hielt ihre Kritik am Verband aber aufrecht. Ich möchte den Fall hier nicht aufrollen oder bewerten. Aber spannend ist doch die Frage: Gibt es überhaupt so etwas wie Chancengleichheit im Sport? Innerhalb eines Teams, wie Hüfner es einfordert, oder auch zwischen den Nationen? Kommt es wirklich auf die unter vergleichbaren Bedingungen erbrachten Leistungen der einzelnen Sportler an? Darauf, dass alle die gleichen Trainingsbedingungen haben, damit am Ende die beste gewinne?

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Michael Steinbrecher zählt zu Deutschlands bekanntesten Sportmoderatoren. Als unser neuer Kolumnist wirft er ab sofort immer samstags einen kritischen Blick hinter die Kulissen des internationalen Spitzensports.

Ein klares „Nein“! Denn falls diese Definition von Chancengleichheit die Maxime wäre – warum trainieren und starten dann nicht beispielsweise die Rodlerinnen und Rodler aller Nationen mit den gleichen Schlitten? Die Rodelverbände, die am meisten Geld in die Forschung investieren und das beste Material produzieren, haben einen Riesenvorteil gegenüber den Nationen, die sich beides nicht leisten können. Insofern ist der herausragende Erfolg der deutschen Rodlerinnen und Rodler nicht nur den Sportlern, sondern auch dem für sie arbeitenden Technik-, Trainer- und Wissenschaftsteam zuzuschreiben. Nicht umsonst hatte Olympiasiegerin Geisenberger direkt nach dem Sieg, noch voller Emotion, zuerst zu Protokoll gegeben. „Ich wusste, der Schlitten läuft.“ Kein noch so herausragender Athlet hat ohne konkurrenzfähiges Material auch nur den Hauch einer Chance.

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