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13.01.2009

13:18 Uhr

Yahoo-Neuausrichtung

Yahoo: Die lange Suche nach dem Retter

VonJeff Segal (breakingviews.com)

Eine Liste viel versprechender Kandidaten für den Chefposten aufzustellen, erweist sich als schwierig für die führungslose Internetfirma Yahoo. Während die Spitzenreiterinnen – Sue Decker und Carol Bartz – den Anforderungen durchaus genügen, sieht es dennoch nicht so aus, als könnten sie das Ruder bei der Firma richtig herumreißen. Die Aktionäre von Yahoo sollten ihre Erwartungen zügeln.

Yahoo tut sich schwer, seinen Ritter in der schimmernden Rüstung zu finden. Zwei Monate lang dauert die Suche der Internet-Firma nach einer Person, die dem in Misskredit geratenen Chief Executive Jerry Yang nachfolgen soll, nun schon. Und die Spitzenreiterinnen - Sue Decker und Carol Bartz - erwecken nun nicht gerade vollstes Vertrauen. Zwar würden beide den Anforderungen sicherlich durchaus genügen, aber keine von beiden macht den Eindruck, als ob sie das Spiel für die Internet-Firma herumreißen könnte. Doch genau dies hat Yahoo dringend nötig. Die Aktionäre von Yahoo sind vielleicht gut beraten, wenn sie ihre Erwartungen auf eine drastische Neuausrichtung im Zaum halten.

Seitdem die Firma im November ihre Suche nach einem neuen Chef eingeleitet hat, sind immer mal wieder hochrangige Namen, darunter der ehemalige Vodafone-Chef Arun Sarin und der Boss von News Corp, Peter Chernin, als potenzielle Kandidaten in den Schlagzeilen aufgetaucht. Aber beide haben sich aus dem Rennen zurückgezogen und das Feld Sue Decker, der Nummer Zwei des Unternehmens, und Carol Bartz, der Chefin von Autodesk, überlassen.

Decker, die bei Yahoo auch schon als Chief Financial Officer fungierte, galt lange als offensichtliche Anwärterin auf den Spitzenposten. Doch als Yang aufgab, trat das Unternehmen umgehend eine externe Kandidatensuche los. Das war sicherlich nicht gerade ein Vertrauensbekenntnis in die Bewerbung von Decker. Das soll nicht heißen, dass es ihr an Qualifikationen mangelt - sie kennt Yahoo besser als jeder andere Kandidat. Doch ist dies nicht unbedingt ein Pluspunkt. Denn Decker wird damit automatisch auch mit den jüngsten Schwierigkeiten der Firma assoziiert, die dazu geführt haben, dass der Kurs der Yahoo-Aktien um 60 Prozent gegenüber den 31 Dollar je Aktie gefallen sind, die Microsoft im Februar für das Internet-Unternehmen geboten hatte.

In dieser Hinsicht geht Bartz schon eher als eine Externe durch. Sie war 14 Jahre lang bei der Design-Software-Firma Autodesk am Ruder und zuvor in führenden Positionen bei Sun Microsystems und 3M tätig. Doch das alles verleiht ihr noch lange nicht den nötigen Biss für die Internetsuche oder in der Online-Werbung, den Goldeseln von Yahoo. Und ihre Ämter in den Boards von Cisco, neben Yang, und von Intel, zusammen mit Decker, lassen es seltsam konventionell erscheinen, dass man sie als Kandidatin berücksichtigt, wenn man bedenkt, welchen radikalen Umbau Yahoo eigentlich benötigt.

Natürlich werden sich hoch qualifizierte Anwärter nicht gerade auf die Gelegenheit stürzen, Yahoo zu leiten. Der Board der Firma ist komplett überreizt und von Machtkämpfen erfüllt, die dazu geführt hatten, dass der aktivistische Investor Carl Icahn sich im Juli Zutritt erzwungen hat. Doch trotzdem hätten sich die Aktionäre von Yahoo Kandidaten erhoffen können, die ein wenig mehr Vertrauen in das erwecken könnten, was da kommen mag.

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